GCDS: Zeitgeist merkt sich alles

GCDS: Zeitgeist merkt sich alles

Überwachung auf dem Desktop

Mathias Huber
06.07.2009 "Wo finde ich das Arbeitsblatt, das ich am Dienstag in der Uni-Bibliothek entworfen habe?" Wer seine Dateien so sucht, sollte sich für Gnome Zeitgeist interessieren.

Im Guadec-Track des Gran Canaria Desktop Summit haben Federico Mena-Quintero, Seif Lotfy und Thorsten Prante ihr Projekt vorgestellt. Sie hätten nach einer neuen Art gesucht, Dateien und sonstige Informationen auf Computern für den Anwender auffindbar zu machen.

Zeitgeist besteht aus einer Engine, die Ereignisse (Events) protokolliert und einer Ansicht (Journal), die diese Daten dem Anwender aufgearbeitet präsentiert. Während die Engine per Systrace lauscht, welche Anwendungen starten und welche Dateien oder URLs diese öffnen, kann der Journal-Viewer dem User zeigen, welche Dokumente er letzte Woche geöffnet hatte, als eine E-Mail seiner Mutter eintraf.

Mit diesem Ansatz kommt Zeitgeist dem episodischen Gedächtnis des Menschen entgegen, das sich Tätigkeiten und Erlebnisse merkt. Das Journal oder Tagebuch ist das Werk von Seif Lotfy. Es zeigt Events nach Tagen oder Uhrzeit sortiert an, weiß, welche Dokumente am häufigsten geöffnet waren und auch welche Dokumente häufig zusammen bearbeitet werden - was auf einen semantischen Zusammenhang zwischen den beiden schließen lässt.

Das Zeitgeist-Team von links nach rechts: Federico Mena-Quintero, Seif Lotfy und Thorsten Prante.

Häufig wiederkehreende Muster weisen auf eine typische Tätigkeit hin, beispielsweise kann eine IDE mit geöffneten Quelltextdateien zusammen mit aufgeschlagener Dokumentation und einem Bugtracker-URL im Browser bedeuten, dass die Aktivität Software-Entwicklung stattfindet.

Tätigkeiten lassen sich darüber hinaus auch noch mit äußeren Umständen in Verbindung bringen, ergänzte Thorsten Prante. Neben der Uhrzeit könnten das die GPS-Ortungsdaten sein. Damit ließe sich auch die Frage beantworten: "An welcher Datei habe ich im Zug von Frankfurt nach München gearbeitet?"

Das Zeitgeist-Team betonte, seine Arbeit sei kein Index und keine Desktopsuche wie etwa Tracker und Beagle. Die Software protokolliere schlicht und einfach Ereignisse und biete deren Auswertung an. Zu bestimmten Zwecken ließen sich aber beispielsweise Zeitgeist-Events und Tracker-Tags nutzbringend verbinden.

Zeitgeist zeichnet Ereignisse auf, beispielsweise den Start eines Programms, das Lesen einer Datei oder den Besuch einer Webseite.

Eine besondere Anwendung der Zeitgeist-Technologie stellten die Entwickler zum Abschluss vor: Die Software lässt sich auch zur elterlichen Aufsicht über jugendliche Computerbenutzer einsetzen: Entsprechen die beobachteten Events etwa der Tätigkeit "Websuche nach Pornografie" kann Zeitgeist den Browser beenden oder eine Mail an die Erziehungsberechtigten schicken. Das Beispiel führte zu gemischten bis ablehnenden Reaktionen des Publikums, Seif Lotfy vom Zeitgeist-Team betonte aber, dies sei nur eine der möglichen Anwendungen.

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