FreeNX-0.3.0 freigegeben

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Kurt Pfeifle
06.03.2005

Zum krönenden Abschluss des FreeNX-Workshops auf den Chemnitzer Linux-Tagen gab das FreeNX-Team um Fabian Franz die neue Version 0.3.0 offiziell frei. Diese Version enthält wichtige Fehlerbeseitigungen, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen und einige neue Features. Wie bekannt, ist die NX-Technologie in der Lage, sehr performant grafische Benutzeroberflächen von einem Rechner zu einem anderen auch über große Entfernungen und schmalbandige Leitungen zu realisieren, und dieses auch quer über alle wichtigen Betriebssystem-Plattformen hinweg. Damit lassen sich beispielsweise Linux-basierte Terminal- und Applikationsserver kostengünstig aufsetzen und betreiben. Migrationsprozesse weg von Windows hin zu Linux lassen sich "sanft" gestalten und in bewältigbare Häppchen zerkleinern:

  • man kann Migrationen "langsam" angehen (z.B. im ersten Schritt das Linux-KMail als E-Mail-Programm auf den Windows-Desktop zaubern, um zuallererst der Viren-Seuche Herr zu werden).
  • man kann z. B. auch Migrationen anpacken, ohne gleich alle Fachanwendungen komplett auf Linux verfügbar zu haben (da man sie jederzeit per NX von Windows-Terminalservern auf Linux-Desktops holen kann).

Beseitigte Fehler:

  • "Fullscreen"/Windows-Client können jetzt erfolgreich Sitzungen suspendieren und später wieder aufnehmen.
  • Probleme mit anderssprachigen Tastature-Layouts für Verbindungen zu Windows-Rechnern (RDP) sind behoben.
  • Der Session-Type "unix-default" funktioniert jetzt.
  • Probleme mit der Beendigung von Sitzungen (weiterlaufende Prozesse) sind behoben.
  • Der Modus "Einzelanwendung im 'floating window' starten" funktioniert jetzt.

Anmerkung: KDE-Einzelanwendungen in FreeNX-Sessions sollten mit dem Zusatz-Parameter "--nofork" gestartet werden. Dies verhindert, dass der (N)X-Server sich beendet, weil der meint, die "in den Hintergrund" getretene Anwendung hätte sich geschlossen. Anwender können einen Blick auf den künftigen Geschwindigkeitsgewinn im Einzelanwendungs-Modus werfen, indem sie ENABLE_ROOTLESS_MODE="1" in node.conf aktivieren. Dies versetzt das Teilprogram nxagent in den rootless mode. Dieser Modus führt die Unterdrückung von "X11-Roundtrips" (Standard im "Full-Desktop-Modus") auch bei Einzelanwendungen durch. Allerdings hat dieser Modus derzeit noch Probleme beim Schliessen von Unterfenstern, und ist derzeit noch als experimentell zu betrachten.

Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen:

  • Sowohl eigens erzeugte SSH-Schlüssel als auch der generisch-"bequeme" NoMachine-Schlüssel begrenzen jetzt die Reichweite der möglichen Aktionen. Die Schlüssel verbieten z. B. Port-Forwarding, Agent-Forwarding und X11-Forwarding, und erlauben als einzig ausführbares Kommando nxserver.
  • Alle Security-Fixes von 0.2.8

Neue Features:

  • FreeNX hat jetzt alle Konfigurations-Variablen in eigene Konfigurations-Dateien ausgelagert. Diese sind weitestgehend kompatibel mit der node.conf des kommerziellen NoMachine NX-Servers.
  • nxsetup unterstützt jetzt --uninstall. Diese erlaubt eine De-Installation von FreeNX.
  • nxsetup --install unterstützt jetzt die Zusatzparameter --clean und --purge. Dies erlaubt eine rückstandsfreie Beseitigung früherer Konfigurationen, die oftmals zu Problemen bei der Aktualisierung von FreeNX führten.
  • $HOME für den Nutzer nx ist jetzt in /var/lib/nxserver/home/, das Logfile in "/var/lib/nxserver.log" (FHS-kompatibel).
  • Der Authentisierungs-Code ist völlig neu geschrieben. Er lässt jetzt die Wahl zwischen "ssh" und "su" zu, um Benutzer-Login via Passwort zu erlauben.
  • NODE_AUTOSTART="myprogram" startet myprogram mit "start"/"restore" jeweils be Session-Beginn oder -Wiederherstellung. myprogram könnte vielleicht den Desktop säubern, oder andere Autostart-Aufgaben übernehmen. Dies ist besonders nützlich, wenn man eine Session-Wiederverbindung von einem anderen Client aus durchführt (wo die Standard-KDE- oder GNOME-Mechanismen nicht greifen).
  • FreeNX unterst&uuml;tzt jetzt eine systemweite Konfiguration in /etc/nxserver/ als node.conf mit zus&auml;tzlich benutzerspezifischen "<nutzername>.node.conf-Dateien. Benutzerspezifische Einstellungen &uuml;berschreiben dabei die System-Vorgaben. Damit kann der NX-Admin dem Nutzer "fabian" z. B. leicht die neue AUTOSTART-Funktion zu Testzwecken aktivieren, ohne anderen Nutzern ihre stabile Umgebung zu nehmen.
  • Der NX-Benutzerkreis kann jetzt mit USERDB=1 eingeschr&auml;nkt werden.
  • Export der Variablen NX_USERIP und NX_SESSIONID um sie in der Benutzer-Umgebung verf&uuml;gbar zu machen. Dies erlaubt z.B. die Schaffung eines KDE-Programmsymbols mit dem "generischen" Inahlt:

    Exec=smb://$NX_USERIP/floppy
    Damit k&ouml;nnte jeder Nutzer per Samba v&ouml;llig konfigurationsfrei auf das Floppy-Laufwerk seines ThinClient zugreifen (Beispiel aus dem "richtigen Leben")

  • Konfliktfreies Installieren und Betreiben von NoMachine NX-Server und FreeNX-Server auf ein und demselben System. Falls der Benutzer kpfeifle sich als freenx.kpfeifle anmeldet, wird die NX-Session vom FreeNX-Server betrieben, andernfalls vom NoMachine-Server. Hierf&uuml;r muss die Direktive ENABLE_NOMACHINE_FORWARD="1" aktiviert sein.
  • Generisches NX-Verbindungs-Forwarding erlaubt jetzt die Verkettung von NX-Servern (beispielsweise um NX-Sessions auch &uuml;ber Firewalls zu erm&ouml;glichen).

N&auml;chste Vorhaben:

Eine 0.4.0-Release ist f&uuml;r Anfang Mai geplant, die 0.5.0 f&uuml;r Anfang Juli. Feature-Requests werden von den Entwicklern auf der Mailingliste freenx-knx@kde.org entgegengenommen.

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