VP8 statt H.264?

Free Software Foundation möchte offenes VP8-Format von Google

Free Software Foundation möchte offenes VP8-Format von Google

Anika Kehrer
23.02.2010 In einem offenen Brief appelliert die Free Software Foundation an Google: Nach der jetzt abgeschlossene Übernahme des Videotechnologie-Unternehmens On2 möge der Software-Riese das HD-Videokompressionsformat VP8 offenlegen.

"Denk nur was Du erreichen könntest", lockt die Free Software Foundation Google in dem offenen Brief, "wenn Du den VP8-Codec unter einer gebührenfreien Lizenz an Deine Youtube-Nutzer ausgibst?" Es geht ihr aber um mehr als das kostenfreie Zurverfügungstellen: Google habe nun die Macht, die Abhängigkeit des Internets von lizenzpflichtigen Videoformaten und proprietären Playern zu beenden. Jeder vom Anwender über den Video-Produzenten bis hin zum Software- und Hardware-Entwickler erhielte eine Alternative zu Patenten, Gebühren und Verwendungsbeschränkungen, argumentiert die Interessensorganisation. Mit Blick auf die Videoplattform Youtube, die sich seit Herbst 2006 in Googles Besitz befindet, erinnert sie den Internetriesen an sein eigenes Wachstum auf der Grundlage freier Software und beschwört ihn: "Du hast es in der Hand, solche freien Formate weltweit durchzusetzen."

On2 steckt hinter dem Videocodec VP3, der 2002 frei wurde und dem freien Codec Ogg Theora zu Grunde liegt. Die Firma On2 ist auch Urheber des HD-fähigen Videocodecs VP6, der seit 2004 in Adobes Flash-Format zum Einsatz kommt. Diese Version hat On2 für die nich kommerzielle Nutzung kostenfrei gemacht, und sie steckt in der Codec-Bibliothek Libavcodec des Ffmpeg-Projekts. Die neuere Version VP8 kam im September 2008 heraus. VP gilt als Konkurrent zu dem ebenfalls proprietären HD-Kompressionsformat H.264, einem Teil des MPEG-Formats, dessen Lizenzierung die MPEG LA verwaltet. Adobes Flash-Plugin unterstützt sowohl VP6 als auch H.264. Freie Software wie Mozilla Firefox kann zwar das freie Format Theora nativ abspielen, VP6 und H.264 aufgrund der Lizenzbedingungen aber nicht.

Google hat die endgültige Übernahme von On2 am 19. Februar 2010 bekannt gegeben. Die Firma für Web-Videotechnologie ist dem Suchmaschinenriesen nach eigenen Angaben knapp 125 Millionen US-Dollar wert. Grund für die Übernahme ist Googles Interesse an der Kompressionstechnologie des im US-Bundesstaat New York ansässigen Unternehmens, für die unter anderem auch Adobe mit dem Flashplayer Kunde von On2 ist. Die Übernahmeabsicht bestand schon seit August 2009. Die On2-Aktionäre sträubten sich aber zunächst, wie das Wall Street Journal seinerzeit berichtete, und reichten gegen Google sowie ihren eigenen Vorstand an einem US-Gericht in Delaware eine Schadensersatzklage ein: Der damals angebotene Übernahmepreis von rund 107 Millionen Dollar erschien ihnen zu gering.

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