Fedora Core 5 im Test

Fedora Core 5 im Test

Redaktion LinuxUser
02.05.2006

Fedora eröffnet die Frühjahrsmode der Saison mit einigen gewagten Software-Stücken. Wir haben einen Blick auf die neue Kollektion geworfen. Nummer 5 von Fedora Core bringt einige Neuerungen im Server-Bereich, wie Virtualisierung mit Xen. Für den Desktop-Benutzer sind die aktuellsten Versionen von KDE und Gnome mit an Bord.

von Oliver Frommel

Dieser Artikel wurde ursprünglich in LinuxUser Ausgabe 05/2006 veröffentlicht und exklusiv für die Linux-Community ausgewählt. Weitere Beiträge findet ihr auch auf der LinuxUser-Homepage. Wie immer interessiert uns euer Feedback. Schreibt uns hier eure Meinung, sodass wir in Zukunft weitere interessante Artikel aus unseren Heften auswählen können.

Was ist bloß los mit den Linux-Distributoren? Kaum einer schafft es noch, die eigene Distribution termingerecht fertigzustellen. Neben Ubuntu und Suse hatte auch Red Hat den Veröffentlichungstermin der Community-Distribution Fedora Core verschoben. Am 20. März war es endlich soweit, die ISO-Images fanden ihren Weg auf die weltweiten Mirror-Server.

Neues Logo, neues Glück

Nach dem Booten überrascht Fedora mit einem neuen "Artwork", das neben der blubbernden Blasenoptik auch das neue Fedora-Logo enthält: ein symmetrisches "f", das über einem blauen Unendlichkeitszeichen liegt. Beides ist eingebettet in eine Art Sprechblase, die nach der Idee der Logo-Schöpfer für die Stimme der Community steht. Ähnlich soll das f neben Fedora auch Freedom (Freiheit) bedeuten (mehr zum Fedora-Designprozess). Das alles kann man wohl als Versuch verstehen, zumindest über das Logo-Design die Offenheit des Fedora-Projekts zu kommunizieren, die Red Hat nach Ansicht vieler bisher vermissen ließ.

Abgesehen von der Optik hat sich im Fedora-Installer nichts Wesentliches geändert. Mit einer grafischen Oberfläche führt er durch die übersichtliche Installation, die neben der konventionellen Partitionierung auch die Verwendung logischer Volumes mit LVM anbietet. Privatanwender sollten davon jedoch absehen, wenn es keinen speziellen Grund gibt, LVM zu benutzen.

Installation oder Upgrade

Neuheiten-Telegramm

Gnome 2.14, KDE 3.5, Web-Browser Firefox 1.5, OpenOffice 2.0, Xorg Release 7, Paketmanager-Frontends Pup und Pirut, Compiler GCC 4.1, Kernel 2.5.16, C-Bibliothek Glibc 4.4, Fremdsprachige Eingabe mit SCIM, SE-Linux-Reference-Policy, Virtualisierung mit Xen 3.0, Postgresql 8.1, MySQL 5.0

Hat der Installer die Pakete auf die Festplatte kopiert, bleiben noch einige abschließende Schritte. Dazu zählen die Einrichtung von Firewall und SELinux, das Anpassen von Datum und Uhrzeit sowie der Soundkarten-Test. Alte Fedora-Releases lassen sich in der Regel ohne Neu-Installation auf Core 5 updaten. Mehr Informationen dazu finden sich im LinuxUser-Artikel zu Fedora Core 4.

Nach dem ersten Booten begrüßt ein ebenfalls optisch aufgemöbelter Gnome-Login-Manager den Fedora-Benutzer. Den Login-Prozess selbst haben die Entwickler etwas beschleunigt. Als Standard-Desktop kommt in Fedora Gnome 2.14 zum Einsatz, KDE-Fans können ihren Lieblings-Desktop in Version 3.5 installieren. Die Neuerungen in Gnome 2.14 stellt ein eigener Artikel in diesem Heft vor.

Weitere Neulinge auf dem Desktop sind die Paket-Manager-Frontends Pup und Pirut. Warum Red Hat gleich zwei Tools zu einem ähnlichen Zweck beilegt, erschließt sich nicht ohne Weiteres. Pup kümmert sich jedenfalls eher um System-Updates, während Pirut sich auf das Installieren und Entfernen von Software im Allgemeinen konzentriert. Beide benutzen das darunter liegende Yum-Paketmanagement, das sich wiederum auf RPM stützt.

Programmieren leicht gemacht

Vor einigen Monaten sorgte die Meldung, dass Fedora Core 5 nun auch die Mono-Umgebung in die Distribution aufnimmt, für einige Aufregung. Bisher hatte Red Hat bei allen Distributionen auf den vorwiegend von Novell entwickelten Klon von Microsofts .NET-Umgebung verzichet. Dass der Mono-Interpreter und die wichtigsten Bibliotheken nun zum Lieferumfang gehören, schafft die Voraussetzungen dafür, einige recht beliebte Mono-Programme in Fedora aufzunehmen. Dabei handelt es sich einmal um die zwar einfach aufgebaute, aber leistungsfähige Notizzettel-Anwendung Tomboy, die ihre Zettel in verschiedene Formate exportieren oder direkt auf Weblogs veröffentlichen kann. Auch die Desktop-Suchmaschine Beagle sowie F-Spot, eine Anwendung zum Management digitaler Fotos, setzen auf Mono.

Red Hat selbst setzt bei der Anwendungsentwicklung eher auf Java. Entsprechend enthält die Distribution eine ganze Menge Java-Software, wenn auch vorwiegend für Programmierer. Die Firma engangiert sich stark in der Entwicklung einer zu Suns JDK alternativen Java-Infrastruktur, die auf den GNU-Compiler GCJ und die Klassenbibliotheken von GNU Classpath setzt. Red Hat hat für Fedora sogar die Java-Entwicklungsumgebung Eclipse und den Web-Application-Server Geronimo nativ übersetzt. Wer parallel Suns JDK installiert, kann zwischen den Java-Versionen mit dem Befehl alternatives umschalten.

Fedora Core 5 enthält die neueste Version 4.1 des GNU C-Compilers GCC, mit dem Red Hat auch alle Pakete der Distribution übersetzt hat. GCC 4.1 bringt neue Möglichkeiten zur besseren Programmoptimierung, ist aber nicht uneingeschänkt rückwärtskompatibel. Deshalb bietet Fedora auch weiterhin den älteren GCC 3.2 an. Unter der Motorhaube findet sich ein Kernel 2.6.15 mit der Glibc 2.4.4. Das erst vor kurzem eingeführte Hotplug-Subsystem wurde bereits wieder entfernt: Seine Aufgaben übernimmt nun vollständig Udev, das sich um das Treiber, Gerätedateien und Hotplugging kümmert.

Beim Thema Sicherheit setzt Fedora weiterhin auf SELinux, das sich durch die Einführung modularer Policies mit der so genannten Reference Policy nun etwas leichter administrieren lässt. Alle Programme wurden mit einem speziellen Feature kompiliert, die das Ausnutzen von Buffer Overflows erschwert.

Grafische Spielerei mit AIGLX

In Sachen Multimedia enttäuscht Fedora Core 5 wie seine Vorgänger durch schwache Ausstattung. Zwar unterstützt die Distribution von Haus aus die Xiph-Codecs Ogg (Audio) und Theora (Video), MP3- und DVD-Support fehlen aber. Abhilfe schafft wie immer das Livna-Repository, das alle nötigen Bibliotheken führt.

Das neue Fedora bringt allerdings ein Feature mit, das Multimedia-Freunde interessieren dürfte: Red Hat entwickelt bereits seit einiger Zeit an einem Hardware-beschleunigten Desktop. Dabei sollen 3D-Grafikkarten mit ihren leistungsstarken Prozessoren Desktop-Effekte wie Transparenz oder Schatten berechnen. Die von Red Hat favorisierte Lösung dafür heißt AIGLX (Accelerated Indirect GL X). Wer es ausprobieren möchte, sollte allerdings erst die Systemvoraussetzungen überprüfen: Bisher funktioniert AIGLX nur mit den meisten ATI- und Intel-Karten. Nvidia-Besitzer müssen noch auf die nächste Version des Treibers warten.

Der X-Server "zeichnet" bei AIGLX die Fensterinhalte in einen unsichtbaren Speicherbereich. Der so genannte Compositing Manager setzt aus diesen Bilddaten den Desktop zusammen, fügt gegebenenfalls noch Schatten und Transparenz hinzu und bringt das Gesamtkunstwerk auf den Bildschirm. Das alles muss natürlich viele Male pro Sekunde von statten gehen, damit der Benutzer kein Flackern oder ähnliche Störungen wahrnimmt.

Abbildung 1: Gut versteckt: Der Dialog zum Umschalten auf den AIGLX-Server für hardwarebeschleunigten Desktop-Effekte.

Red Hat hat für AIGLX das Compositing in den Window-Manager Metacity integriert. Per Default ist es allerdings abgeschaltet, denn das Feature funktioniert ohne speziellen X-Server ohnehin nicht. Der wiederum findet sich bislang nicht in den üblichen Fedora-Repositories. Wer AIGLX verwenden möchte, muss das Repository eines Entwicklers eintragen, wie hier beschrieben. Dann installiert der Befehl yum install xorg-x11-server-Xair das Paket. Anders als dort beschrieben stimmen die Versionen von Metacity und GDM bereits.

Abbildung 2: Der Gnome-Networkmanager überwacht Ethernet und WLAN. Beim Herstellen bzw. Trennen einer Verbindung erhält der Desktop-Benutzer eine entsprechende Nachricht.

Das Konfigurationsprogramm verbirgt sich hinter System | Administration | Anmeldebildschirm. Hinter dem Reiter Sicherheit findet sich der Schalter X-Server konfigurieren, der endlich das gesuchte Fenster öffnet (Abbildung 1). Ein Klick auf Hinzufügen/Bearbeiten öffnet einen kleinen Dialog, indem man als Server aiglx einstellen kann. Bleibt nur noch, Metacity mitzuteilen, dass er auch als Compositing Manager arbeitet. Dazu bietet die Metacity-Konfiguration im Gconf-Editor unter /apps/metacity/general einen Schalter compositing_manager. Ein anschließender Neustart des X-Servers aktiviert die Effekte. Auf dem Testsystem mit einer schon etwas betagten ATI Radeon 7000 funktionierten die schwabbelnden Fenster zwar, die Geschwindigkeit fiel aber nicht gerade berauschend aus.

Neu und gut

Auch wenn es keine großen Überraschungen bietet, zeigt sich Fedora Core 5 als moderne und stabile Distribution. Es enthält aktuelle Software im Server- und Desktop-Bereich wie den Virtualisierungsmanager Xen und die neuesten Gnome- und KDE-Umgebungen. Einen Überblick gibt der Kasten "Neuheiten-Telegramm". Durch die umfangreiche Unterstützung von Mono und Java eignet sich Fedora Core 5 besonders gut für Systemadministratoren und Programmierer -- oder solche, die es werden wollen. (ofr)

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