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Fallstudie: Limux- das Linux der Stadt München

09.09.2008

Der europäische Open-Source-Informationsdienst OSOR hat eine Fallstudie über Limux vorgelegt. Limux heißt das Projekt der Stadt München, bei dem die Landeshauptstadt Desktops in der öffentlichen Verwaltung auf Linux umstellt.

Die neueste Veröffentlichung in der Reihe der OSOR Case Studies beschreibt den Werdegang des München-Linux zum Beispiel anhand der Punkte Budget und Finanzierung, Technische Vorgaben und Evaluationsbedingungen. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Stadt sich klar aus finanzstrategischen Gesichtspunkten für Linux entschieden habe, weil Ausgaben nur für Softwareanpassungen an die eigenen Bedürfnisse anfallen. Die Studie gibt auch einen Einblick darin, dass die Akzeptanz quelloffener Software ein ausschlaggebendes Moment für solche Projekte ist. Nicht nur die Entscheider müssen dahinter stehen, schlussfolgert der Autor, sondern auch die Betroffenen wie IT-Personal und Sachbearbeiter können beachtliche Widerstände bedeuten. Das Limux-Projekt stamme aus einer Zeit, in der Linux noch als klar exotisch galt. Seine Bemühungen haben sich heute klar ausgezahlt, meint der Verfasser.

Wie gewohnt gibt die Studie daneben einen Fakten-Überblick über das Projekt und seine Eckdaten. Die Evaluation für eine mögliche Open-Source-Zukunft der Stadt begann 2001, die Planungsphase 2003. Die Studie verrät zum Beispiel, wie Linux in der Evaluationsphase vor Microsoft Windows die Nase vorn hatte, und dass das Jahr 2004 damit gefüllt war, eventuelle Patentprobleme rund um freie Sofwtare abzuklären. Im August 2008 waren über die Hälfte der 14.000 Arbeitsplätze auf das München-Linux umgestellt, das auf Debian basiert. So beträgt das Gesamtbudget knapp 13 Millionen Euro. Seit 2004 flossen rund vier Millionen davon zum Beispiel in Beraterdienste und extern beauftragte Programmierarbeiten. Zu den Limux-Stationen gibt es auf Linux-Magazin Online ein Video mit dem Projektleiter Peter Hofmann vom Juni, sowie einen Vortrag "Ein Jahr Linux-Clients in München" von Florian Schießl auf der Perspektive Open Source im Oktober letztes Jahres.

Der Autor der Fallstudie stützt sich auf Gespräche mit Florian Schießl, dem Projektkoordinator von Limux, auf Gespräche mit Christoph Lutz, der den Bereich Openoffice und Wollmux leitet, sowie mit Matthias Braun aus dem internen Limux-Support. Die Studie ist auf den OSOR-Seiten zu lesen und steht dort auch als PDF und ODT zum Download bereit. Der Text enthält einige interessante weiterführende Links, zum Beispiel zu einem Aufsatz über die europäische Open-Source-Politik.

In Auftrag gegeben wurde die Fallstudie von OSOR (Open Source Observatory and Repository), das die Verbreitung von Open-Source-Software fördern will. Es ist Teil des europäischen IDABC-Programms, ein Programm der europäischen Kommission, das Bürger und Unternehmen über grenzübergreifende öffentliche Dienste im Bereich E-Governance informiert (IDABC, Interoperable Delivery of European eGovernment Services to public Administrations, Business and Citizens). Der Autor der Studie, Karsten Gerloff, ist Kulturwissenschaftler mit Forschungsschwerpunkt freie Software. Er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der gemeinsamen Forschungseinrichtung der Maastrichter Universität und der United Nations Universität (UNU-MERIT) in Maastricht. Vorher war er bei der Free Software Foundation Europe (FSFE) beschäftigt.

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