FOSS Factory bezahlt Open-Source-Entwickler

FOSS Factory bezahlt Open-Source-Entwickler

Tim Schürmann
30.04.2008

Nur wenige Programmierer von Open-Source-Software haben das Glück, von einem Unternehmen oder einer Organisation bezahlt zu werden. Das neu gegründete Unternehmen FOSS Factory will dies nun ändern: Durch zentralisierte Spendensammlungen soll die Entwicklung von Open-Source-Software gefördert und somit beschleunigt werden.

Das kanadische Unternehmen arbeitet dabei nach dem so genannten "Bounty"-Prinzip: Hierbei schreibt ein Spender einen festen Geldbetrag für ein ganz konkretes Projekt aus. Diesen Betrag erhält derjenige Entwickler, der eine Lösung für das Projekt präsentiert.

Die FOSS Factory sieht sich als zentrale Sammelstelle für derartige Kopfgelder und will eine gerechte Verteilung der Spenden gewährleisten. Für die Erweiterung des Chat-Clients Pidgin um Video- und Sprachübertragung kam bereits ein Bounty von etwa 5.000 Dollar zusammen, weitere 20.000 Dollar wurden in Aussicht gestellt.

Bereits in der Vergangenheit gab es immer wieder Versuche, Bounty-Systeme für Open-Source-Projekte zu etablieren. Die bekanntesten waren sicherlich SourceXchange und Cosource.com, beide 1999 gegründet und 2001 bereits wieder eingestampft. Um die damals gemachten Fehler nicht zu wiederholen, setzt die FOSS Factory auf Zusammenarbeit: Anstelle einem Programmierer die Arbeit an einem Projekt zu überlassen und somit Gefahr zu laufen, dass er irgendwann aufgibt, wird es in kleinere Teilprobleme, beziehungsweise Komponenten zerlegt. Für jede Komponente wird dann in entsprechenden Foren ein Lösungsansatz (in Form eines anfänglichen Designs) diskutiert, er- und überarbeitet. Den erfolgversprechendsten Komponenten wird dann ein Teil des Bounty zugewiesen. Mit diesem System möchte die FOSS Factory die Zusammenarbeit an einem Projekt fördern und Streitigkeiten bei der Aufteilung des Bountys verhindern. Gleichzeitig würden so die Entwickler motiviert und möglichst frühzeitig entlohnt.

Durch die Bündelung der eingehenden Spenden und die zentrale Koordination der Entwicklungstätigkeiten, soll sich wiederum die Attraktivität für Firmen erhöhen, weitere Gelder in Open-Source-Projekte zu investieren. Als weiteren Anreiz erhalten die Spender gewisse Stimmrechte, mit denen sie Einfluss auf die Verteilung ihrer Gelder nehmen. Auf diesem Weg können sie sogar verantwortliche Entwickler von einem Projekt ausschließen und durch andere Personen ersetzen. Regelmäßige Spender bevorzugt die FOSS Factory, indem sie ihnen weiterreichende Rechte gestattet.

Derzeit besteht das Team hinter FOSS Factory Inc. aus den Gründern John-Paul Gignac und Abdullah Bakhach, sowie dem Hauptinvestor Steve Sutherland. Die Betreiber geben auf ihrer Internetseite zu, dass sie selbst nicht wissen, ob ihr Geschäftsmodell langfristig aufgeht. Um den eigenen Geschäftsbetrieb zu finanzieren, verlangt das kanadische Unternehmen bei der Einrichtung von neuen Projekten eine Gebühr. Ansonsten trägt der Spender derzeit nur noch die Kosten für eine Paypal-Überweisung.

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Kommentare
Re: FOSS Factory bezahlt Open-Source-Entwickler
Ulf B., Donnerstag, 01. Mai 2008 12:22:08
Ein/Ausklappen

Ich denke, ein sehr interessanter Ansatz. Jetzt fehlt nur noch die richtige Darstellung der Seiten (andere Sprachen, Darstellung ohne aktive Browserplugins möglich - z.B. ohne JavaScript, usw.). Auch welche Bezahlmethoden möglich sind ist schwer zu finden. In Europa z.B. währe sicherlich eine Überweisung sinnvoll, auf den Seiten (ohne Anmeldung) wird aber nur PayPal erwähnt.

Schönen Vatertag / Tag der Arbeit noch
Ulf




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