Heute ist die Internet-Premiere des Open-Source-Films Big Buck Bunny. Linux-Community sprach mit Regisseur Sacha Goedegebure über eine heikle Frage: Das liebe Geld. Infos zum Film gibts hier.
Linux-Community:Wie lange habt Ihr an dem Film gesessen?
Sacha Goedegebure: Die tatsächliche Produktion dauerte von Oktober 2007 bis Ende März 2008, also insgesamt 6 Monate. Aber Ton [der Produzent; Anm. d. Red.] hat mich bereits im April 2007 kontaktiert und gefragt, ob ich im Kern-Team des nächsten Open Movies sein möchte. Natürlich hab ich ja gesagt, so eine Möglichkeit gibts nur einmal im Leben. Von diesem Moment an hab ich angefangen, mir Gedanken zu machen und Charaktere zu entwerfen, während ich noch mit Nebenjob und Studium beschäftigt war. Nach der Premiere am 10. April blieb ich für den Rest des Monats, um die DVD fertig zu machen.
| Sacha Goedegebure ist der Regisseur des Open Movies “Big Buck Bunny”, der heute seine Internet-Premiere erlebt. (Foto: William Maanders unter CC BY 3.0) |
LC: Schätz mal: Wie teuer war der Film, wenn Du die pure Arbeitszeit nicht einrechnest?
SG: 150.000 Euro. Nein, ich schätze nicht, das hat er tatsächlich gekostet… warte, ist das mit oder ohne die Löhne für das Team? DVD-Vorverkauf bereits abgezogen? Ernsthaft, frag mich nicht sowas……. 6000 Euro? Weil wir komplett Open Source gearbeitet haben, glaube ich, das meiste Geld ging für die Unterkunft des Teams in Amsterdam drauf und für die Verköstigung. Wir haben eine Menge gegessen…..
LC: Ihr erhaltet Geld von vorbestellten DVDs und von Sponsoren. Glaubst du, der Film rentiert sich ab einem bestimmten Punkt?
SG: Einer der Gründe, warum wir das vorfinanzierte Modell wählten, ist, dass man sich keine Sorgen um die finanzielle Situation machen muss. Als wir mit der Produktion begannen, war der Film bereits finanziert – OHNE dass irgendwelche Chefs warteten (Ton gab uns alle Freiheit die wir brauchten). Alle Verdienste vom Verkauf von DVDs, T-Shirts und Büchern nach dem Projekt fließen an das Blender Institute und in das nächste Projekt (und damit in die Blender-Entwicklung). Und Essen… hab ich schon erwähnt, dass wir eine Menge gegessen haben?
LC:Es hat sicher viele Stunden gekostet, Big Buck Bunny zu produzieren. Warum arbeitet Ihr an einem Open-Source-Film und nicht einfach an einem kommerziellen Film? Es gibt gute kommerzielle Filme da draußen und Ihr könntet damit Geld verdienen?
SG: Geld kümmert mich nicht, ich war einfach glücklich, diese ganze Freiheit als Künstler zu genießen. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass du diese Freiheit bei einem kommerziellen Projekt bekommst. Aber es ist zugleich erschreckend: Hier hast du deine Freiheit, nun mach was damit. Das war anfangs eine Herausforderung, aber sie war es absolut wert, unterbezahlt zu werden. Nebenbei, Ton hat sich gut um uns gekümmert; er gab uns einen Ort zum Wohnen und der Kühlschrank im Blender Institute war immer gefüllt. Wir haben eine Menge…. ah, vergiss es.
LC:Gibt es etwas, was ein Open-Source-Film kann, was ein kommerzieller Animationsfilm nicht leistet?
SG: Wenn mir eine Sache aufgefallen ist, dann der bloße Grad von Aufmerksamkeit, den Big Buck Bunny erhält. Bei einem kommerziellen Film würde das nie passieren. Als einfaches Produkt wäre der Film nicht interessant genug, er wird interessanter durch die Gründe, Ziele, Entstehungsumstände und den Erfolg.
LC:Was war – für Dich persönlich – die größte Überraschung im Bezug auf den Entwicklungsprozess von Big Buck Bunny?
SG: Sieben total verschiedene Menschen, alle mit unterschiedlichen Ideen, Wünschen und Vorstellungen von Humor und VÖLLIG OHNE Erfahrung im Filmemachen (außer Andy [Art Director Andy Goralczyk, Anm. d. Red.] mit Elephants Dream), und wie sie schließlich alle am selben Strang ziehen.
LC:: Nach der Internet-Premiere von Big Buck Bunny: Was wird Dein nächstes Projekt sein?
SG: Einen Wohnort finden, wäre ein guter Anfang. Und einen Job. Und zu versuchen, meiner Karriere als freier Cartoonist einen Schub zu geben. Was Blender angeht: Momentan experimentiere ich mit der Blender Game Engine, vielleicht wäre etwas mit Spielen interessant. Aber was es auch immer wird: Ich kann sagen, ich bin noch nicht durch mit Open Source und Open Content – es macht einfach zu viel Spaß.





