Warten auf MeeGo

Ende März wollen Intel und Nokia die MeeGo-Repos öffnen

Ende März wollen Intel und Nokia die MeeGo-Repos öffnen

Marcel Hilzinger
26.03.2010 Nach dem Announcement im Februar wurde es in den letzten Wochen recht still um die mobile Plattform MeeGo. Der Grund dafür: es gibt keinen Code.

Geht es nach dem Willen von Intel und Nokia, dann beglücken uns schon Ende Jahr erste Geräte mit dem neuen Betriebssystem MeeGo, eine Mischung aus Maemo und Moblin. Doch nach dem Announcement Mitte Februar ist kaum noch etwas von MeeGo zu hören, denn für die Öffentlichkeit gibt es weder hübsche Screenshots noch den Quellcode zu sehen.

Einer der Gründe dafür liegt in den Besonderheiten dieser mobilen Hochzeit: Während Intel mit seinem Moblin in erster Linie für Netbooks und Smartphones auf Atom-Basis entwickelt hat, sind Maemo und die bisherigen Maemo-Geräte eher auf die ARM-Plattform spezialisiert. Viele Maemo-Fans befürchteten deshalb, dass nach dem Zusammenschluss mit Intel, die ARM-Plattform vernachlässigt werde. Dass dem nicht so ist, hat Valtteri Hallas -- führender Leiter von Meego bei Nokia -- Anfang März in einem Blog-Eintrag bestätigt. Demnach dient Nokias N900 neben Atom-Mainboards von Intel der aktuellen Entwicklung als Referenzdesign und man arbeite auf Hochtouren daran, Ende März ein erstes Release zu veröffentlichen.

The big tickets

Während somit ARM und x86 parallell entwickelt werden, musste man sich beim Zusammenschluss in drei Punkten einigen. Valtteri Hallas nennt diese drei Dinge Big Tickets:

  • So soll Qt als Widget-Set zum Einsatz kommen, was nach dem Kauf von Trolltech durch Nokia nicht weiter überrascht. Meamo basierte ursprünglich auf dem Gtk-Widgetset, ein Wechsel zu Qt war jedoch schon vor dem Zusammenschluss zu MeeGo geplant.
  • Das zweite Ticket betrifft den Paketmanager: Hier hat sich Intel durchgesetzt, sodass sich Maemo-Nutzer von apt-get verabschieden und auf yum beziehungsweise rpm vorbereiten müssen.Diese Entscheidung hängt unmittelbar mit dem dritten Big Ticket zusammen:
  • Die Build-Umgebung. Hier haben sich die drei Partner Intel, Nokia und die dem Projekt vorstehende Linux Foundation für den Open Suse Buildservice entschieden. Intel hatte bereits Moblin im Build-Service gebaut und damit gute Erfahrungen gemacht.

Wie geht's weiter?

Bevor Code veröffentlicht werden kann, muss eine gemeinsame Codebasis und ein öffentliches Repository bereitstehen. Am vergangenen Wochenende hat das MeeGo-Team deshalb die Gründung einer Repository Working Group beschlossen. Sie soll für die Kontrolle der öffentlichen Repos zuständig sein. Dann gibt es noch einen Haufen kleinere Tickets zu besprechen. Wie Valtteri Hallas schreibt, ist man sich bei X.org als X-Server, Connman als Netzwerkmanager, Gstreamer, D-Bus und der bereits gemeinsam entwickelten Telefonie-Lösung ofono einig. Noch werden aber Details diskutiert, zum Beispiel der Browser: Während einige Entwickler bereits daran arbeiten, den mobilen Firefox Fennec für MeeGo fit zu machen, meint der Intel-Entwickler Arjan van de Ven auf der MeeGo-Entwicklerliste, Webkit oder Chrome würden deutlich bessere Performance bieten:

I would be seriously concerned about using either Firefox or Fennec on a mobile device.

Looking at the current ecosystem, it's very clear that webkit is winning on the small side of
the hardware world, and on the big side, it's making big strides as well with Chrome.

While I don't want to discourage discussion, I think taking one step back and wondering if Fennec
is the right choice in the first place would be very appropriate....

Als Kompromiss scheint sich nun eine Lösung abzuzeichnen, nach der Anwendungen mit Web-Zugriff Webkit als Grundlage nutzen, Fennec oder ein anderer Browser hingegen als Standard-Browser zum Einsatz kommen könnte. Sind diese zahlreichen kleineren Details geklärt und die Paketquellen startbereit, dann können wir mit einer ersten Testversion rechnen. Ob das bis Ende März klappen wird, ist bei den noch geführten Diskussionen fraglich, im April wissen wir mehr.

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