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ScummVM für Wii-Spiele genutzt?

Einigung mit Atari wegen GPL-Verletzung

22.06.2009 Auf der ScummVM-Homepage ist eine Pressemeldung zu finden über eine außergerichtliche Einigung mit einer bei Atari unter Vertrag stehenden Spieleschmiede, die allem Anschein nach kommerzielle Wii-Spiele auf Basis von ScummVM entwickelt und vertrieben hat.

Das Statement auf der Webseite ist arg knapp: Mistic Software, eine Spieleschmiede unter den Fittichen von Atari Deutschland, habe drei Spiele für Nintendo Wii entwickelt ("Fritzi Fisch und der verschwundene Schatz", "Pyjama Pit: Keine Angst im Dunkeln" und "Spy Fox in: Das Milchkartell" ), die als Basisengine das unter GPL stehende ScummVM verwenden.

Obwohl es in der Vergangenheit schon vorkam, dass Hersteller GPL-lizensierte Software einsetzten, ohne den Lizenzbedingungen Folge zu leisten, ist es in diesem Fall anders: Es gab scheinbar - von der Opensource-Community völlig unbemerkt - diesbezüglich schon einen Prozess, dem eine außergerichtliche Einigung im Mai folgte. Diese beinhaltet nicht nur die Übernahme der Gerichtskosten und eine Zahlung an die EFF, sondern auch eine Verschwiegenheitsklausel, nach der sich die beteiligten ScummVM-Entwickler dazu öffentlich nicht äußern dürfen. Außerdem gesteht Mistic Software mit dieser Einigung keine Schuld ein - solche Klauseln sind relativ gängig in außergerichtlichen Einigungen, jedoch in GPL-Lizenzsstreits ein Novum. Es gibt keinerlei Angaben über eine Quelltextveröffentlichung oder nur ein Versprechen, ScummVM in zukünftigen Projekten nicht mehr zu nutzen.

Eine solche Mauschelei hinter den Kulissen hat es bei GPL-Verletzungs-Streits bisher noch nicht gegeben. Zahlung an die EFF hin oder her: Es stellt sich die Frage, ob die ScummVM-Entwickler überhaupt die in der GPL formulierten Rechte und Pflichten nach persönlichem Gutdünken interpretieren und gegebenenfalls ignorieren dürfen.

So sieht das wohl auch der deutsche GPL-Advokat Harald Welte, der in seinem Blog auch um nähere Informationen zu diesem Fall bittet.

Eine doppelte Lizensierung im Stile von MySQL, Ghostscript oder Mozilla wäre unter Zustimmung aller beteiligten Entwickler möglich, aber auch darüber schweigt sich die ScummVM-Homepage aus.

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Kommentare
Etwas zum Hintergrund...
DrMcCoy (unangemeldet), Dienstag, 23. Juni 2009 14:22:59
Ein/Ausklappen

...findet man zum Beispiel jetzt hier: http://sev-notes.blogspot.c...pl-scummvm-and-violations.html

Es gab keine Gerichtsprozess, nur Verhandlungen mit Hilfe eines Anwalts (vermittelt durch gpl-violations.org).

Nintendos Lizensbestimmungen der Wii SDK verbietet Nutzung von OSS, das unter anderem verhindert die doppelte Lizensierung

Dadurch wäre auch das gesamte Produkt nicht gültig. Mistic und Atari können also nicht zugeben, dass sie GPL-Software benutzen

Um das nicht machen zu müssen, haben Ataris Anwälte die Rechtmäßigkeit von ScummVM an sich, oder jedenfalls dessen SCUMM Engine, angegriffen. Die ist nämlich, wie einige andere Engines auch, durch reverse-engineering der Originalbinaries entstanden.

Die einzige Alternative zu der momentanen Vereinbarung war, direkt vor Gericht zu ziehen und ScummVM an sich zu verteidigen. Das kostet Zeit, Geld und Nerven, und das wollte anscheinend keiner der beteiligten ScummVM-Entwickler auf sich nehmen.

Und natürlich ist keiner von uns mit dieser Einigung besonders zufrieden, aber mehr war anscheind nicht machbar.


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