Das Statement auf der Webseite ist arg knapp: Mistic Software, eine Spieleschmiede unter den Fittichen von Atari Deutschland, habe drei Spiele für Nintendo Wii entwickelt ("Fritzi Fisch und der verschwundene Schatz", "Pyjama Pit: Keine Angst im Dunkeln" und "Spy Fox in: Das Milchkartell" ), die als Basisengine das unter GPL stehende ScummVM verwenden.
Obwohl es in der Vergangenheit schon vorkam, dass Hersteller GPL-lizensierte Software einsetzten, ohne den Lizenzbedingungen Folge zu leisten, ist es in diesem Fall anders: Es gab scheinbar - von der Opensource-Community völlig unbemerkt - diesbezüglich schon einen Prozess, dem eine außergerichtliche Einigung im Mai folgte. Diese beinhaltet nicht nur die Übernahme der Gerichtskosten und eine Zahlung an die EFF, sondern auch eine Verschwiegenheitsklausel, nach der sich die beteiligten ScummVM-Entwickler dazu öffentlich nicht äußern dürfen. Außerdem gesteht Mistic Software mit dieser Einigung keine Schuld ein - solche Klauseln sind relativ gängig in außergerichtlichen Einigungen, jedoch in GPL-Lizenzsstreits ein Novum. Es gibt keinerlei Angaben über eine Quelltextveröffentlichung oder nur ein Versprechen, ScummVM in zukünftigen Projekten nicht mehr zu nutzen.
Eine solche Mauschelei hinter den Kulissen hat es bei GPL-Verletzungs-Streits bisher noch nicht gegeben. Zahlung an die EFF hin oder her: Es stellt sich die Frage, ob die ScummVM-Entwickler überhaupt die in der GPL formulierten Rechte und Pflichten nach persönlichem Gutdünken interpretieren und gegebenenfalls ignorieren dürfen.
So sieht das wohl auch der deutsche GPL-Advokat Harald Welte, der in seinem Blog auch um nähere Informationen zu diesem Fall bittet.
Eine doppelte Lizensierung im Stile von MySQL, Ghostscript oder Mozilla wäre unter Zustimmung aller beteiligten Entwickler möglich, aber auch darüber schweigt sich die ScummVM-Homepage aus.



