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EU-Kommission untersucht Microsofts Verhalten bei OOXML-Abstimmung

Britta Wülfing
11.02.2008

Die EU-Kommission will prüfen, ob die Firma Microsoft im Standardisierungsprozess um ihr Dokumentenformat OOXML widerrechtlich Einfluss auf die Abstimmung genommen hat. Im Vorfeld zur Abstimmung der ISO-Standardisierungsbehörde im Herbst 2007 war es zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten gekommen. In den Monaten vor der Abstimmung schwollen die Mitgliederzahlen in einigen der stimmberechtigten Gremien an, die Neumitglieder bestanden Berichten zufolge vorwiegend aus Microsoft-Wiederverkäufern und anderen Verbündeten des Unternehmens. In Italien beispielsweise wuchs das abstimmende Komitee innerhalb kurzer Zeit von vier Mitgliedern auf 85, in Portugal kamen kurz vor der Abstimmung zwölf Neumitglieder in den Ausschuss. Das Wall Street Journal hatte den Prozess seinerzeit aufmerksam verfolgt, jetzt berichtet das Nachrichtenmagazin über die anstehende Untersuchung der Vorgänge durch die EU-Kommission. Laut "gut informierten Kreisen" will die Regulierungsbehörde untersuchen, ob Microsoft während der Abstimmung durch die ISO-Standardisierungskommission widerrechtlich Einfluss auf die Länderorganisationen genommen hat.

Die Untersuchung soll Teil des neu gestarteten Missbrauchsverfahrens der EU-Kommission sein, das sich mit dem Verhalten von Microsoft gegenüber dem Wettbewerb befasst. Bei diesem Verfahren untersuchen die EU-Regulierer zum einen die Integration von Microsofts Webbrowser Internet Explorer in die Produkte Office und Windows. Zum anderen will die Kommission feststellen, bis zu welchem Grad die Produkte von Microsoft eine Interoperabilität mit Produkten von Drittherstellern zulassen. Die Vorgänge im Umfeld der Abstimmung zur ISO-Standardisierung sollen nun ein dritter Bereich sein, in dem die Behörde das Verhalten des Softwarekonzern im Umgang mit Wettbewerbern unter die Lupe nimmt.

Trotz der masssiven Lobbyarbeit war Microsofts Dokumentformat in der ersten Abstimmung nach dem so genannten "Schnellverfahren" der ISO-Organisation knapp gescheitert. In der Folge hatten die nationalen Standardkomitees mehr als 3.500 Kommentare zu dem Dateiformat abgegeben, die das Softwareunternehmen zur Nachbesserung nutzen kann. Seit Mitte Januar stehen die Verbesserungsvorschläge der ECMA zur Diskussion, Ende Februar sollen die abstimmungsberechtigten Mitglieder erneut über die OOXML-Standardisierung unter der Nummer ISO/IEC DIS 29500 entscheiden.

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