EU-Ausschuss dokumentiert unfeine Microsoft-Techniken aus 20 Jahren

EU-Ausschuss dokumentiert unfeine Microsoft-Techniken aus 20 Jahren

Widriger Wettbewerber

Britta Wülfing
23.04.2009 Die Juristenplattform Groklaw stellt ein im Auftrag der Europäischen Kommission erstelltes Dokument vor, das wettbewerbswidriges Verhalten von Microsoft der letzten 20 Jahre dokumentiert.

Das EU-Komittee ECIS, wobei IS für Interoperable Systeme steht, hat einen ausführlichen Bericht verfasst, mit dem belegt werden soll, wie Microsoft gegen Wettbewerbsrecht verstoßen hat. In der Einleitung heißt es: „Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Microsoft mit einer sorgfältig geplanten und extrem erfolgreichen Kampagne aktiv, um seine Monopole zu halten und auszubauen.“ Thema des Dokuments sind unter anderem auch die Drohungen des Konzerns gegen Linux mit Software-Patenten, der umstrittene Ablauf der ISO-Zertifizierung für das Microsoft-eigene Format OOXML und länger zurückliegende Microsoft-Aktionen gegen DR-DOS, IBM, Intel, Netscape oder WordPerfect.

Die Juristen der Plattform Groklaw warnen seit langem davor, den Bekundungen Glauben zu schenken, mit denen Microsoft sich auf unterschiedliche Weise an Open Source annähern will. Sie sehen sich durch das Dokument in ihrem Misstrauen bestätigt und zitieren daraus:

„Selbst wenn Microsoft behauptet, sie würden einen Standard implementieren, ist die Realität, dass Microsofts Implementierungen routinemäßig entweder nur teilweise konform sind oder auf irgendeine andere Weise den Standard erweitern. Dies hat zu Folge, dass Software die entwickelt wurde um mit der Microsoft-Version des Standards zu arbeiten, nicht mit den Implementierungen des selben Standards anderer Hersteller funktionieren wird.“

Pamela Jones, Betreiberin von Groklaw, freut sich über die Bestätigung von offizieller Seite auch deswegen, weil sie in letzter Zeit verstärkte Gegenpropaganda von prominenter Seite bemerkt hat. Sie schreibt:

„In letzter Zeit wurden wir bei Groklaw von Trolls überrannt, darunter einige Prominente, die darauf bestanden hatten, dass an dem Ablauf (der OOXML-Zertifizierung, Anm. d. Red.) nichts falsch war.

Die im ECIS-Dokument zusammengetragenen Fakten jedenfalls wundern sie nicht: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne, wenn es um Microsoft geht.“ Das Dokument ist vom 31. März 2009, bietet 33 Seiten interessante Lektüre, trägt den Titel „Microsoft – A History of Anticompetitive Behavior and Consumer Harm“ und steht auch auf der Groklaw-Seite zum Download.

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