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Linux-Umstieg lohnt sich erst nach 36,7 Jahren

Details einer bislang verschlossenen EU-Studie zu Open Source veröffentlicht

15.05.2009 Die EU gab 2005 bei Gartner eine Studie zur Open-Source-Migration in Auftrag. Nach vier Jahren gelang es einem italienischen Abgeordneten nun, an die Details zu kommen.

Der italienische Europaparlamentsabgeordnete Marco Cappato erhielt nun über Umwege Zugang zur Studie, nachdem er mehrmals vergebens verlangt hatte, die Studie selbst und die Verträge der EU mit Microsoft öffentlich zu machen, wie Slashdot berichtet.Slashdot kritisiert zudem den Gartner-Mitarbeiter und an der Studie mitbeteiligten Michael A. Silver, da er damals (2005) behauptete, es gäbe keine größeren Open-Source-Installationen in Europa, bzw. mit keiner Organisation gesprochen zu haben, die Linux auf dem Desktop in größerem Stil betreibt.

Cappato selbst schreibt auf seiner Homepage, dass der Rat nicht auf seinen Antrag zur Einsicht der MS-Verträge eingegangen sei unter Angabe folgender Gründe: "Das Durchsickern solcher Informationen könnte den Schutz der kommerziellen Interessen von Microsoft beeinträchtigen, da diese Vertäge EU-spezifische Termine und Bedingungen festlegen."

“La divulgazione di tale informazione potrebbe pregiudicare la protezione degli interessi commerciali di Microsoft, poiché questi contratti stabiliscono termini e condizioni specifiche e privilegiate per le Istituzioni UE”.

Das Generalsekretariat des Rats teilte Cappato zudem zur verschwundenen OSS-Studie mit, dass die Administration selbst keine Kopie der Studie erhalten hätte.

Nichtsdestotrotz ist die Studie nun auf Cappatos Homepage und in englischer Übersetzung aufgetaucht.Sie zeigt unter anderem, wie Abhängig die meisten Desktops von Microsoft sind bzw. im Jahr 2004/2005 waren (rund 40 Anwendungen von Microsoft oder eng mit Windows verknüpft). Laut in dem veröffentlichten Original in Französisch würde sich ein Umstieg auf dem Desktop rein finanziell erst in 36,7 Jahren bezahlt machen, wenn man die Kosten für OSS bei einem Drittel der Lizenzkosten von MS-Anwendungen berechnet:

"En effet, si les licences Microsoft pour ces trois Institutions correspondent à 6,2 M€/an, le coût des logiciels OSS n'est pas zéro. En effet, on peut supposer que l'équivalent OSS (support et maintenance) correspond à 1/3 du coût des icences MS. Sur cette base, il faudrait 36,7 années pour amortir le coût du projet."

Man beachte auch die FAQ am Ende, die unter anderem auf eine Seite des Europaparlaments vom 14. Mai 2008 verlinkt, auf der die Kommission Antworten zu Anfragen bezüglich Open-Source-Software gibt.

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Kommentare
"lohnt sich" später, aber macht glücklicher
Ueli Schwotzer (unangemeldet), Freitag, 15. Mai 2009 19:42:24
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In Zeiten, wo alles mit der recht ungenau gewordenen Finanzlatte gemessen wird, sind etwas progressivere Gedanken vonnöten. Ich verweise hier dazu zu einem Artikel auf SF Tagesschau online: http://tagesschau.sf.tv/content/view/full/1162866.
Ich gebe zu: der Einstieg in Linux gab viel zu tun und sehr viel zu denken. Und: Denken tut weh... Aber ich bin heute einfach glücklich mit dem OSS, denn die Anwendungen sind pfiffig und intelligent. Beispiel gefällig? So was wie Klipper soll mir unter Windows mal einer zeigen! Und vor allem: wenn mal was nicht geht, dann wird mich geholfen :-).




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Re: "lohnt sich" später, aber macht glücklicher
Dieter (unangemeldet), Samstag, 16. Mai 2009 11:10:39
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Die wichtigste Funktion von Open Source ist, dass damit der Preisanstieg der proprietäten Software eingedämmt wurde. Open Source ist derzeit die einzige ernste zu nehmende Konkurrenz. die das Marktungleichgewicht etwas ausgleichen kann. Daher ist es zwingend notwendig, dass einige öffentliche Verwaltungen verstärkt Open Source einsetzen, wie auch Privatanwender.

Am Beispiel Mücnhen war das gut erkennbar. Nach den Veröffentlichungen des Umstieges gab es anschließend günstigere Lizenzangebote. München hat zwar viele davon ausgeschlagen, aber andere bayrische Kommunen/Stadte konnten dann ihren "Enterprise" Vertrag zu ähnlich günstigen Bedingenungen abschließen. Somit hat München hierdurch vielen Städten geholfen Geld zu sparen, auch wenn diese keine Open Source einsetzen.

Ein zweites Beispiel sind die Netbooks eee-pc. Durch die Verwendung von Linux am Beginn konnten die Hersteller einen Großkonzern letzendlich dazu bewegen auch für solche Rechner entsprechendes Betriebssystem anzubieten.


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Re: "lohnt sich" später, aber macht glücklicher
Daniel Kottmair, Montag, 18. Mai 2009 11:38:03
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Das ist ein Phyrrus-Sieg, bei dem es sich ähnlich verhält wie bei den Drohungen vieler Unternehmen, ihre Produktion ins Ausland auszulagern. Wenn immer nur alle damit drohen umzusteigen und das keiner effektiv macht kriegt Microsoft das schnell spitz, genau wie die Politik inzwischen auch kapiert hat, dass deutsche Unternehmen nicht einfach mal so ins Ausland abwandern können (Stichwort Knowhow, Fachkräftemangel!) und entsprechend gelassen auf solche Drohnungen reagiert.

Linux/OSS als Hebel zu missbrauchen, um aus MS billigere Preise rauszuleiern, ohne jemals ernsthaft die Absicht zu haben das auch wirklich zu tun ist meiner Meinung nach eine Frechheit. Siehe Nicolas Negroponte und sein OLPC! Zuerst "MS will nicht billig, also Linux hurra!" und jetzt hat sich MS preislich erbarmt und schon wird auf einmal alles auf Windows umgestellt und man kriecht ihnen in den Allerwertesten und bettelt um eine ARM-Version...


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Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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