Der "Hobbyisten-Kernel" ist ein Mythos

Der "Hobbyisten-Kernel" ist ein Mythos

Britta Wülfing
01.04.2008

Eine aktuelle Studie der Linux Foundation (LF) zur Entwicklung des Linux-Kernels zeigt, dass sich die Zahl der Kernel-Entwickler in den letzten drei Jahren verdreifacht hat. Die meisten von ihnen arbeiten im Auftrag von Unternehmen an dem freien Betriebssystem.

Der Bericht beschäftigt sich mit dem Personen und Organisationen hinter der Kernel-Entwicklung und stammt von den Kernel-Entwicklern Jonathan Corbet und Greg Kroah-Hartman, unterstützt von der Marketing-Chefin der Stiftung, Amanda McPherson. Die Autoren haben rund drei Jahre Kernel-Geschichte untersucht, von Linux-Version 2.6.11 bis 2.6.24 und beschreiben, wie der Entwicklungsprozess abläuft und wer dazu beiträgt. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass in dieser Zeit sowohl die Entwicklerzahl sprunghaft gestiegen ist, wie auch die Zahl der Unternehmen, die die Kernel-Entwicklung unterstützen. An jeder Kernelversion schreiben rund 1000 Entwickler, die für mehr als 100 Unternehmen arbeiten. Sie stellen fest, dass sich die Zahl der Entwickler damit seit 2005 verdreifacht hat und sehen dies als Spiegelbild für die gestiegene Bedeutung von Linux als Embedded Plattform, auf Servern und im Desktop-Markt. "Nie zuvor in der Geschichte der EDV gab es so viele Unternehmen, Anwender und Entwickler in einem Projekt vereinigt. Insbesondere in einem, das so großen kommerziellen Erfolg hat," kommentiert Jim Zemlin, Geschäftsführer der Stiftung.

Die LF stellt in ihrer Studie fest, dass zwischen 70 und 95 Prozent der Entwickler für ihre Arbeit bezahlt werden. Mit dieser Erkenntnis verbannen die Autoren das "Hobbyisten"-Betriebssystem in den Bereich der Mythen. Finanziert wird die Arbeit am Linux-Kernel zu mehr als 70 Prozent von IBM, der Linux Foundation, den Prozessor-Herstellern Intel und MIPS Technology, Embedded-Anbieter Montavista, NetApp, und den Linux-Distributoren Novell und Red Hat. Der Kernel-Baum wächst täglich um rund 3.621 Codezeilen, und rund alle 2,7 Monate gibt es einen neuen Kernel. Seit 2005 ist der Kernel kontinuierlich um zehn Prozent pro Jahr gewachsen. "Dies ist die Basis für das größte verteilte Software-Entwicklungsprojekt der Welt", stellt die Non-Profit-Organisation stolz fest.

Der Bericht mit dem englischen Titel "Linux Kernel Development: How Fast is it Going, Who is doing it and Who is Sponsoring it?" gibt es zum kostenlosen Download auf der LF-Webseite .

Auch der Vorgesetzte des Sudien-Mitautors und Novell-Mitarbeiters Kroah-Hartman kommt derzeit bei der Linux Foundation zu Wort: Heute geht die vierte Folge der LF-Interviewserie "Open Voices" online. Diesmal spricht Jim Zemlin mit dem Novell-Chef Ron Hovsepian. Der Chief Executive Officer (CEO) gibt Auskünfte über Novells Stellung im Markt und in der Community, gibt eine persönliche Trendprognose und kommentiert die aktuelle Entwicklung bei Sun und OpenSolaris. Bereits veröffentlicht sind Gespräche mit Linux-Erfinder Linus Torvalds und Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth.

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