Das große DRM-Missverständnis

Das große DRM-Missverständnis

In einem Artikel auf SecurityFocus [1] beschreibt Scott Granneman seine Erfahrungen mit einer DVD-Sammlung, die DRM-geschützt ist. Das Blatt The New Yorker hatte ein komplettes Archiv seiner Ausgaben auf DVD gepresst und verkauft. Die Dateien liegen im DjVu-Format vor, und obwohl dieses Format frei ist, konnte Granneman die Dateien nicht auf seinem Linux-Rechner lesen.

The New Yorker hat diese mit einem DRM-Schutz versehen, sodass es weder möglich war, die Artikel auf den DVDs ohne den mitgelieferten Viewer (den es nicht für Linux gibt) anzuzeigen, noch sie auf Festplatte zu kopieren oder selbst Textpassagen herauszukopieren. Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis ein findiger Bastler herausbekommen hat, wie man die Dateien trotz DRM auf die Festplatte bekommt.

Granneman zieht aus dieser Erfahrung vier wichtige Schlüsse:

  1. DRM schadet zahlenden Kunden
  2. DRM zerstört Fair-Use-Rechte (Nutzung geschützten Materials etwa zu Bildungszwecken)
  3. Dank DRM ist die Investition der Kunden nutzlos
  4. DRM kann bekämpft werden

Auch wenn “Trusted Computing” die Umgehung von DRM-Mechanismen erschwere, geht Granneman davon aus, dass jeder DRM-Schutz umgangen werden kann.

In den letzten Jahren gab es immer wieder Diskussionen über die Schädlichkeit von DRM-Mechanismen. Linus Torvalds etwa denkt sehr pragmatisch und will DRM nicht aus dem Linux-Kernel verbannen. Große Firmen wie IBM, die stark an der Linux-Entwicklung beteiligt sind, arbeiten seit Jahren an DRM- und Trusted-Computing-Unterstützung für Linux.

Mehr zu DRM und seiner Entwicklung findet ihr über die Suche auf linux-community.de.

[1] http://www.securityfocus.com/columnists/390

E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
2 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Rainer Sestig
20 Jahre her

Wie in vielen Dingen, muss man auch DRM sehr differenziert sehen.

Für den Kunden von Content ist DRM sicher ein Hindernis oder auch Ärgernis und nicht wünschenswert.

Es gibt aber natürlich auch Sinnvolle Anwendungen für DRM z.B. Kommunikation in Form von Dokumenten im geschäflichen Umfeld um bestimmten Personen entsprechende Rechte einräumen zu können je nach Status in einem Unternehmen. Das würde vieles vereinfachen was heute sehr schwer zu realisieren ist.

Beispiele Pro und Contra lassen sich sicher noch einige Finden…

Leider sehen viele eine Technologie immer mit Scheuklappen, so dass eine Diskussion meist recht einseitig Verläuft.

Harald Milz
20 Jahre her

Schön, dass Grannemann davon ausgeht, “dass jeder DRM-Schutz umgangen werden kann.” Sicher hat er auch bedacht, wie die juristische Komponente dabei aussieht. Nicht erst seit gestern zerrt die Musik- und Filmindustrie Hinz und Kunz vor den Kadi.

Alles nicht so schlimm? Unterscheidet er zwischen den technischen und juristischen Möglichkeiten?

*einlull*

Nach oben