„Klickbunt auf dem Server? Warum nicht, wenn's hilft!"

Das Distributions Unabhänige Framework Webmin hat ein Update bekommen.

Das Distributions Unabhänige Framework Webmin hat ein Update bekommen.

Michael (Majestyx) Kappes
16.05.2013 Notwendig oder nicht, ob ein Server GUI zum Einsatz kommt, entscheidet der Benutzer, Kunde oder auch mal die Situation selbst. Und wenn ein Server GUI den Hobby-Admin dazu anregt, sich mehr und tiefer mit dem System auseinander zu setzen, kann das doch nicht falsch sein.

Der Webmin macht die Alltagsarbeit leicht, versperrt dabei aber nicht die Sicht auf die mächtige System Shell. Ganz im Gegenteil.

Schon mehrfach wurde auf Open Source Veranstaltungen das Thema „Server + GUI“ beackert. Deswegen werde ich die Diskussion über Pro & Contra hier tunlichst vermeiden. Grundsätzlich lassen sich da 2 Lager definieren. Für die einen ist ein Server mit GUI „No Go“, für die anderen, zu dieser Fraktion zähle auch ich mich, ist das nicht nur so etwas wie eine Erleichterung des (Admin-)Alltags. Es ist auch ein echtes Argument gegenüber Nutzern, die gewisse Server-Dienste, aber nicht gleich die ganze IT-Abteilung hinten dran brauchen, oder gar bezahlen können. Es gibt ja nun auch schon einige „Small Business Server“ (Editionen), die meistens auf Eigen- oder Weiterentwicklungen von vorhandenen Desktop Umgebungen aufsetzen. Der LXDE [1] Desktop wird hierzu beispielsweise gerne genutzt. Dieser LXDE Desktop ist auch Bestandteil des Zentyal Server (Distribution), über die ich hier auch schon öfter schrieb [2]. Einen „Small Bussines Server“ zeichnet aus, dass er gewisse Unternehmensdienste wie Netzwerklaufwerke (Samba) oder gemeinsame Drucker (Cups) und wie beim Beispiel Zentyal zusätzlich noch eine Groupware mitbringt. Wie die meisten ging auch dieser SBS Server aus einem Community Projekt namens „ebox“ hervor. Und gerade in Zeiten wo andere Systeme gerne ihre Nutzer in die „ach so tolle/hippe Wolke“ locken wollen, suchen viele Menschen nun vermehrt nach einer Lösung um die Hoheit über ihre Datenbestände zu behalten, aber auch weiterhin in der Lage sind „mal eben schnell 'nen User hinzu zu fügen“.

Ein anderer Weg ist möglich

Das größte Problem bei solchen fertigen Lösungen ist das meist starre Konstrukt (Framework), das die Entwickler ihrer SBS-Distribution überstülpen. Die „älteren“ SuSE Benutzer kennen das „YAST- Phänomen“ sicher noch, bei dem selbst eingepflegte Konfigurationen von der Distribution bei Updates oder Upgrades überschrieben wurden. Wenn dann also beispielsweise der Proxy oder SSH-Server auf einem anderen Port laufen soll, kommt diese persönliche Konfiguration schnell mal in Konflikt mit den Standardeinstellungen der Server Distribution. Einen etwas anderen Weg geht hier der Webmin [3]. Dieses Framework und Webfrontend ist in Perl [4] geschrieben, um aber eigene Module zu schreiben, muss man nicht unbedingt Perl-Hacker sein, Grundkenntnisse sollten aber vorhanden sein. Die Dokumentation [5] hierfür ist sehr ausführlich. Und wie bei den meisten Open-Source-Community-Projekten gibt es auch hier eine rege Benutzer-Gemeinde mit IRC Kanal, Wiki und Mailingliste.

Webmin zeichnet sich dadurch aus, dass er sich sehr nahe an die ursprüngliche GNU/Linux Distribution (UNIX/*NIX) Konfigurations- und Datei Struktur hält. Wenn der Webmin-Benutzer beispielsweise die Log-Dateien sehen will, geht Webmin grundsätzlich von /var/log/ aus. Und wenn der Admin den Webserver (Apache) konfiguriert, benutzt er die Dateien in /etc/apache2/apache.conf. Des Weiteren kann Webmin Konfigurationsdateien so modifizieren, dass eigene Einträge (inklusive der Kommentare) erhalten bleiben. Den Webmin gibt es für die gängigsten Distributionen fertig gepackt, sogar FreeBSD wird unterstützt. Und für ganz hart gesottene gibt es natürlich auch die *.tar Version zum selber kompilieren.

Der digitale Admin-Baukasten

Inzwischen gibt es auch schon eine Vielzahl an interessanten Webmin Unterkategorieren, sozusagen „maßgeschneidert“ für die Server Umgebung. Der Usermin wird später vom Webmin-Admin eingerichtet. Die Benutzer bekommen den Usermin als Web basierendes GUI präsentiert. Hier kann der vom Webmin-Admin eingerichtete Mitarbeiter (Benutzer) seine eigenen persönlichen Einstellungen vornehmen, wie beispielsweise einen Passwort Reset veranlassen oder den Usermin als Webmail Frontend (zu) benutzen. Virtualmin ist auf das Administrieren von Virtuellen (Server) Maschinen optimiert und seit Neuestem gibt es auch einen Cloudmin zum administrieren, „eigener Server in der Cloud“. Mehr zu diesen „Spezial- min(s)“ gibt es auf der Webmin Startseite in der jeweiligen Unterkategorie.

Als reges Community Projekt gibt es natürlich auch eine Vielzahl von Standard-Modulen [6] wie beispielsweise: ADSL- Server (DSL-Router), Apache, Bacula Backup System, LDAP oder iSCSI (Client, Server oder Target) und vieles mehr.

Diese Standardmodule können auch direkt aus dem Webmin GUI installiert werden. Nach der Installation steht das Modul (hier MySQL) auch sofort für die Alltagsarbeit (Test DB) oder der direkte Zugriff auf die Konfigurationsdateien zur Verfügung.

Seit dem 15. Mai 2013 gibt es auch die Version 1.630, gerade Benutzer der FreeBSD Version werden sich freuen. – Deutsch, Polnisch und norwegische Übersetzungen wurden überarbeitet. Der Support für „Real SPF Record Type“ wurde in das BIND Modul implementiert. Das Partitionierungsprogramm für lokale Festplatten in FreeBSD unterstützt nun die BSD Slices, Partitionen und Disk-Labels; verbesserte Unterstützung der interface-Konfiguration und der Startup-Commands, die auch FreeBSD 9 in seinem DHCP-Server-Modul bereit hält. Der LVM-Manager kann ganze LV (Sets) auf andere Geräte verschieben. Und der wichtige IPv6 Support, wie auch DHCP und die neuen Ethernet-(Device) -Namen sind in FreeBSD-Webmin eingebunden. Für FreeBSD kann man sich nun auch gleich im Webmin die Updates anzeigen und installieren lassen, wie das bei GNU/Linux Distributionen schon lange funktioniert. Auch die Unterstützung der FreeBSD Network File System Modules wurde kräftig runderneuert, das nimmt nun auch komplette Partitionen auf.

Die hier gezeigten Bildschirmfotos (Version 1.620 und 1.630) entstanden bei einer Testinstallation auf einem Raspberry Pi (Debian Weezy). Der Webmin (DEB-Pakete) kann via „wget“ geholt und mit dpkg oder apt-get installiert werden. Wenn der Webmin installiert ist, ist er auch sofort über https://localhost:10000 einsatzbereit. Auf dem Raspberri Pi läuft nun ein „Mini-Mailserver“ mit Backup-Funktionalität. Und dieser kann auf den kommenden LinuxTagen in Berlin auch am FSFE-Stand bestaunt werden. Ich hoffe wir sehen uns!

Installierte und konfigurierte Webmin-Module:

  • SSH Server
  • LVM
  • MySQL
  • Dovecot (POP3/IMAP)
  • Backula Backup
  • Rsync

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