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Friedhof der WLAN-Treiber

Dan Williams kritisiert die Staging-Treiber im Kernel

20.11.2009 Dan Williams, Red-Hat-Mitarbeiter und Entwickler des NetworkManager, frisst Ärger nicht in sich hinein. Auf dem Gnome-Blog rechnet der Entwickler mit den WLAN-Staging-Treibern im Kernel ab und schlägt Änderungen vor.

Grund der Erregung: Offensichtlich erkennt keiner der WLAN-Treiber Access Points mit versteckten SSIDs. Das liege zum Teil daran, dass das IW_SCAN_CAPA_ESSID-Bit nicht gesetzt ist. Die populären Ralink-Treiber, die oft in Netbooks zum Einsatz kommen, besitzen gar überhaupt keine Möglichkeit, nach SSIDs zu scannen.

Zur Erinnerung: Der Staging-Tree wurde ursprünglich geschaffen, um Treiber in einer sehr frühen Entwicklungsphase unterzubringen, an denen Entwickler und Unternehmer in Ruhe arbeiten sollen. Mittlerweile liefern viele Distributoren die Treiber mit aus.

Williams moniert nun, dass er für das besagte IW_SCAN_CAPA_ESSID-Bit bereits vor zwei Jahren einen Patch eingereicht hätte, dass die Entwickler den Code aber offenbar nicht anfassen bzw. Hersteller nicht mit der Community an den Treibern arbeiten.

Sehr anschaulich beschreibt er in dem Blog die zwei Arten von Staging-Treibern: "a) old dried gum from under the cafeteria table (drivers with a future), and (b) fresh vomit from the hung-over kid in your math class (those without a future)." Zu den Treibern ohne Zukunft zählt er etwa die Ralink-Treiber (rt2860, rt2870, rt3070, rt3090, wlan-ng, vt665x), da diese noch auf dem veralteten ieee80211-Stack basieren.

Er schlägt vor, sich lieber um die Treiber mit Zukunft zu kümmern, die den mac80211-Stack des Kernels verwenden (er nennt die rt2x00-Treiber) und die alten Treiber sein zu lassen. Es gebe einfach zu wenig Entwickler, man müsse daher Prioritäten setzen. Im ersten Fall hätten die Anwender vielleicht erst einmal sechs Monate keine Treiber für ihr WLAN, aber danach großartige Software, die die Energiespar-Features, Hintergrund-Scans und weitere aktuelle Funktionen nutzt.

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Kommentare
Typisch Linux
Lato (unangemeldet), Samstag, 21. November 2009 10:08:34
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Hier zieht sich die schwäche von Linux mal wieder durch. Die Linux-Community hat so viele aktive Programmierer, da ist Microsoft & Co. so was von neidisch. Leider kochen viele ihr eigenes Süppchen.

Beispiel: Würden alle WLAN-Treiber Programmierer "Dan Williams" unterstützen, dann würde am Ende ein super Produkt raus kommen, womit alle etwas anfangen können.

Wo würde Linux heute stehen, wenn die Linux-Community gebündelt an Komponenten arbeiten würden. Man hätte Standards, wo auch mal die Hardware-Hersteller weniger arbeit hätten, Treiber bereit zu stellen.


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Re: Typisch Linux
Sturmflut (unangemeldet), Samstag, 21. November 2009 12:06:27
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GERADE die Hersteller sind doch meistens Schuld und haben kein Interesse an Standards, verursachen sich also die Arbeit selbst.

Ralink hätte sich - wie viele andere Hersteller - einfach dafür entscheiden können eine der vielen anerkannten Linux-Dienstleister zu beauftragen und die Treiber zusammen mit der Community zu schreiben, statt dessen gibt es alle paar Monate einen Tar-Ball der keiner Regel dieser Welt entspricht.


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WLAN-Treiber *gehören* auch gar nicht nach staging!
Sturmflut (unangemeldet), Samstag, 21. November 2009 00:13:54
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Staging ist nur für Treiber gedacht die nicht in einen existierenden Tree passen den Linus sowieso regelmäßig pullt. Für WLAN heißt der Tree "wireless-testing" und hat eine sehr aktive Community in die sich auch die Hersteller selbst (Intel, Atheros) einbringen. Da wird auch mac80211 weiterentwickelt.

Beispiel Ralink:

Die freien Ralink-Treiber entwickelt das rt2x00-Projekt in einem eigenen Kernel-Zweig, dieser wird regelmäßig mit wireless-testing abgeglichen und wireless-testing wiederum mit Linus' Zweig. Der Prozess ist eingespielt und funktioniert.

Ralink spielt leider nicht sehr gut mit der Community zusammen und gibt parallel Sourcecode mit eigenen Treibern frei. Da die rt2x00-Entwickler diese Treiber als "Müll" betrachten greifen sie höchstens für Vergleiche darauf zurück, entwicklen sonst aber nach Datenblättern.

Nun gibt es aber eine dritte (sehr kleine) Fraktion von Entwicklern die nichts mit rt2x00 zu tun haben wollen und lieber daran arbeiten die Ralink-Treiber irgendwie in etwas zu verwandeln das Mal Teil des Kernels sein soll. Und weil diese Leute auch nicht mit den anderen Wireless-Entwicklern können schieben sie Ihre Treiber (rt2860, rt2870, rt3070) nach Staging.

Dummerweise gibt es eine Liste von Chips (z.B. RT3070/RT2070L) die bereits verkauft werden, mit rt2x00 aber noch nicht funktionieren, und daher sieht sich die dritte Fraktion im Recht. Es gab erst vor ungefähr zwei Wochen einen ziemlich üblen Streit auf der wireless-Mailingliste deswegen.

Herr Williams ärgert sich wahrscheinlich auch besonders deswegen weil er dem NetworkManager dauernd Sonderregeln für wpa_supplicant beibringen muss. Würden alle Treiber auf mac80211 basieren wärs kein Problem.


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Re: WLAN-Treiber *gehören* auch gar nicht nach staging!
Christian Schuglitsch, Samstag, 21. November 2009 23:24:12
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Mein rt73-Stick funktioniert wunderbar mit rt2x00, ein rt3070-User ist bis zur Portierung auf mac80211 angewiesen. Der wuerde mich natuerlich toeten, wenn ich Ihm seinen Treiber versagen wuerde. Man kann ja viel lamentieren, dass Ralink gefaelligst Treiber fuer den aktuellen Stack bereitstellen oder an ihnen mitarbeiten soll, aber solange wir Probleme mit dem Herstellersupport haben, koennen wir froh sein, dass sich die Community bisher diesen Sisyphos leisten konnte. Dass unnoetige Arbeit keine Motivationshilfe fuer voraussdenkende Programmierer mit knapper Freizeit ist, ist nur allzu verstaendlich.
Vielleicht solte man mit Ralink in Diskussion treten und Ueberzeugungsarbeit leisten, dass fuer neue Chipsaetze auch nur ein Treiber fuer den aktuellen Stack dem Kunden langfristig die Investition sichert und ihm das bestmoegliche Nutzungserlebnis bietet. Das kann fuer die Marke nur vorteilhaft sein.


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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

Zum Blog von Kristian Kißling →


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