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Codeplex-Stiftung von Microsoft soll sich um Open-Source kümmern

Codeplex-Stiftung von Microsoft soll sich um Open-Source kümmern

Anika Kehrer und Marcel Hilzinger
15.09.2009 Mit der neuen Codeplex-Stiftung möchte Microsoft den Austausch von Code und das Verständnis zwischen Software-Unternehmen und Open-Source-Projekten ermöglichen.

Die neue Codeplex-Stiftung, die Microsoft Ende der vergangenen Woche angekündigt hatte, soll die bereits 2006 von Microsoft gegründete Hosting-Plattform Codeplex.com ergänzen. Sie soll eine Umgebung bieten, in der sich "kommerzielle Entwickler in Open-Source-Projekte einbringen, entweder mit intellektuellem Eigentum oder mit Zeit, die unter Aufsicht der Foundation dazu verwendet wird, Open-Source-Projekte voran zu bringen". Die Codeplex Foundation beschreibt sich außerdem als Kommunikationsdrehscheibe zwischen der Open-Source-Community und den Stiftungsmitgliedern sowie anderen Software-Firmen. Die Stiftung versteht sich als Ergänzung zu der Hosting-Plattform Codeplex.com, weil diese nicht auf Zusammenarbeit und Kommunikation ausgelegt sei. Die beiden Microsoft-Initiativen operieren unabhängig voneinander, verfolgen aber dasselbe Ziel: Austausch zwischen der kommerziellen und der quelloffenen Software-Welt, die Microsoft offenbar als gegensätzlich begreift.

In den FAQ sowie in einer erklärenden Präsentation zur Codeplex Foundation ist zu lesen, dass das Motiv für die Stiftungsgründung unterentwickeltes Engagement kommerzieller Softwarefirmen und ihrer Entwickler in Open-Source-Projekten sei. Das fehlende Engagement habe kulturelle und methodische Gründe, oft verhinderten auch unterschiedliche Sichten auf intellektuelles Eigentum und Lizenzierung die Zusammenarbeit. "Wir wissen, dass kommerzielle Unternehmen ganz bestimmten Herausforderungen gegenübertreten, wenn sie sich in Open-Source-Projekten engagieren wollen. Wir wissen, dass es auf beiden Seiten Missverständnisse gibt." Diese Lücke und Probleme möchte die Foundation angehen, heißt es weiter in den FAQs zum Zweck der Stiftung: "Insbesondere wollen wir mit beispielhaften Projekten zusammenarbeiten, die Best Practice für die Zusammenarbeit von kommerziellen Softwarefirmen und Open-Source-Communities darstellen".

Reaktion auf Patentverkauf?

Die ganze Stiftung scheint ziemlich schnell aus dem Boden gestampft worden zu sein: "Wir wissen selbst noch nicht, wie das Ganze funktioniert", heißt es offenherzig auf der About-Seite. Und weiter: "Das wichtigste Dokument, die Satzung der Codeplex Foundation, gibt es noch nicht einmal als Entwurf. Sie soll die Projekte beschreiben, mit denen die Stiftung zusammen arbeitet, und das Verhältnis zwischen Projekten und Firmen klären." Die Stiftung könnte deshalb nur ein Marketing-Schachzug von Microsoft sein, um von den negativen Schlagzeilen durch den versuchten Verkauft von Linux-feindlichen Patenten an Patenttrolle abzulenken.

Auf eine schnelle und übereilte Organisation hin deutet auch der Umstand, dass der bisher für die OpenSource-Geschäfte zuständige Sam Ramji Microsoft verlässt und sich in Zukunft um eine eigene Firma und nebenbei um die Stiftung kümmern soll. Der vorläufig gebildete Vorstand setzt sich aus insgesamt vier Microsoft-Mitarbeitern, Miguel de Icaza von Novell sowie dem Gründer des BSD-lizenzierten Web-Frameworks Dotnetnuke für ASP-NET-Programme zusammen, Shaun Walker. Zu den beratenden Vorstandsmitglieder gehören neben neun weiteren Open-Source-nahen Mitarbeitern oder Ex-Mitarbeitern aus Redmond noch Larry Augustin, der Gründer von Sourceforge, und der MySQL-Gründer Monty Widenius.

Die Pressekonferenz zur Stiftungsgründung steht auf Codeplex.org im MP3 und OGG-Format zum Download bereit. Die freie OGG-Datei scheint allerdings nicht (korrekt) verlinkt zu sein, so dass man beim Downloadversuch nur eine Fehlermeldung erhält.

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Kommentare
Das Oberziel von Microsoft
derHans (unangemeldet), Dienstag, 15. September 2009 11:53:32
Ein/Ausklappen

Microsoft verfolgt nur ein Ziel: Monopolstellung halten und damit Gewinnmaximierung realisieren. Jegliches Agieren wird diesem Oberziel strikt untergeordnet. Auch alles was sich "Stiftung" nennt, sei es von Microsoft oder Bill Gates persönlich.
Wenn es nun eine Stiftung mit dem Ziel der besseren Verständigung und Ausräumung von Missverständnissen zwischen Microsoft und dem Open Source Sektor gibt, ist dies ebenso unter diesem strategischen Verhalten zu bewerten.
Man möchte also von der intimeren Zusammenarbet profitieren.
Microsoft gibt keinen Dollar aus, von dem nicht ein vielfacher Return ins eigene Budget erwartet wird.


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