Citizendium fordert Wikipedia heraus

Citizendium fordert Wikipedia heraus

Kristian Kißling
15.09.2006

Auf der WOS4 ließ er die Katze aus dem Sack: Larry Sanger - Wegbegleiter von Jim Wales und im ersten Jahr noch Organisator der Wikipedia - macht der freien Enzyklopädie nun Konkurrenz. Basierend auf dem Online-Lexikon will er ein eigenes Projekt mit dem Namen "Citizendium" (Citizens Compendium) [1] gründen, verkündete er auf einer Veranstaltung mit dem Titel "Quality Management in Free Content".

Das Motto passt, griff Sanger doch die Inhalte der Wikipedia an. Die Enzyklopädie werde, seiner Auffassung nach, ihrer Amateurhaftigkeit nie entkommen, zu viele Trolle würden dort ungeprüft Unsinn verbreiten. Auch die Struktur des Projekts kritisierte er und setzte dem offenen Ansatz der Wikipedia, in der jeder alles schreiben darf, ein strenges Regelwerk entgegen.

Halten sich die Mitarbeiter des "Citizendiums" nicht an den Kodex, droht im Ernstfall ein Ausschluss. Die Schreiber dürfen sich zudem nur mit ihrem richtigen Namen und einem gültigen E-Mail-Account anmelden.

Durch die Auswahl besonders kompetenter Gutachter erhofft sich Sanger nicht nur eine hohe Qualität der Artikel, sondern auch eine Anbindung an die akademische Welt und Partnerschaften mit Bildungsinstitutionen. Es soll ein System aus Autoren und Redakteuren geben, die für die Qualität der Artikel sorgen: Nur Experten auf einem Gebiet dürfen auch als Redakteure arbeiten.

Dennoch will Sanger nicht auf die positiven Seiten der Wikipedia verzichten: Sein Projekt soll grundsätzlich offen für alle sein und Wert auf die Neutralität der Artikel legen. Eine Webseite im Beta-Stadium gibt es bereits, zur Zeit befindet sich das Projekt allerdings im Aufbau. Seine Ankündigung des Vorhabens in Deutschland verband er mit einer Aufforderung an die deutsche Wikipedia-Community, ebenfalls einen deutschen Fork zu gründen.

Eine Replik auf seine Ankündigung kam postwendend: Martin Haase, der als Board Member der Wikimedia Deutschland e.V. ebenfalls auf dem Podium saß, wies darauf hin, dass es bereits verschiedene Maßnahmen zur Qualitätssicherung bei der Wikipedia gebe, so die Initiative, besonders guten Artikeln das Gütesiegel "exzellent" oder "lesenswert" zu verleihen. Über die History sei es möglich, den Werdegang eines Artikels zu verfolgen, zudem müssen sich die Schreiber mittlerweile einloggen. Ein Patch erlaube es demnächst auch, die stabile Version eines Artikels einfach zu restaurieren. Haase verteidigte auch die einfache Sprache, schließlich wende sich die freie Enzyklopädie an eine interessierte Öffentlichkeit und das Wissen solle für alle Leser verständlich sein. Er kritisierte die disziplinarischen Maßnahmen hinter dem "Citizendium" und stellte die Frage, wie das Copyright der Artikel aussehen werde.

Egal wie die Sache ausgeht, Volker Grassmuck freute sich jedenfalls, dass Sanger seine Pläne gerade auf der WOS verkündete.

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