Chefentwicklerin will OLPC-Technologie kommerzialisieren

Chefentwicklerin will OLPC-Technologie kommerzialisieren

Britta Wülfing
02.01.2008

Das Hilfsprojekt One Laptop Per Child (OLPC) muss harte Schläge verkraften: In Nigeria fordert ein Unternehmen 20 Millionen US-Dollar Schadenersatz. Und die bisherige technische Leiterin Mary Lou Jepsen verläßt das Projekt mit dem Ziel, die OLPC-Technologie zu kommerzialisieren.

Als Nicholas Negroponte 2005 das Hilfsprojekt ins Leben rief, wurde Mary Lou Jepsen auf der Position des Chief Technology Officer (CTO) die erste Angestellte der Non-Profit-Gesellschaft. Jepsen war für die Entwicklung von Hardware und Bildschirmdarstellung verantwortlich und hat in ihrer Zeit grundlegende Patente für das Projekt eingereicht. Nun, "da die Hardware in großen Stückzahlen verkauft wird", wie sie auf auf ihrer Webseite schreibt, will sie ein gewinnorientiertes Unternehmen gründen und dazu einige der Technologien nutzen. Ihr Ziel: "Ich denke da etwa an einen 50-Euro-Laptop." In einem Kommentar auf einer OLPC-News-Seite tritt sie Gerüchten entgegen, dass sie dem Hilfsprojekt damit schaden wolle. Sie beschreibt ihre Arbeit eher als weitere Hilfestellung: "Eine Erfinderin hat gute Möglichkeiten, den Preis und die Leistung ihrer Erfindungen zu verbessern. Warum sollte der Zugang dazu begrenzt sein, wenn unser Ziel ist, die Kosten für Computer für die Entwicklungsländer zu senken?"

Zum 31. Dezember hat sie ihren Posten gekündigt; zeitgleich endet die befristete Aktion mit dem Titel "Give one - get one", bei der die Rechner für jedermann verfügbar waren; im Doppelpack mit einem gesponserten Gerät für ein bedürftiges Kind. Die Computer, auch unter dem Namen 100-Dollar-Laptop bekannt, nutzen ein Linux-basiertes Betriebssystem, arbeiten besonders stromsparend und setzen auf eine intuitive Anwenderoberfläche, die besonders Kindern einen leichten Einstieg in die Technologie verschaffen soll. Jepsen will dem Projekt weiterhin beratend zur Seite stehen.

Derzeit hat die OLPC nicht nur den Verlust der technischen Leiterin zu beklagen: Zu einer größeren Bedrohung könnte ein Gerichtsverfahren in Nigeria werden. Wie ein Jurist auf der Plattform Groklaw berichtet, fordert das klageführende Unternehmen Lancor 20 Millionen US-Dollar von der Hilfsorganisation. Lancor ist Hersteller von Tastaturen und will das Geld als Schadenersatz für eine angebliche Patentverletzung. Obwohl Groklaws Rechtsbeobachter der Klage keine großen Aussichten auf Erfolg einräumen, dürfte der anstehende Prozess in Nigeria OLPC dennoch Kopfzerbrechen bereiten. Bislang durften die Vertreter der Organisation dem Gericht ihre Position noch nicht darstellen, und die Verhandlung wird sich nach Einschätzung der Juristen zumindest viele Monate hinziehen.

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