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Cebit: John 'maddog' Hall: Bei proprietärer Software verliert der Kunde

Mathias Huber
10.03.2005

Das Linux-Forum auf der Cebit platzte beim Vortrag von John 'maddog' Hall unter dem Motto "Back to the future: The failure of proprietary software" aus allen Nähten. Hall, bärtiger Linux-Evangelist der ersten Stunde, resümierte die Geschichte der Software-Industrie und stellte seine Vision von der Zukunft freier Software vor.

Programmierer, so Hall, arbeiten aus Liebe zur Sache, genauso wie Maler und Musiker. Dass man mit dieser Tätigkeit auch Geld verdienen kann, sei ein angenehmer wirtschaftlicher Nebeneffekt. Doch das Geldverdienen mit Software habe sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. In den 70er ubd 80er Jahren gab es noch vornehmlich Individualsoftware, die IT-Firmen waren klein und gingen auf Kundenwünsche ein.

Inzwischen ist Software jedoch ein Geschäft in ganz anderen Dimensionen: Millionen Kunden kaufen ein vorgefertigtes 'shrink wrap'-Softwareprodukt. Dabei bleiben laut Hall die Kundeninteressen häufig auf der Strecke: In großen Firmen findet sich kein Ansprechpartner, sondern eine Telefon-Warteschleife. Proprietäre Software stehe außerdem häufig nicht in kleineren Landessprachen zur Verfügung und passe nicht auf die individuellen Anforderungen der Kunden. Die Folgen: Frustration und vergeudete Arbeitszeit beim Anwender.

Der größte Kritikpunkt Halls war aber der Preis, den er an einem drastischen Beispiel veranschaulichte: Eine Lizenz für Microsoft Office koste zehn Monatsgehälter eines chinesischen Arbeiters. Zudem gehe das Geld den lokalen Wirtschaftskreisläufen verloren und wandere in die Kassen der zumeist US-amerikanischen Großkonzerne.

Daher sei es sinnvoller, das Geld gleich in Programmierer freier Software zu investieren. So erhalte man Software, die den eigenen Bedürfnissen enstpricht. Auch an die Firmen appellierte Hall, jene 95 % eines Software-Produkts zu öffnen, die nicht die Kernkompetenzen betreffen. Firmen, die das getan hätten, hätten häufig von ihren Kunden die besten Verbesserungen erhalten, So ließe sich die Kundenzufriedenheit steigern -- und das Programmiererteam kann kann sich auf den Kern der Software konzentrieren, jene 5% des Codes, die das Geld einbringen.

An den Schluss seines Vortrags stellte Hall noch einen eindringlichen Appell an das Publikum, sich gegen Softwarepatente einzusetzen. Softwarepatente seien wie ein Versuch, Malern bestimmte Pinselstriche und Musikern einzelne Rhythmen zu verbieten.

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Kommentare
Re: Cebit: John 'maddog' Hall: Bei proprietärer Software verliert der Kunde
Murphy , Donnerstag, 10. März 2005 22:12:17
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Softwarepatente seien wie ein Versuch, Malern bestimmte Pinselstriche und Musikern einzelne Rhythmen zu verbieten. *Das* ist endlich mal eine eingängige *und* passende Allegorie. Hätte er damit nicht sechs Monate früher kommen können?
;-)


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Re: Cebit: John 'maddog' Hall: Bei proprietärer Software verliert der Kunde
Andreas Spengler, Freitag, 11. März 2005 16:35:19
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Derartige Allegorien gibt es schon lange. Auf einer Podiumsdiskussion bei einem der ersten Linuxtage fiel mal der Vergleich mit dem "Der Mörder ist immer der Gärtner"-Thema - ich glaube Daniel Riek war das damals... ;-)


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