Cebit 2008: ISDN und Linux -- mit Zukunft?

Cebit 2008: ISDN und Linux -- mit Zukunft?

Marcel Hilzinger
09.03.2008

Ab Kernel 2.6.26 sollen proprietäre Gerätetreiber im Kernelbereich nicht mehr erlaubt sein. Betroffen von dieser Änderung sind unter anderem passive ISDN-Karten von AVM. Linux-Community.de hörte sich auf der Cebit bei AVM um.

Suse-Linux-Nutzer mit ISDN-Verbindung schwärmen heute noch von den Zeiten vor Suse Linux 9.1, als die Nürnberger noch sämtliche Treiber und Software-Komponenten in ihre Distribution integrierten. Damals war alles noch in Ordnung, bis Novell auf die Idee kam, dass proprietäre Treiber im Kernel eigentlich nicht so toll seien. Genau so sieht auch AVM ISDN und Linux. Das Unternehmen sieht sich von der Community nicht verstanden und findet die Entscheidung der Kernelentwickler unprofessionell und voreilig.

Die Bedeutung von ISDN hat in den letzten Jahren dank DSL rapide abgenommen. AVM investiert deshalb nicht mehr in die Entwicklung neuer ISDN-Technologien und bietet lediglich noch Support für die aktuelle Hardware-Generation. Obwohl die Tage von ISDN gezählt sind, möchte die Firma den Sourcecode der passiven Treiber nicht offenlegen (die Treiber für aktive Karten sind opensource), da darin rund 15 Jahre Entwicklungszeit steckten.

Gleichzeitig hat das Interesse der Linux-Community an der Pflege der von AVM veröffentlichten Treiber abgenommen. ISDN ist in erster Linie noch für professionelle Kunden interessant, die damit Telefonie-Dienste realisieren (zum Beispiel mit Asterisk). Verlierer in diesem Hin und Her sind Heimbenutzer mit ISDN-Hardware. Sie müssen darauf hoffen, dass sich die Community der Treiber annimmt und ein Lösung für künftige Kernelversionen findet. Im professionellen Bereich gibt es mit der Spandsp-Bibliothek und Asterisk bereits Lösungen, die ohne AVM-Treiber auskommen. Alternativ bietet sich für die Internetverbindung der Hisax-Treiber an, auf Faxfunktion und Anrufbeantworter muss man dann allerdings verzichten.

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Kommentare
Re: Cebit 2008: ISDN und Linux -- mit Zukunft?
GoaSkin , Montag, 10. März 2008 22:42:01
Ein/Ausklappen

Es galt in der Vergangenheit als Besonderheit von Linux, daß es möglich ist,
einen monolithischen Kernel oder einen modularen Kernel zu compilieren und zu
dem möglich ist, selbst zu entscheiden, was in den Kernel hineinkommt oder als
Modul geladen werden soll. Heutzutage halte ich es zumindest bei einem
Standard-PC für sinnvoller, nur essentielle Dinge zu belassen und sämtliche
Peripherie-Treiber als Modul zu nutzen. Das ist auch das Prinzip der anderen
Desktop-Systeme.
Es hat sich viel geändert in den PC-Konfigurationen. Während es früher nur
sehr beschränkt möglich war, Hardware-Komponenten im laufenden Betrieb
auszutauschen und zu dem der PC teils unabhängig vom genutzten Betriebssystem
im BIOS auf seine Komponenten eingestellt werden musste, spielen heutzutage
die Schnittstellen eine wesentliche Rolle, die es ermöglichen, Hardware im
laufenden Betrieb auszutauschen. Dafür ist es sinnig, auch ein dynamisches
Laden und Entladen des Treibers zu ermöglichen. Solche Treiber sind als
Bestandteil des Kernels eher lästig und im Userspace besser aufgehoben. Der
Kernel sollte sich auf die Komponenten beschränken, die sich auf dem
Motherboard sind und als Basis zur Unterstützung periphärer Komponenten
dienen. Ein System läuft auch stabiler, wenn nur die Hardware unterstützt
wird, die sich wirklich im System befindet. Periphäre Treiber - ob von
kommerziellen Anbietern oder aus Opensource-Projekten sollten auch unabhängig
vom Kernel entwickelt und angeboten werden. Der Linux-Kernel sollte besser
eine solide Basis zum Reibungslosen zusammenspiel mit Userspace-Treibern
bieten - mit Schnittstellen, die nicht bei jeder Kernel-Aktualisierung eine
Neukompilierung oder gar Modifizierung von Kernel-fremden Modulen erfordern.



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