Cebit 2008: Ein Jahr Linux-Desktops bei der Stadt München

Cebit 2008: Ein Jahr Linux-Desktops bei der Stadt München

Mathias Huber
05.03.2008

Florian Schießl hat auf der Cebit Erfahrungen aus dem Projekt Limux berichtet, das die Desktop-Arbeitsplätze der Münchner Stadtverwaltung auf Linux migriert. In seinem Vortrag im Linuxforum (Halle 5, F60) berichtete der stellvertretende Projektleiter von der Einführung von Open-Source-Anwendungen sowie des einheitlichen Linux-Basisclients. "Weg vom Vendor-Lock-In, hin zu offenen Standards" heiße das Motto für die Kommune, erklärte Schießl. Das öffne den Wettbewerb für unabhängige Anbieter, auch für lokale kleinere Firmen.

Florian Schießl hielt Rückschau auf das Jahr, das seit der Umstellung der ersten Arbeitsplätze vergangen ist. Rund 38 Prozent der Kosten seien auf Mitarbeiterschulung entfallen, ein großer Posten, der jedoch eine sinnvolle Investition in die Kompetenz der Mitarbeiter darstelle. Die Schulung wird von der Universität München wissenschaftlich begleitet, das E-Learning-Angebot der Stadt wurde mit dem Preis Eurela 2007 ausgezeichnet. Das wichtigste aber sind laut Schießl bei einem solchen Veränderungsprojekt die Menschen, deren Probleme es ernst zu nehmen gilt. So genannte "Keimzellen" unter den städtischen Stellen lebten die Umstellung praktisch vor.

Die Usability des Linux-Clients wurde von der TÜV-IT zertifiziert. Damit ist Linux laut Schießl kein schwierig zu bedienendes "Freak-Betriebssystem" mehr.

Eine große Herausforderung war die Migration auf freie Bürosoftware. Für die Umstellung auf OpenOffice wurde daher das erweiterte Office-Supportzentrum (EOS) zusammen mit dem Dienstleister DBI eigerichtet. Vorlagen, Briefköpfe und Formulare werden über die Erweiterung Wollmux samt Anbindung an den Verzeichnisdient einheitlich verwaltet, was den Wildwuchs an Vorlagen und Makros stark reduziert hat. Diese Software soll Open Source werden, sobald die städtische Rechtsabteilung die juristischen Fragen geklärt hat.

Schießl sprach sich beim Thema Office entschieden für das freie Open-Document-Format (ODF) aus. Feature-Wünsche konnte die Stadt dank des Standards selbst umsetzen. Microsofts OOXML bezeichnete er dagegen als "Pseudo-Standard", der zudem mit rund 6000 Seiten kaum zu durchschauen sei.

Der derzeitige Linux-Client auf Basis der freien Linux-Distribution Debian Sarge soll im Frühjahr 2008 durch Version 2.0 abgelöst werden, die die aktuelle Debian-Version Etch zur Grundlage hat.

Daneben steht die Migration weiterer Fachverfahren an: Manche werden mit plattformunabhängger Technologie umgesetzt, manche müssen sich zu Web-Anwendungen wandeln, im Notfall gibt es Wine oder virtualisertes Windows. Zudem solle man ruhig bei den Herstellern nach Linux-Versionen fragen, der Markt wachse, sagte Schießl.

Das Limux-Projekt ist mit einem eigenen Stand im Linuxpark der Cebit vertreten (Halle 5 G 60/3). Die städtischen Linux-Fachleute präsentieren sich auf der Computermesse, um die Öffentlichtkeit über den Fortschritt der Migration zu informieren. Damit möchte das Projekt auch Gerüchten entgegentreten, das freie Betriebssystem komme nicht in die Gänge. Florian Schießl: "Wir zeigen, dass Linux in der öffentlichen Verwaltung gut läuft."

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