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Canonical will eigenen Display-Server für Ubuntu
Mir

Canonical will eigenen Display-Server für Ubuntu

05.03.2013
Canonical verpasst Ubuntu auf allen unterstützten Geräten einen neuen, selbst entwickelten Display-Server namens Mir. Weder das alte X Window System noch das bislang favorisierte Wayland würden Canonicals Anforderungen erfüllen.

Wie Technical Architect Thomas Voss in einem Blog-Beitrag berichtet, sei X zu kompliziert und mit Features überladen. Das Treibermodell würde zudem einen effizienten Einsatz auf Mobilgeräten verhindern. Bei Weston, dem Display-Manager von Wayland, fehle ebenfalls ein klar definiertes Treibermodell sowie ein „rigoroser Entwicklungsprozess“. Insbesondere letzteres ließe Canonical zweifeln, ob sie mit Wayland tatsächlich ihre Ziele erreichen könnten. Auch andere bestehende Lösungen würden nicht Canonicals Anforderungen erfüllen, weshalb man sich entschlossen habe, einen eigenen Display-Server zu entwickeln. Dieser soll alle derzeit existierenden Geräteklassen optimal unterstützen, angefangen vom Desktop-PC über Mobiltelefone bis zu Fernsehgeräten.

Dazu sollen vor allem die Erfahrungen aus dem Ubuntu-Touch-Projekt in Mir einfließen und insbesondere die Architektur und Implementierung beeinflussen. Ziel ist laut Oliver Ries, Product Strategy Engineering Manager, eine einheitliche Code-Basis, die Unterstützung aller Bildschirmgrößen und Eingabegeräte, sowie eine „einheitliche Benutzererfahrung“. Gemäß der aktuellen Spezifikation soll Mir besonders schlank sein, besonders effizient arbeiten, auf OpenGL ES (EGL) aufsetzen und auf Mobiltelefonen Android-Treiber verwenden können. Bei der Spezifikation der Kommunikationsprotokolle wollen die Entwickler zudem ein besonders Augenmerk auf die Sicherheit legen. Dadurch soll die Überwachung durch Drittanwendungen, wie AppArmor, wegfallen.

Um bestehende X-Anwendungen weiterhin nutzen zu können, soll ähnlich wie bei Wayland ein X-Server enthalten sein (XMir). Canonical verspricht zudem, dass sich bestehende Anwendungen einfach portieren ließen, die Bibliotheken Qt, GTK+ und XUL möchte man selbst für Mir anpassen, wobei der Fokus derzeit auf Qt liegt. Canonical befindet sich zudem bereits in Gesprächen mit Grafikkartenherstellern, die wiederum ihre proprietären Treiber auch für Mir anbieten sollen. Wie Thomas Voss in seinem Blog-Beitrag verkündet, arbeite man zudem eng mit Nvidia zusammen an einem verbesserten, einheitlichen Treibermodell.

Schematische Darstellung der Mir-Architektur (Quelle: https://wiki.ubuntu.com/MirSpec)

Mir bedingt auch starke Umbauten an der Unity-Shell. Damit sie mit Mir zusammenarbeitet, portiert sie Canonical unter dem Namen Unity Next auf Qt5 und QML2. Der ambitionierten, aktuellen Roadmap zufolge sollen interessierte Entwickler bereits ab Mai Mir ausprobieren können. Im Oktober landet Mir dann auf Ubuntu-Telefonen und Tablets. Sämtliche Plattformen und unterstützten Geräte sollen schließlich im April 2014 auf Mir umgestellt sein. Die komplette Mir-Spezifikation steht im Canonical-Wiki zur Einsicht. Den Namen Mir hat Canonical laut Thomas Voss in Anlehnung an die gleichnamige Raumstation gewählt: Mir soll Canonical als Außenstation ermöglichen, „den Mond zu erreichen“.

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