CCC-Kongress in Berlin

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Britta Wülfing
28.12.2005

Bis zum 30. Dezember findet in Berlin der ChaosCommunication Congress [1] statt, das jährliche Mitgliedertreffen des Chaos Computer Club [2]. Eines der zentralen Themen wird dieVorratsdatenspeicherung von Telekommunikationsdaten sein, die über dieEuropäische Union zwangsweise in allen Mitgliedstaaten eingeführtwird. Bislang sind alle institutionellen Versuche gescheitert, dieseFestlegung zu verhindern, die symptomatisch für eine Vielzahl weiterervergleichbarer Bestrebungen steht.

Nun erhält der CCC Unterstützung vom streitbaren Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein, Dr. Thilo Weichert. In einer umfangreichen Mitteilung [3] warnt Weichert vor der Entwicklung, die laut seinen Worten Menschen ohne einen konkreten Anlass unter Generalverdacht stellten. Vor dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender der Konferenz der Datenschutzbeauftagten ruft Weichert zu zivlrechtlichem Engagement gegen die Vorratsdatenspeicherung auf und vergleicht den CCC mit "nötiger Hefe in der dringend benötigten Debatte".

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Kommentare
Re: CCC-Kongress in Berlin
arebenti , Montag, 02. Januar 2006 01:03:57
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Als Anwesender auf dem Kongress drängte sich mir ein Eindruck auf und das ist der Eindruck einer Profilproblematik. Der CCC-Kongress hat durchaus die Chance ein bisschen spielerischer aufzutreten, weil in diesem Bereich seine Stärke liegt. Man zehrt vom Mythos der Hacker, aber wenn man liest was die dieses Jahr die moderate Presseresonanz hergibt, dann feuert der Mythos inzwischen schon zurück.

Viele spannende Sachen laufen mittlerweile ausserhalb, in anderen Communities und auf anderen Veranstaltungen. Auch auf dem Gebiet der Sicherheitstechnologie und ihrer politischen Implikationen spielt der Kongress eine Liga tiefer als er könnte.

Ich sehe die Zukunft des Kongresses auf drei Ebenen:
a) spielerischer Zugang zu Technologie: d.h. zweckfreie Beschäftigung mit dem Rechner. Der Lojban-talk dieses Jahr ist aus meiner Sicht hier vorbildlich, was in Richtung KI wäre auch wichtig. Hier wurden ja auch Wissenslücken erkannt.
b) Politik und Lobbying, ganz pragmatisch, hier ist der Vortrag von Tauss ein Weg in die richtige Richtung, das wurde schon ganz gut dieses Mal bewerkstelligt.
c) Integration anderer Communities mit interessanten Gebieten, also Medienkünstler, Blogger, Funkbastler und dergleichen. Also die Infusion mit frischem Blut.

Für Open Source Projekttreffen sind die Räumlichkeiten leider nicht optimal. Dafür bräuchte man mehr und andere Räume. Der CCC-Jahreskongress ist leider keine Fosdem, das muss er auch nicht unbedingt sein.

Auch bei dem überpräsenten Thema Vorratsdatenspeicherung fehlte mir ein wenig die Linie. Knapp drei Wochen vorher war es entschieden worden. Da fehlte die mediale Unterstützung und die Repräsentanz war noch viel zu schwach. Mit einigen Leuten bin ich mit als letztes Aufgebot in die Schlacht gezogen im Wissen, dass die Sache verloren war. Was mich schockierte: dass gleich nach der Abstimmung ein Preis für Gedankenfreiheit an Menschenrechtsaktivisten verliehen wurde. Das war nicht Zynismus, sondern zeigt die Widersprüchlichkeit und Diversität. Wer nicht richtig kämpft soll bitte sich nicht über die verlorene Schlacht beklagen oder die Funktionsweise des politischen Systems infrage stellen. Es zeugt von einer Schwäche, wenn "Reporter ohne Grenzen" einen Preis im Lichte aller Öffentlichkeit der Europäischen Akteure empfangen und sich nicht zum Thema äußern, während der Verband der deutschen Zeitungsverleger das Ende des Informantenschutzes in einer Pressemeldung beschwört. Die ISPs haben hier nicht mit der erforderlichen Kraft lobbyiert und Akteure wie Edri in Brüssel unterstützt. Es gelang nicht eine breite Bewegung aufzubauen oder die Brücke zu verwandten Organisationen zu schlagen. Das ist nicht meine Schuld als Angehöriger einer last-minute Hilfstruppe. Das ist auch nicht die Schuld des CCC oder der Vortragenden. Es wäre aber töricht den Schwachpunkt bei der Politik zu vermuten. Wer seine Interessen nicht rechtzeitig organisiert und Gehör verschafft, darf sich über eine Niederlage nicht wundern. Wer nicht kämpft hat sowieso verloren. So einfach geht das.


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