Bruce Perens scheitert an der OSI

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Kristian Kißling
22.04.2008

Bruce Perens - bekannt für seine Definition von Open Source - kommt nicht in den Vorstand der Open Source Initiative (OSI). Die Wahl verlief nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit. Trotz einer Sammlung von etwa 2000 Unterschriften für Perens, wählten die Mitglieder des Boards einstimmig Martin Michlmayr (Debian-Entwickler und angestellt bei HP) und Harshad Gune (Associate Professor am Symbiosis Institute für Computerstudien und -forschung). Sie ersetzen nun die ausgeschiedenen Board-Mitglieder Matt Asay und Raj Mathur.

Perens war angetreten, um den Community-Aspekt in dem Gremium zu stärken. Matt Asay, ein zurückgetretenes Board-Mitglied, warf ihm vor, in der letzten Zeit nichts mehr für Open Source getan zu haben und sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen.

Die Ironie dabei: Die OSI überprüft im wesentlichen, ob eine eingereichte Lizenz kompatibel mit der Open-Source-Definition von Bruce Perens ist. Ist das der Fall, vergibt die Organisation ein eigenes Label "OSI certified". Mittlerweile gibt es eine lange Liste mit Open-Source-kompatiblen Lizenzen. Kommerzieller Software, die versucht, sich mit einer halboffenen Lizenz den Anstrich von Open Source zu geben, verweigert die Organisation das Zertifikat. Damit macht sie sich nicht nur Freunde.

Während Perens die OSI von der Community-Seite kritisierte und ihr vorwarf, zu viel auf die Verkäufer zu hören, fordern Vertreter der kommerziellen Seite wie Simon Phipps von Sun eine Aufweichung der OSI-Standards. "Wir brauchen einen Weg, Freiheit von Software zu vermitteln, ohne unmögliche Forderungen an die Eigentümer der Handelsmarken zu stellen." fordert er in seinem Blog. Auch andere Anbieter von kommerzieller Software, die nicht den Open-Source-Kriterien entspricht, drängen die OSI-Board-Mitglieder dazu, umzudenken.

Ihren Kritikern macht es die OSI mit ihrer wenig transparenten und demokratischen Struktur recht einfach. Die finanzielle Lage der gemeinnützigen Organisation lässt sich nicht einsehen, die zehn Direktoren bestimmen im wesentlichen selbst, wer ins Board kommt und wer nicht. Und sie bestimmen, welche Lizenzen als "OSI certified" gelten. Damit besitzen sie zwar eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber der Verkäufer-Seite, doch es besteht auch die Gefahr, dass "OSI certified" Software irgendwann nicht mehr viel mit Open Source zu tun hat.

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