Das Grafikprogramm Gimp glänzt in der Version 2.6 mit interessanten neuen Features. Unter anderem ermöglichen die Entwickler über die Integration von GEGL (Generic Graphics Library) erstmals den nicht-destruktiven Umgang mit HDR- und RAW-Bildern. Die verfügen über bis zu 32-Bit-Farbtiefe pro Farbkanal. Zudem wurde das Gimp-Interface durch die Integration des Toolbox-Menüs in das Hauptfenster stärker an konventionelle Grafikprogramme angepasst.
HDR- und RAW-Support
Laut einem Interview der Netzwelt mit dem Gimp-Entwickler Simon Budig erfolgt der Umstieg zur 16- und 32-Bit Arithmetik in kleinen Schritten. Gimp 2.6 ermöglicht erstmals die Nutzung von höheren Farbtiefen, allerdings muss der Anwender die dafür zuständige Bibliothek GEGL über das “Colors”-Menü manuell dazuschalten. Per Default setzt Gimp 2.6 weiterhin auf 8 Bit pro Farbkanal.
GEGL kann auch Grafikmengen jenseits des verfügbaren RAM Buffers umgehen, ohne das Originalbild komprimieren zu müssen. Während HDR-Bilder (High Dynamic Range Images) aber noch vorzugsweise in der digitalen Kinotechnik und in Computerspielen zum Einsatz kommen, sieht das mit RAW-Bildern schon anders aus: Die meisten digitalen Spiegelreflexkameras produzieren mittlerweile diese Bilder, die über einen Dynamikumfang von 12 bis 16 Bit pro Farbkanal verfügen.
Poliertes Interface
Während alte Hasen mit Gimps Interface durchaus zurecht kommen, dürfte die überarbeitete Oberfläche des Programms Ein- und Umsteiger besser ansprechen. Die lassen Gimp oft aufgrund der ungewohnten Bedienung links liegen. Gimp 2.6 zeigt nun, wie andere Grafikprogramme auch, ein “leeres Bild,” wenn man kein Bild geöffnet hat. Diese Arbeitsfläche integriert zudem das Menü der bisherigen Toolbox und dient zugleich als Ziel, um Bilder per Drag’n’Drop dort abzulegen. Dank der Umordnung von Toolbox und den Docks kommen Fenster-Manager besser mit Gimp zurecht, weil die Werkzeuge nicht mehr so leicht hinter dem Bild verschwinden.
Eine qualitative Verbesserung von Bildern bringt der Wechsel von Gimp 2.6 zur Grafikbibliothek Cairo, wie dieser Vergleich zeigt. Auch im Detail gibt es Neuerungen: Der Pinsel malt nun über den Rand eines Bildes und lässt sich so gezielter platzieren. Das Auswahlwerkzeug unterstützt polygonale Auswahlen und erlaubt das Vermischen von Freihand- und Polygon-Segmenten. Die Eingabedynamik der Pinsel lässt sich hinsichtlich von Größe und Transparenz anpassen: Bewegt der Anwender die Maus schneller, wird der Strich dünner. Beim Einsatz eines Grafiktabletts vermindert ein stärkerer Druck die Transparenz eines Strichs und so weiter.
Vorschau und Download
Für die Gimp-Version 2.8 planen die Entwickler Veränderungen am Text-Tool. Die zahlreichen weiteren Neuerungen in der aktuellen Variante erklären die Release Notes. Wer Gimp 2.6 mal selbst ausprobieren möchte, findet den Quellcode der Software als TAR.BZ2-Archiv in der Download-Sektion der Webseite. Wer noch etwas wartet, kann die neueste Version wie gewohnt über den Paketmanager der Distribution installieren.





