Bedeutet die Vorratsdatenspeicherung das Aus für deutsche TOR-Server?

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Falko Benthin
18.12.2007

Ab 2008 gelten die Verpflichtungen, verdachtsunabhängige Verbindungsdaten vorzuhalten und für sechs Monate zu speichern, auch für den Internetbereich. Unter diesen Bedingungen wird es für das größtenteils privat betriebene TOR-Netzwerk in Deutschland nicht mehr möglich sein, seinen Dienst weiter anzubieten. So sah es jedenfalls Karsten Neß, ein TOR-Administrator, auf einer Podiumsdiskussion der neu gegründeten German Privacy Foundation (GPF).

Die lud am 14. Dezember 2007 Vertreter aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Justiz nach Berlin ein, um über die zu erwartenden Auswirkungen der Vorratspeicherung von Telefon- und Internetdaten und weiterer Überwachungsvorhaben zu diskutieren. Ein Video der Podiumsdiskussion gibt es hier.

Die Experten gehen davon aus, dass vor allem Anonymisierungsdienste wie TOR von den Schnüffelattacken der Behörden betroffen sein werden. Neß nimmt etwa an, dass 180 der 200 privat betriebenen TOR-Server in Deutschland offline gehen werden. Auch den privat betriebenen deutschen Remailern prophezeit er aufgrund der aktuellen Rechtssprechung ein ähnliches Schicksal.

Das Problem für der meisten privat betriebenen TOR-Server besteht darin, dass sie erst nachgerüstet werden müssten, um die anfallenden Verbindungsdaten speichern zu können. Auch dass die Daten evtl. anfragenden Vermittlern "zeitnah" verfügbar gemacht werden müssen, kann für viele Privatpersonen zu einem Problem werden. Informatiker Neß bezweifelt, dass sich die gespeicherten Verbindungsdaten überhaupt zu Auswertungen nutzen lassen. In einem Test zählte er 8000 parallele Verbindungen, so dass die einzelnen IP-Adressen kaum aufzuschlüsseln seien. Häufig laufen die Verbindungen auch über Server außerhalb Deutschlands, was eine Zuordnung der Daten ebenfalls erschwere. Zudem käme die Kriminalpolizei im Falle eines Kreditbetrugs über das Internet lediglich mit einer IP-Adresse an, anstatt auf klassische Weise im Umfeld des Betrogenen zu recherchieren, wer an die Daten der Kreditkarte gelangt sein könnte.

Doch nicht nur Betreibern gehen die neuen Gesetze zu weit. Auch Ulf Buermeyer, Richter des Landes Berlin und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesverfassungsgericht, ist mit den Änderungen nicht einverstanden und bezweifelt, dass die Freiheitseinschränkungen in einem gesunden Verhältnis zum Sicherheitsgewinn stehen. Die 80-tägige Speicherung der Daten habe bisher in den allermeisten Fällen für die Ermittlungen ausgereicht.

Jakob Erkes vom Verein der Ingenieure für Kommunikation (IfKom) beklagt, dass die Speicherung einerseits die Kontrolle der Bürger immer weiter anziehe und andererseits damit auf die Wirtschaft enorme Kosten zu kämen.

Zum Ende der Veranstaltung versicherte der GPF-Vorsitzende Burkhard Schröder, dass die GPF "alle Maßnahmen verbreiten werden, die Vorratsdatenspeicherung legal ad absurdum zu führen". Sie wolle die Bürger dazu bringen, den hohen Wert der Privatsphäre anzuerkennen und zu verteidigen.

Der Anonymisierungsdienst TOR ist in den Repositories vieler Distributionen, zum Beispiel Debian, Ubuntu, Gentoo und diversen BSD-Varianten enthalten. Auf der Webseite des TOR-Projekts lassen sich zudem Binaries für fast alle großen Distributionen sowie der Quellcode herunterladen. Die aktuelle Version ist 0.1.2.18. Neben den Downloads finden interessierte auf der Webseite viele Informationen, wie sie einen eigenen Server aufsetzen oder ihren heimischen Rechner dazu bringen, seine Pakete über das TOR-Netzwerk zu verschicken.

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