Aufgeklärt: Zehn Mythen über freie Software

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Jan Rähm
28.09.2007

Im Rahmen des EU-Projekts "FLOSSMETRICS" hat Projektteilnehmer Carlo Daffara die "Zehn Mythen über Open Source Software" auf ihren Wahrheitsgehalt abgeklopft.

Tim O'Reilly hatte 1999 in einer Keynote mit dem Titel "Zehn Mythen Open Source Software" über Vorurteile und Gerüchte gegen Freie Software gesprochen. Nach Ansicht von Carlo Daffara glauben noch heute viele Menschen an diese Behauptungen. So wirken die Mythen über "Free/Libre Open Source Software" (FLOSS) als ein Hindernis bei der Adaption der Entwicklungen in der Wirtschaft. Daffara hat seine Erkenntnisse zu den zehn Punkten auf groklaw.net veröffentlicht.

Mythos 1 sagt: "Es ist eine Sache zwischen Windows und Linux" - sprich, um freie Software nutzen zu können, müssen Unternehmen ihre komplette IT-Infrastruktur auf Linux umstellen. Das sei nicht so, schreibt der Autor: Viele freie Projekte ließen sich auch mit Windows oder Apples Mac OS X nutzen.

Auch die Behauptung "Open Source Software ist nur für Programmierer relevant, normale Anwender schauen fast nie unter die Haube" überzeugt Daffara nicht. Nur die Tatsache, dass ein Nutzer sich nicht für den Code interessiert, impliziert noch nicht, dass die Offenlegung des Codes sinnlos sei. Schließlich würde offener Quellcode auch einem Anwender dienen, der zwar nicht selbst programmieren will, aber jemanden dafür bezahlt, den Code nach seiner Vorstellung umzuschreiben. Außerdem sei der eigentliche Code nur ein Teilbereich. Mit dem Quellcode würden schließlich auch Dokumentationen, Übersetzungen, Beispiele und weitere Projektteile frei verfügbar werden, die wiederum einen Anreiz zur Mitarbeit bieten könnten. Schließlich führe offener Quellcode zu höherer Flexibilität und Kosteneinsparung. Als Beispiel führt er eine Untersuchung des Projekts MuleSource an. Derzufolge haben 64 Prozent der Nutzer schon mindestens eine Änderung am Code vorgenommen.

Ebenso gehört die Aussage "Mit Open Source Software kann man kein Geld verdienen" für Daffara ins Reich der Mythen. Er führt Untersuchungen an, laut denen offene Software bis 2010 rund 32 Prozent der Umsätze im Bereich IT-Services generiert. Ganze 29 Prozent soll schon jetzt der Anteil betragen, den die Entwicklung von Open-Source-Software in der EU ausmache. Die Investitionen in die Entwicklung freier Software betragen Daffaras Aussage nach rund 22 Milliarden Euro.

Carlo Daffara arbeitet am EU-Projekt "FLOSSMetrics". Dessen Ziel ist es, eine Datenbank aktiver freier Software aufzubauen. In ihr sollen Informationen über tausende Projekte zusammenlaufen, die damit einen Überblick über freie Softwareentwicklung ermöglichen.

Neben Tim O'Reilly und Carlo Daffara hat sich auch der Kernelentwickler Greg Kroah-Hartman mit Mythen beschäftigt. In seiner Keynote zum Linuxsymposium sprach er über die zehn populärsten Linux-Mythen und schreckte auch nicht davor zurück, darin Aussagen des Novell-Cheftechnologen aufs Korn zu nehmen.

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