Migrationserfahrung

Auf dem Linuxtag plaudert ein Admin aus dem Nähkästchen

Auf dem Linuxtag plaudert ein Admin aus dem Nähkästchen

Anika Kehrer
09.06.2010 Der Admin des Berliner Software-Unternehmens Blubbsoft gibt in seinem Vortrag auf dem Linuxtag einen Reisebericht seines Weges von Windows zu Linux, auf dem er vor allem an den Kollegen vorbei musste.

Es begann mit einem Virus, erzählt Sven Grounsell: Eine Mitarbeiterin sei aufgeregt gewesen und konnte kaum noch arbeiten. Eine Woche später hatte sie sich denselben Windows-Virus wieder eingefangen. "Das ist kein vernünftiger Prozess", diagnostiziert der Admin, "dass da jemand jede Woche eine Stunde den Virus von der Platte putzen darf." An dieser Stelle entstand die Idee, im Unternehmen von nun an mit Linux zu arbeiten.

Während die Geschäftsführung und die Entwickler kein Problem damit hatten, zeigten sich die Grafikabteilung, der Vertrieb und die interne Organisation skeptisch und ängstlich. Das sei aber nicht das einzige Problem gewesen: Rückschauend weiß der Berliner Admin, dass sehr viel mehr Zeit als gedacht in die Planung und Begleitung des Migrationsprozesses floss. Während Grounsell für die Planung noch "hohe Motivation" notierte, bemerkte er auch "sozial intensiven Zeitaufwand" für die Betreuung bei "geringer Motivation" der scheuenden Mitarbeiter.

Hindernisse lagen, berichtet der externe und interne IT-Supporter, in der gewählten Softwareverteilung m23, obwohl er sie sorgfältig recherchiert hatte. "Jedes Update warf die Apache-Konfiguration über den Haufen", nennt er als Beispiel, "bis ich begriff, eine Sicherung der Konfigurationsdatei zu machen." An vielen Stellen hätten die m23-Entwickler außerdem vor allem ihre eigenen Vorstellungen umgesetzt, was Umarbeitungsaufwand bedeutete: So sollte Gnome in der Firma zum Einsatz kommen, m23 war aber auf die KDE-Konfiguration spezialisiert. Auch bei LDAP sei hoher Aufwand für die Einarbeitung und etwa für die Verheiratung mit Samba entstanden. "Ich dachte, ich würde mich da einfach einarbeiten. Ich war da etwas blauäugig", bekennt der Admin. Viel Recherche hat der Administrator auch in die gemeinsame Nutzung von Firefox-Profilen unter Linux und Windows gesteckt.

Bei den "Lessons learned" nennt er an erster Stelle: "Wir haben ganz, ganz massiv den Arbeitsaufwand unterschätzt". An zweiter Stelle führt er die Testinstallation mit Benutzerfeedback aus der zweiten Phase des Migrationsprojektes an. Aus dieser Phase stammt nämlich der Titel seines Vortrags ("Ihr macht ja alles kaputt"). Man solle also auf keinen Fall die Anwender bei der Begegnung mit dem neuen System allein lassen. Man solle sie aber auch nicht mit Begeisterung anzustecken versuchen, weiß Grounsell aus Erfahrung: Mit seiner leidenschaftslosen Herangehensweise hat der durchaus Linux-freundliche Admin sehr gute Erfahrungen gemacht.

Das Alltagsgeschäft wurde durch die Migration übrigens kaum beeinträchtigt. Nur an einem Tag - "zirka 1 1/2 Stunden lang, bis es wieder lief" - waren die Mitarbeiter sauer auf ihren Admin: Er hatte den Samba-Server zerschossen. Übrigens: Als dritte Erfahrung nimmt er aus seinem erfolgreichen Projekt mit, dass man nicht zu sensibel auf Unmutsäußerungen reagieren sollte.

Kommentare
Das zeigt deutlich
AntiMi (unangemeldet), Mittwoch, 09. Juni 2010 23:17:26
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was passiert, wenn man von einem einzigen B-System-Hersteller total abhängig ist. Nicht nur was die Software selbst betrifft, sondern auch die Gewohnheiten daran. Die Gewohnheit ist eigentlich das Schlimmste Übel Die Gewohnheit ist der einzige Grund, warum viele User von Windows nicht/nie wegkommen. Und darauf baut MS.


Ist das eigentlich beabsichtigT? Diesen angeblichen Anti-Spam-Code kann man nicht mehr entziffern. Jetzt 4. Versuch. Und dann leckt mich am Arsch!!!!!



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