Achtet die Lizenz und fürchtet Euch nicht!

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Britta Wülfing
06.06.2008

Aufgrund rechtlicher Konsequenzen sollten Unternehmer den Einsatz Freier Software grundlegend überdenken, riet ein juristischer Fachartikel vor einigen Tagen. Das Software Freedom Law Center (SFLC) dagegen gibt Entwarnung.

In einem Artikel im US-amerikanischen Juristenmagazin Law.com meinte der Autor Edwin Walsh, er habe einen „unvereinbaren Konflikt zwischen Open Source-Software und seiner weit verbreiteten Nutzung durch Unternehmen“ entdeckt. Er empfahl Unternehmern, den Einsatz zu überdenken, denn „jede Aktivität, die die Software zum Geschäftsvorteil einsetzt, schränkt die Freiheit der Software ein“. Als Beleg hierfür führte er die jüngste Version 3 der General Public License (GPL) an und die Gerichtsstreitigkeiten, die in den letzten Monaten um die das GPL-Projekt Busybox geführt wurden. In vier Prozessen gegen Unternehmen, eines davon Verizon, wurden die Entwickler der freien Software von den Anwälten des Software Freedom Law Center vertreten, das auf Einhaltung der GPL klagte. Alle Prozesse wurden beigelegt, die Parteien einigten sich außergerichtlich.

Auf der Webseite des SFLC reagiert nun einer der beteiligten Anwälte, Aaron Williamson, auf den Artikel. Er kann in dieser Entwicklung nichts Neues entdecken und stellt fest: „Urheberrecht war schon immer ein Schlüsselwerkzeug für Freie und Open Source Software (FOSS).“ Der Law-Artikel hatte die These aufgestellt, dass die FOSS-Bewegung bis zur ersten Busybox-Klage einzig eine „philosophische Debatte über den richtigen Platz für Software in der Gesellschaft“ geführt habe. Williamson führt aus, dass die Freiheiten der GPL schon immer gegolten hätten, einzig mit der Einschränkung, dass diese nicht verweigert werden dürfen. An Walsh gerichtet schreibt der SFLC-Jurist: „Dies könnte nur für denjenigen eine 'neue Lektion' sein, der nie die Lizenz gelesen hat.“

Für die mangelnde Streitlust von FOSS-Entwicklern sieht er andere Gründe: Wegen der Community-Natur der Entwicklung setzten diese zunächst auf Aufklärung und Integration, und er nennt die Vorgehensweise der Free Software Foundation (FSF) in den letzten Jahren als Beispiel. Außerdem hätten FOSS-Projekte häufig nicht die Ressourcen, die Einhaltung der Lizenzbedingungen zu erzwingen. Williamson sieht hier Grund zum Eingreifen und schreibt: „Das Ergebnis davon war, dass selbst die himmelschreiendsten Verletzungen in der Vergangenheit nur minimale Konsequenzen hatten.“ Ohne Androhung juristischer Konsequenzen hätten Unternehmen auf die Appelle der Software-Entwickler häufig nicht reagiert. Eine Erfahrung, die auch Kernel-Entwickler Harald Welte, Gründer des Projekts gpl-violations.org machte. Im Interview mit Linux-Magazin Online anlässlich seines jurististischen Erfolges gegen Skype sagt er: „Früher hab ich mal versucht, an die betreffenden Unternehmen Briefe zu schreiben, aber das hat nie funktioniert. Die haben nur verzögert und darauf gewartet, dass sich das von allein erledigt. Auf eine Abmahnung reagieren die schon eher.“

Der SFLC-Anwalt Williamson gibt Unternehmern Entwarnung auf ganzer Linie und führt die erfolgreichen Geschäftsmodelle von Unternehmen an, die als eingebettete Software Linux und FOSS in Kombination mit proprietären Anwendungen nutzen. Er kommt zu dem Schluß: „Gleichgültig, ob sie proprietäre oder FOSS-Software einsetzen, sollten profitorientierte Unternehmen selbstverständlich darauf achten, dass sie ihre rechtlichen Verpflichtungen einhalten. Und so lange sie das tun, müssen sie keinen 'unlösbaren Konflikt' fürchten zwischen Geld verdienen und FOSS nutzen.“

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