Abschied von Dirk Haaga

Abschied von Dirk Haaga

Britta Wülfing
04.10.2006

Am 2. Oktober 2006 ist Dirk Haaga, zuletzt Channel Manager für Red Hat Europa, bei einem Motorradunfall in den österreichischen Alpen tödlich verunglückt. Die lapidare Meldung eines österreichischen Nachrichtenblatts TödlicherMotorradunfall in Tirol hat für uns eine ganz andere Aktualität: Mit Dirk Haaga verliert nicht allein das Unternehmen Red Hat ein Mitglied des Management-Teams, vielmehr verliert die Open-Source-Gemeinde einen langjährigen, überzeugten Mitstreiter. Für uns, die wir ihn kannten, heißt es noch mehr: Wir verlieren einen wunderbaren Menschen und Freund.

Dirk Haaga war nahezu seit der Geburtsstunde von Linux für das freie Betriebssystem aktiv. Im Jahr 1993 startete er die Entwicklung der Deutschen Linux Distribution (DLD) und machte sich damit zur Aufgabe, das freie Betriebssystem mitsamt der Dokumentation, den "man-pages", in deutscher Sprache zur Verfügung zu stellen. Im Jahr 1994 gründete er die delix Computer GmbH. Das Systemhaus war gleichzeitig Entwicklungs- und Vertriebscenter für die DLD. Er war nie ein knallharter Geschäftsmann, dazu waren ihm andere Werte als Geld viel zu wichtig. Im Jahr 1999 verkaufte er die delix Computer GmbH mit DLD in Version 6.1 an den amerikanischen Linux-Distributor Red Hat. In einer Pressemitteilung hierzu meinte Dirk Haaga seinerzeit: "Das deutsche Entwicklerteam wird auf die Red-Hat-Distribution einen ziemlich großen Einfluss haben."

Er jedenfalls machte seinen Einfluss geltend: Dirk Haaga wurde Geschäftsführer der deutschen Red Hat GmbH und war im weltweiten Geschäft zuletzt für den Produktvertrieb in Europa verantwortlich. Den Weg ganz an die Spitze des Unternehmens erreichte er nicht, dazu waren ihm andere Dinge vielleicht zu wichtig. Ihm war wichtig, dass er sich für die Sache "Freie Software" engagieren konnte und damit auch seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Und das tat er in vieler Hinsicht in zahlreichen Ämtern und Ehrenämtern: Er war Campus Coach bei dem neu gegründeten Linux Business Campus in Nürnberg, Vorstandsmitglied und Aufsichtsrat in Open-Source-Unternehmen, engagierte sich bei zahlreichen Linux-Veranstaltungen und -Foren.

In seinem beruflichen Leben hat Dirk Haaga ein Ziel verfolgt: Er glaubte schon früh daran, dass mit Linux und Open-Source-Software auch unternehmerischer Erfolg möglich ist. Er glaubte daran, dass kommerzieller Erfolg nicht zur Voraussetzung hat, dass man ethische Grundsätze über Bord wirft. In einem Vortrag für die Industrie- und Handelskammer im Rahmen der Perspektive Open Source am 26. September 2006 präsentierte er mit Stolz die neuesten Umsatzzahlen "seines"Unternehmens Red Hat. Im gleichen Atemzug betonte er vor dem Unternehmerpublikum, wie wesentlich es sei, dass jede Software, die Red Hat verwendet, der GPL unterliegt und als Freie Software verfügbar ist.
Als es um die marktbeherrschende Stellung von Microsoft ging, sagte er mit schwäbischen Dialekt: "Weischt, ich hätt gar nichts gegen ein Monopol bei Software. Ich hätt auch kein Problem, wenn Microsoft das Monopol hätte. Es wär gar kein Thema, wenn es Open-Source-Software wäre." Am 5. Oktober wollte er den gleichen Vortrag vor Unternehmern bei der IHK in Rosenheim halten. Dieser Termin muss nun ohne ihn stattfinden. Die Lücke, die er hinterlässt, ist groß.

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