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© Ammit, 123RF

Eolie trennt mittels Profilen zwischen Webseiten

Browser-Eruption

Eventuell kennen Sie das: Nach einer Suche im Web bombardieren Sie andere Seiten mit "passender" Werbung zu dieser Websuche. Für mehr Privatsphäre sperrt der Browser Eolie auf Wunsch Webseiten in jeweils eigene Profile.

Isole Eolie heißt eine Inselgruppe vulkanischen Ursprungs nördlich von Sizilien. Ganz so feurig dürfte die Geburt des Webbrowsers Eolie nicht abgelaufen sein, doch er enthält durchaus einige feurige Neuerungen, die man bei den Klassikern vermisst. Mit einer modernen GTK3-Oberfläche inklusive Client-Side-Decorations und integriertem Adblocker sowie Browser-Profilen erfüllt Eolie viele Anforderungen, die an Privatsphäre interessierte Anwender an einen modernen Webbrowser stellen.

Eolie [1] stammt aus der Feder von Cédric Bellegarde [2], der auch hinter dem sehr aktiv entwickelten Musikplayer Lollypop [3] steht. Das Projekt baut unter der Haut auf der Browser-Engine Webkit auf. Damit läuft Eolie auf älteren Systemen vor Intel Pentium 4 oder AMD Athlon 64 nicht, da diese Prozessoren nicht von Webkit vorausgesetzte SSE2-Befehlssatzerweiterung [4] unterstützen.

In den Paketquellen gängiger Distributionen findet sich Eolie noch nicht – eine Ausnahme macht nur Arch Linux. Zur Installation müssen Sie das Programm also in der Regel aus dem Quellcode bauen [5]; für Ubuntu beschreibt Listing 1 den Prozess. Alternativ stellt der Entwickler Eolie-Pakete für Fedora, Ubuntu und (Open)Suse über zusätzliche Paketquellen bereit. Die entsprechenden Informationen erhalten Sie auf der Homepage. Zudem gibt es auch ein distributionsunabhängiges Flatpak-Archiv.

Listing 1

### Ubuntu 16.04 LTS: Meson 4.0 aus den Backports installieren
$ sudo apt install meson/xenial-backports
### ab Ubuntu 17.10: Meson aus den Paketquellen installieren
$ sudo apt install meson
### Eolie aus den Quellen bauen und installieren
$ sudo apt install git gir1.2-gtkspell3-3.0 libglib2.0-dev libgirepository1.0-dev libgtk-3-dev python-gobject-dev python3-dev libwebkit2gtk-4.0-dev gir1.2-webkit2-4.0 autoconf-archive python3-dateutil
$ git clone https://github.com/gnumdk/eolie.git
$ cd eolie
$ mkdir build
$ meson build
$ sudo ninja -C build install
### bei Bedarf wieder deinstallieren
$ sudo ninja -C build uninstall

Mehr als nur eine Adresszeile

Nach der Installation rufen Sie den Browser über das Anwendungsmenü auf. In der Grundkonfiguration lädt Eolie die Google-Homepage als Startseite (Abbildung 1). Die Browserzeile mittig im Fensterkopf übernimmt bei Eolie gleich mehrere Aufgaben: Wie gewohnt geben Sie hier die URL der gewünschten Webseite oder einen Suchbegriff ein. Über die Icons im Kopf des Dialogfensters erreichen Sie jedoch auch den Verlauf, die Suchtreffer passend zur Eingabe in der Zeile aus dem Browserverlauf sowie den kompletten Verlauf in Form eines Kalenders (Abbildung 2).

Abbildung 1: Eolie bedient sich intensiv des GTK3-Toolkits und kombiniert die Icon- mit der Fensterleiste.
Abbildung 2: Die gesammelten Bookmarks, die Historie und die Suche im Verlauf integriert Eolie in ein Fenster.

Im Gegensatz zu Chrome oder Firefox positioniert Eolie die Reiterleiste am linken Bildschirmrand. In der Standardansicht zeigt der Browser nur das Favicon der entsprechenden Seite sowie eine Zahl daneben – dazu gleich mehr. Bei Bedarf ziehen Sie die Tab-Leiste breiter auf und sehen dann den Namen der Webseite mit der Basis-URL der Domain beziehungsweise, sofern die Webseite die entsprechende Information liefert, den aus den Meta-Tags extrahierten Titel der Webseite.

Auch beim Management der Tabs geht Eolie einen eigenen Weg: Laden Sie eine Webseite wie etwa Linux-community.de und öffnen von dort ausgehend die Artikel in weiteren Tabs, erhöht sich zwar die angezeigte Zahl, aber die Anzahl der Tabs selbst steigt jedoch nicht weiter an (Abbildung 3). Das liegt daran, dass Eolie alle Tabs gruppiert, die zu einer Webseite gehören. Erst wenn Sie von der aktuellen Webseite aus einen externen Link öffnen, lädt Eolie diesen in einen frischen Reiter.

Abbildung 3: Die aufgerufenen Tabs organisiert Eolie automatisch entsprechend der jeweiligen Domain in Gruppen.

Klicken Sie auf einen der Tabs, dann erscheinen sämtliche Reiter dieser Webseite in einer Übersicht. Entsprechend wechseln Sie zu den Reitergruppen anderer Webseiten. Um die Ansicht auf alle in Eolie geöffneten Tabs zu erweitern, tippen Sie in der Fensterleiste auf das Icon Alle Tabs zeigen aus der Icon-Gruppe rechts neben den Vor- und Zurück-Buttons des Browsers in der linken oberen Ecke.

Ad- und Skriptblocker

Aus den aufgerufenen Webseiten filtert Eolie schon in der Standardkonfiguration Anzeigen heraus. Eine Möglichkeit, die dabei genutzten Filterlisten zu verändern, bietet Eolie aktuell noch nicht. Allerdings erlaubt es der Browser, einzelne Seiten oder Tabs (also gleich die komplette Domain) vom Werbeblocker auszuklammern. Öffnen Sie dazu über das Burger-Menü rechts oben im Fenster den Einstellungsdialog, und wählen Sie unter dem Eintrag Ausnahmen die entsprechende Option.

Die Schalter in der obersten Ebene des Dialogs (de-)aktivieren die Filter global für alle Seiten – das gilt auch für die Funktion Javascript blockieren. Schalten Sie den Skriptblocker ein, müssen Sie dennoch auszuführende Skripte von Hand aktivieren. Stolpern Sie also bei aktiviertem Blocker über Seiten, die ohne Javascript beispielsweise keine Bilder mehr laden, müssen Sie die von Eolie blockierten Skripte der Webseite überprüfen.

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