AA-123RF-46335426-Vitalii_Tiahunov-123RF.jpg

© Vitalii Tiahunov, 123RF

Remote-Desktop-Lösung NoMachine unter Linux

Durchgreifend

Aus der Ferne auf einen PC zugreifen und damit arbeiten? NoMachine bietet das und noch einiges mehr.

In privaten Haushalten kommen heute häufig zwei oder mehr PCs zum Einsatz, dazu gesellen sich Tablets und Smartphones. Oft dient einer der stationären Rechner als Server, auf den die anderen Systeme zugreifen – etwa zum Transfer von Daten, vor allem aber zum Streamen von Multimedia-Inhalten. Remote-Desktop-Programme erlauben dabei die Arbeit an einem entfernten Rechner, ohne dass die Systeme dabei größere Datenmengen austauschen.

Software zum Fernzugriff auf Computer im Intranet vereinfacht zudem die Wartung der anderen Rechner vom eigenen Arbeitsplatz aus. In Unternehmen erfüllt Remote-Desktop-Software dieselbe Aufgabe, ermöglicht jedoch zusätzlich beispielsweise den Zugriff auf Server über Thin Clients. Kommen anstelle ausgewachsener Computer solche Mini-PCs zum Einsatz, bietet das die Möglichkeit, Kosten einzusparen.

Linux bietet viele Optionen, um die Vorteile von Remote-Desktop-Applikationen zu nutzen. Häufig kommen in reinen Linux-Umgebungen Programme zum Zug, die auf VNC ("Virtual Network Computing") aufsetzen, wie TightVNC [1] oder das zum KDE-Fundus gehörende Duo Krdc/Krfb. Wesentlich unabhängiger sind Sie jedoch mit NoMachine [2], einer plattformübergreifenden Remote-Desktop-Software, die noch einige zusätzliche Schmankerl bietet.

VNC [3] und seine Derivate setzen auf das Remote-Framebuffer-Protocol auf, das in älteren Varianten einen recht hohen Datenfluss verursacht und einige technische Nachteile mitbringt, wie ein eher rudimentäres Skalieren der Bildschirmauflösung in Echtzeit. Dagegen nutzt NoMachine das NX-Protokoll, das den Daten-Overhead minimiert und sich dadurch für den Einsatz über Netze mit niedriger Bandbreite eignet.

Das NX-Protokoll komprimiert dazu die Daten und speichert bereits übertragene Bestände in einem Cache, sodass das Volumen beim Transfer deutlich schrumpft. Dabei braucht es auf anderen Plattformen keine Zusatzsoftware, sodass die Software in heterogenen Umgebungen immer mit ähnlichen Geschwindigkeiten beim Transfer arbeitet. Außerdem verwendet NX zum Übertragen der Daten in den professionellen Varianten einen SSH-Tunnel.

Installation

Sie erhalten NoMachine kostenfrei in mehreren Varianten als DEB- und RPM-Paket auf der Webseite des gleichnamigen luxemburgischen Herstellers [4]. Er bietet außerdem für jede Hardware-Architektur auch ein TAR-Archiv an, das Sie unabhängig vom vorhandenen Paketmanagement und der Distribution installieren.

Nach dem Herunterladen des knapp 45 MByte großen Gesamtpakets installieren Sie es über die entsprechenden Tools der Paketverwaltung. Dabei integriert die Routine in den meisten Fällen die Applikation bereits in die vorhandene Menüstruktur. Das Setup sorgt außerdem dafür, dass sich das Programm automatisch beim Systemstart aktiviert, sodass Sie ab dem nächsten Start des Computers das rote Nomachine-Icon im System-Tray des Desktops finden. Bei einigen Distributionen mit Maté-Desktop klappt jedoch die automatische Integration in die Menüs nicht, sodass Sie hier die entsprechenden Starter manuell hinzufügen müssen.

Die Software steht in der frei zugänglichen Variante als Client/Server-Applikation unter einer proprietären Lizenz, während die essenziellen Bestandteile des NX-Protokolls und die dazugehörigen Bibliotheken unter der GPL stehen. Für professionelle Anwender bietet NoMachine ein kostenpflichtiges Lizenzmodell an, das verschiedene Support-Optionen und zusätzliche Funktionen umfasst: Während die freie Variante das SSH-Protokoll nicht unterstützt und nur jeweils eine Verbindung zu einem entfernten System aufbaut, fallen diese Beschränkungen in den kostenpflichtigen "Enterprise"-Versionen weg.

Erster Einsatz

Nach der Installation auf allen beteiligten Rechnern nehmen Sie die Software durch einen Klick auf den entsprechenden Starter in Betrieb. Der Assistent zeigt im ersten Dialog einige Optionen, die es ermöglichen, sich mit entfernten Rechnern zu verbinden.

Nach einem Klick auf Continue gelangen Sie in einen Bereich, in dem die Software das lokale Netz nach Rechnern durchsucht, auf denen das Programm ebenfalls läuft. Diese zeigt sie anschließend samt IP-Adressen oder Hostnamen an. Achten Sie darauf, dass Sie vor der ersten Verbindungsaufnahme die Software auf den beteiligten Systemen starten (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Remote-Desktop-Software NoMachine setzt auf einen Mix von proprietären und freien Komponenten sowie ein abgestuftes Lizenzmodell.

Zunächst stellen Sie die Oberfläche der Anwendung auf Deutsch um. Dazu klicken Sie auf der Verwaltungsmaschine, die zukünftig die entfernten Desktops anzeigt, auf die Schaltfläche Settings oben rechts und anschließend im neuen Dialog auf den Reiter Appearance. Danach wählen Sie im Auswahlfeld Text die Option Deutsch.

Weitere optionale Einstellungen finden Sie in den Reitern Transfers, Folders und Privacy. Unter Transfers legen Sie fest, ob es möglich sein soll, Dateien zwischen den beteiligten Maschinen auszutauschen, und falls ja, bis zu welcher maximalen Größe. Im Reiter Folders bestimmen Sie unter anderem, wo das Programm diese übertragenen Daten ablegt. Im Reiter Privacy stellen Sie unterschiedliche Optionen zum Löschen der Protokolldateien ein. Voreingestellt entfernt das Programm automatisch nach dem Ende einer Sitzung alle Logs.

Einige grundlegende Einstellungen zum passenden Dienst nehmen Sie vor, indem Sie unten links auf die Schaltfläche Connection preferences klicken: Dort konfigurieren Sie unter anderem, ob dieser bei jedem Start des PCs automatisch lädt und ob das System im Intranet sichtbar ist. Zusätzlich ändern Sie bei Bedarf den Port; in der Voreinstellung lauscht das Tool auf Port 4000. Ändern Sie diesen Wert auf dem Server, müssen Sie auch auf allen Systemen, die Sie von hier fernsteuern, die neue Portnummer eintragen – anderenfalls kommt kein Kontakt zustande.

Nach dem Fertigstellen der Konfiguration klicken Sie auf den Schalter Done und starten das Computersystem neu, um die modifizierten Optionen zu übernehmen.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 5 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Rechnerfreigabe mit NX 4
    Windows-Nutzer können ihren Desktop mit Hilfe der Funktion "Remote-Desktop" für den Zugriff über das Netzwerk freigeben, Linux-Anwender nutzen analog die Desktopfreigabe von KDE. Mit NoMachine steht eine leistungsfähige Alternative bereit, die einfach zu handhaben ist.
  • Nomachine 4.0 unterstützt auch Mac und Windows

    Der italienische Hersteller Nomachine hat auf seiner Webseite erste Features des nächsten Releases 4.0 seiner Open-Source-basierten Terminalserver-Software bekannt gegeben. Darunter sind zahlreiche lange erwartete Features wie verbesserte Multimedia-Funktionen, Unterstützung für mobile Geräte, ein Browserclient und Remote-Zugriff auch auf Apples Rechner oder Windows-Systeme.
  • X2go – Terminalserver auch für den Hausgebrauch
    Ob auf Geschäftsreise, in der Konferenz oder zu Besuch bei Freunden: Mit X2go haben Sie Ihren Desktop der Wahl immer zur Hand – über eine sichere und effiziente Verbindung.
  • Work@Home
    Im modernen Unternehmen arbeiten die Mitarbeiter auch schon mal von zu Hause aus. Für den Zugriff auf die Anwendungen auf dem Server sorgt die NX-Technologie.
  • Googles NX-Client Neatx
    Internetriese Google steigt auch in das Terminalserver-Geschäft ein. Mit Neatx, einer eigenen, in Python geschriebenen Anpassung der FreeNX-Quellen steht seit kurzem ein eigener GPL-Server zur Verfügung.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 02/2018: PAKETE VERWALTEN

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Wifikarte verhindert Bootvorgang
Maik Kühn, 21.01.2018 22:23, 0 Antworten
iwlwifi-7265D -26 failed to load iwlwifi-7265D -25 failed to load iwlwifi-7265D -24 failed to l...
sharklinux
Gerd-Peter Behrendt, 18.01.2018 23:58, 1 Antworten
Hallo zusammen, ich habe sharklinux von der DVD Installiert. 2x, jedesmal nach dem Reboot ist di...
Anfänger sucht Ratschläge
Alucard Nosferatu, 18.01.2018 21:56, 3 Antworten
Guten Tag, meine Wenigkeit würde gerne auf einer meiner Festplatten von meinen Feldrechnern e...
Suchprogramm
Heiko Taeuber, 17.01.2018 21:12, 1 Antworten
Hallo liebe Community, keine Ahnung ob dieses Thema hier schon einmal gepostet wurde. Ich hab...
Linux Mint als Zweitsystem
Wolfgang Robert Luhn, 13.01.2018 19:28, 4 Antworten
Wer kann mir helfen??? Habe einen neuen Laptop mit vorinstaliertem Windows 10 gekauft. Möchte g...