Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Prozessortaktung auslesen und setzen mit Cpufreppy, verschlüsseltes Backup im Netz mit Duplicity 0.7.15, Riesendateien per Skript verarbeiten mit Hungrycat 0.4, Netzwerkinformationen ermitteln mit Angry IP Scanner 3.5.2.

Taktvoll

Das intuitive Tool Cpufreppy ermittelt die aktuellen Taktraten und Governor-Einstellungen eines Systems.

Früher maß man die Leistungsfähigkeit einer CPU an deren Taktrate: je höher, desto schneller. Der Preis war oft ein hoher Stromverbrauch. Heutzutage gilt dagegen Energieeffizienz als wichtiger. Linux unterstützt schon lange die Optionen moderner Prozessoren, mit denen sich die Taktrate flexibel anpassen lässt. Mit dem handlichen Konsolen-Tool Cpufreppy erfassen Sie die Taktung der Prozessorkerne im laufenden Betrieb und passen diese nach Bedarf an. Das Python-Tool stellt nach dem Start eine einfache Konsole bereit. Mit dem Befehl help erhalten Sie eine Liste aller verfügbaren Befehle. Bei den Statusbefehlen gibt das Tool immer die Werte für alle Kerne aus.

Welcher Mechanismus zum Verwalten des Takts (scaling governor) gerade auf welchem Prozessorkern zum Einsatz kommt, fragen Sie mit dem Befehl ma ab. Das Kommando mag liefert eine Liste aller Governors, die der verwendete Kernel unterstützt. Ein gängiger Kernel stellt gewöhnlich die Governor-Varianten performance, powersave, ondemand und userspace bereit. In den meisten Distributionen kommt userspace als Standardeinstellung zum Einsatz. Standardmäßig versehen die Entwickler alle Kerne des Prozessors mit derselben Governor-Einstellung. Mit dem Befehl set-modality passen Sie die Governor-Einstellung für jeden Kern individuell an. Um die Taktfrequenz auf einem Kern zu begrenzen, definieren Sie mit set-frequencies-min und set-frequencies-max eigene Unter- und Obergrenzen. Den aktuellen Takt fragen Sie mit mlf ab, eine Übersicht über alle anwendbaren Taktraten liefert der Befehl lfa.

Für reine Abfragen brauchen Sie keine Root-Rechte, wohl aber für das Anpassen der Governor-Einstellungen. Alle Informationen bezieht das Tool aus dem Sysfs-Dateisystem, wo es auch die Anpassungen vornimmt. Die Befehle set-frequencies und set-modality passen jedoch nur die ersten vier Prozessorkerne an – die Entwickler hatten schlicht keine größeren Systeme im Fokus. Auf modernen Rechnern ist Cpufreppy damit nur bedingt nützlich.

Cpufreppy

Lizenz: GPLv2

Quelle: http://sourceforge.net/projects/cpufreppy

Vielseitig

Das Datensicherungswerkzeug Duplicity 0.7.15 ermöglicht ein sicheres Backup auf entfernte Systeme.

Mithilfe der in Python geschriebenen Backup-Lösung Duplicity lagern Sie Daten auf ein Remote-System oder einen Cloud-Speicher aus. Dabei unterstützt das Tool neben klassischen Protokollen wie FTP, WebDAV, Scp oder Rsync zusätzlich etliche gängige Cloud-Dienste. Neben etablierten Anbietern wie Amazon S3, Dropbox oder Google Drive gehören dazu auch Microsoft Azure und Onedrive sowie Mega.co. Um die zu übertragende Datenmenge zu minimieren, greift Duplicity auf die Librsync-Bibliothek zurück, die viele von Rsync bekannte Funktionen bereitstellt. Damit überträgt es immer nur die Daten, die sich geändert haben. Um ein Verzeichnis zu sichern, geben Sie beim Aufruf lediglich das Verzeichnis und die Syntax für das zu verwendende Übertragungsprotokoll samt Zugangsdaten und URL an. Eine Übersicht aller Protokolle samt Format bietet die Online-Hilfe, die Sie mit dem Parameter --help öffnen.

Beim ersten Lauf nimmt Duplicity automatisch eine Vollsicherung vor. Dabei legt es die Daten als GnuPG-verschlüsselten Tarball auf dem Zielsystem ab. Es fragt nach einer Passphrase und signiert das Archiv, falls ein GPG-Schlüssel vorhanden ist. Nach jedem Durchlauf gibt eine abschließende Statistik Auskunft über Datenvolumen und Laufzeit sowie die Anzahl der neuen, geänderten und gelöschten Dateien. Rufen Sie das Tool mit denselben Parametern erneut auf, führt es automatisch eine inkrementelle Sicherung durch. Eine erneute Vollsicherung erzwingen Sie mit full. Der Befehl collection-status gefolgt von der URL liefert eine Liste der vorhandenen Sicherungen. Mit wie remove-older-than oder remove-all-but-n-full verwalten Sie die gesicherten Daten und löschen bei Bedarf veraltete Files. Mit dem Parameter restore stoßen Sie das Wiederherstellen der Daten an.

Duplicity 0.7.15

Lizenz: GPLv2

Quelle: http://duplicity.nongnu.org

Platzsparend

Auf Systemen mit wenig Plattenplatz bietet Hungrycat 0.4 eine pfiffige, aber nicht ganz ungefährliche Möglichkeit zum Verarbeiten großer Dateien.

Selbst in Zeiten von Terabyte-Festplatten bleibt beim Verarbeiten von Daten manchmal nicht genügend Platz auf der aktuellen Partition, um Quell- und Zieldatei gleichzeitig zu speichern. Lässt sich das Problem nicht durch Einhängen zusätzlichen Speicherplatzes umgehen, hilft Hungrycat weiter: Es gibt die zu verarbeitende Datei ähnlich wie Cat auf die Standardausgabe aus, wobei es blockweise vorgeht und verarbeitete Blöcke löscht. Mithilfe von von Pipes verarbeiten Sie die ausgegebenen Daten in anderen Tools gleichzeitig weiter, was allerdings voraussetzt, dass jedes verarbeitende Werkzeug die Eingabe via Standardausgabe des anderen unterstützt.

Alle Einstellungen für Hungrycat treffen Sie über Aufrufparameter. So legen Sie mit -s die Größe der einzulesenden Datenblöcke fest; in der Vorgabe verwendet das Tool 8-KByte-Blöcke. Handelt es sich bei der zu verarbeitenden Datei um einen Hardlink, geben Sie der Software den Parameter -f mit. Standardmäßig nutzt das Tool die Ftruncate-Funktion des Kernels, um die Datenblöcke auf dem Datenträger wieder freizugeben. Mit dem Parameter -P nutzen Sie alternativ die Fallocate-Funktion, die allerdings nicht alle Dateisysteme unterstützen. Dann bricht das Programm nach dem Aufruf mit einer Fehlermeldung ab. Die Hungrycat-Manpage gibt eine knappe Übersicht aller Parameter, das im Quellarchiv enthaltene README liefert außerdem eine Reihe von Beispielen.

Hungrycat 0.4

Lizenz: MIT License

Quelle: http://jwilk.net/software/hungrycat

Neugierig

Mit dem intuitiv bedienbaren Ipscan 3.5.2 untersuchen Sie im Handumdrehen Rechner auf offene Ports.

Suchen Sie einen intuitiv bedienbaren Portscanner, der auf allen gängigen Plattformen bereitsteht, sollten Sie sich den Angry IP Scanner näher ansehen, besser bekannt als Ipscan. Auf der Webseite des Tools stellen die Entwickler Pakete für alle gängigen Plattformen und Paketmanager zum Download bereit. Alternativ greifen Sie auf das generische JAR-Archiv zurück; eine passende Java-Laufzeitumgebung benötigen Sie in jedem Fall.

Die Software begrüßt Sie mit einer übersichtlichen Oberfläche, die mehrere Optionen zum Scannen bietet. Neben der Abfrage eines ganzen IP-Bereichs dürfen Sie hier eine Datei mit einzelnen zu scannenden Adressen übergeben. Möchten Sie einen Schuss ins Blaue wagen, starten Sie mit einem Zufallsscan, bei dem Sie nur die Startadresse und die Netzmaske angeben. Ipscan pingt erst einmal die zu prüfende Adresse an und nimmt bei einer Antwort im nächsten Schritt eine DNS-Abfrage vor. Dann ermittelt es die MAC-Adresse des fraglichen Systems und scannt das Ziel an den voreingestellten Ports. Letztere legen Sie in der Konfiguration des Programms fest.

Das Ergebnis stellt Ipscan in einer Liste zusammen. Neben der IP-Adresse und dem Hostnamen listet es hier die Laufzeit des Pings und die offenen Ports auf. Das Menü Gehe zu ermöglicht eine einfache Navigation in der Liste. Alternativ springen Sie direkt zum nächsten aktiven Rechner, offenen Port oder auch zur nächsten IP-Adresse, die nicht geantwortet hat. Markieren Sie einen Eintrag in der Liste, können Sie über das Kontextmenü das betreffende System erneut scannen, Details kopieren oder mit einem Tool wie Telnet, Ssh, Traceroute oder Whois auf den Rechner zugreifen. Alternativ entfernen Sie das System aus der Liste, die Sie bei Bedarf als Text, CSV, XML speichern.

Ipscan 3.5.2

Lizenz: GPLv2

Quelle: http://angryip.org

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