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© Outsaider, 123RF

Avidemux trimmt und konvertiert Videos

Handliches Werkzeug

Beim schnellen Videoschnitt zeigt das schlanke Avidemux seine Qualitäten.

Wenn im Urlaubsvideo ein Auto mitten durch den schönen Sonnenuntergang rollt oder im spannenden Fernsehfilm die zahlreichen Werbeinseln stören, müssen Sie nicht gleich zu einem ausgewachsenen Videoschnittprogramm greifen: Das deutlich schlankere Avidemux genügt für solche Fälle vollkommen.

Mit dem kompakten Programm schneiden Sie nicht nur im Handumdrehen Werbung und unliebsame Elemente aus den Videos, sondern konvertieren darüber hinaus mit wenigen Mausklicks einen Film in ein anderes Format [1]. Avidemux ersetzt so in vielen Fällen einen Transcoder oder den Griff zum komplexeren Ffmpeg.

Auf Wunsch extrahiert die Software sogar den Soundtrack beziehungsweise die Tonspur. Als Bonus bietet sie zahlreiche Filter, mit denen Sie unter anderem das Bild schärfen, die Auflösung verändern und die Farben korrigieren.

Fremder Paketdienst

Um Avidemux zu installieren, suchen Sie am besten über den Paketmanager der verwendeten Distribution nach "Avidemux". Einige Repositories verteilen die Komponenten der Software auf mehrere Pakete. Achten Sie in solchen Fällen darauf, das Paket mit der grafischen Benutzeroberfläche zu installieren; häufig trägt es das Kürzel qt im Namen.

Die meisten gängigen Distributionen führen die Applikation allerdings entweder gar nicht in den Paketquellen oder nur in einer veralteten Version. Zum Redaktionsschluss lag Avidemux 2.7 vor, das diesem Beitrag zugrundeliegt. Sofern die von Ihnen verwendete Distribution eine ältere Version anbietet oder das Programm ignoriert, werden ein paar weitere Handgriffe fällig.

Setzen Sie auf OpenSuse "Leap", finden Sie das Programm im Packman-Repository. Sie aktivieren die Quelle, indem Sie in YaST hinter Software-Repositories auf Hinzufügen klicken, Community/Gemeinschafts-Repositories markieren, Weiter auswählen, in der Liste Packman Repository markieren und mit OK bestätigen.

Die Software installieren Sie dann über die beiden Pakete avidemux3-qt5 und avidemux3-qt5-lang. Letzteres enthält die deutsche Übersetzung der Benutzeroberfläche. Nach dem Ab- und Anmelden finden Sie das Videoschnittprogramm im Startmenü in der Gruppe Multimedia.

Unter Ubuntu aktivieren Sie das Repository GetDeb. Dazu laden Sie von dessen Homepage [2] das angebotene Paket herunter. Die Befehle aus Listing 1 spielen dann das GetDeb-Paket ein und installieren anschließend das Programm. Ungeachtet des anderslautenden Paketnamens landet dabei Avidemux 2.7 auf der Festplatte. Debian-Nutzer finden Pakete im Repository von Deb-multimedia.org [3].

Listing 1

$ sudo dpkg -i getdeb-repository_0.1-1~getdeb1_all.deb
$ sudo apt update
$ sudo apt install avidemux2.6-qt

Ergänzend bieten die Entwickler von Avidemux auf der Projektseite unter Downloads im Bereich Linux 64, Universal binaries ein AppImage für 64-Bit-Systeme an. Es funktioniert prinzipiell ohne Installation auf jeder Distribution, die das Format unterstützt. Nach dem Download der AppImage-Datei machen Sie diese ausführbar (Listing 2, erste Zeile) und können die Anwendung dann direkt starten (zweite Zeile).

Listing 2

$ chmod +x avidemux_2.7.0.appImage
$ ./avidemux_2.7.0.appImage

Hereinspaziert

Nach dem Start erscheint das Hauptfenster der Applikation. Um ein Video zu bearbeiten oder zu konvertieren, laden Sie es zunächst via Datei | Öffnen. Die Software analysiert das Video zunächst, was je nach dessen Größe einige Zeit in Anspruch nimmt. Anschließend erscheint eine Vorschau (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Benutzeroberfläche von Avidemux wirkt auf den ersten Blick etwas überladen. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken.

Wenn Sie das Fenster verkleinern und vergrößern, ändert sich die Größe der Vorschau. Über Ansicht | Zoom 1:1 weisen Sie das Programm an, das Video in seiner tatsächlichen Größe anzuzeigen. Doch Vorsicht: Gerade bei HD-Videos bläht sich dann das Fenster stark auf.

Über die blauen Pfeilsymbole links unten spielen Sie unter anderem das Video ab, springen schnell zum Anfang oder Ende des Films oder gehen nur ein Bild (Frame) vor beziehungsweise zurück. Welcher Knopf welche Aktion auslöst, verraten die Einträge im Menü Navigation (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mit den hier gezeigten Tasten navigieren Sie schnell durch den Film oder spielen ihn ab.

Um schnell durch das Video zu spulen, klicken Sie auf das stilisierte graue Rädchen mit dem roten Strich rechts unterhalb der Vorschau. Halten Sie die linke Maustaste gedrückt, und ziehen Sie das Rad nach rechts oder links. Je weiter nach rechts Sie es befördern, desto schneller spielt die Applikation das Video ab. Analog läuft der Film umso schneller rückwärts, je weiter Sie das Rad nach links ziehen.

Eine Zeitleiste oberhalb der blauen Schaltflächen visualisiert, welche Stelle im Film die Vorschau gerade anzeigt. Per Drag & Drop verschieben Sie den Regler und springen auf diese Weise schnell an eine bestimmte Position. Die exakte Position der Vorschau lesen Sie links unten in der Ecke im weißen Kasten ab, rechts daneben steht die Gesamtlaufzeit.

Klicken Sie den Knopf Zeit an, dürfen Sie die genaue Zeitmarke angeben, zu der die Software springt. Das hilft etwa beim bildgenauen Schnitt. Über Datei | Eigenschaften erhalten Sie dagegen Informationen zum Video (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Software liefert auf Wunsch Informationen über das gerade geöffnete Video, wie etwa dessen Auflösung, den verwendeten Codec und die Bildrate pro Sekunde.

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