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© Andrea De Martin, 123RF

Individualisierbare Distribution für alte und neue Hardware

Nicht von der Stange

Void Linux bietet interessante Zutaten, wie Runit als Init-System oder das hauseigene Xbps für das Paketmanagement.

Ein Großteil der heute verfügbaren Linux-Distributionen basiert auf Ubuntu und unterscheidet sich häufig nur in Nuancen vom Original. Dass es auch ganz ohne den Unterbau einer anderen Distribution geht, beweisen populäre Distributionen wie KaOS und Solus sowie experimentell ausgerichtete Projekte wie Bedrock, NixOS und Gobo Linux.

Irgendwo dazwischen siedelt sich Void Linux [1] an. Die Distribution nutzt neben einem eigenen Build-System und Paketmanager das schlanke Init-System Runit [2], das sich lediglich um den Systemstart sowie das Verwalten und Beenden der Prozesse kümmert. In dieselbe Kerbe schlagen Musl [3] als schlanke Alternative zur GNU-C-Bibliothek und LibreSSL [4] statt OpenSSL. Dabei zählen die Void-Entwickler nicht zur lautstarken Minderheit der Systemd-Hasser, sondern wollen einfach eine Alternative anbieten. Der mit durchschnittlich gut 200 Anwendern gut besuchte IRC-Kanal der Distribution zeigt, dass sie damit irgendetwas richtig machen müssen.

Leichte Kost

Void Linux hat sich Leichtgewichtigkeit auf die Fahnen geschrieben. Dafür steht neben Runit und Musl auch der Verzicht auf die Desktop-Dickschiffe KDE und Gnome sowie die gute Unterstützung für die Kleinstrechner Raspberry Pi, Cubieboard, Beaglebone, Odroid und USB Armory.

Die Abbilder ohne Desktop-Umgebung kommen mit einer Pentium-4- oder EM64T-CPU, 96 MByte RAM und 350 MByte Plattenplatz aus. Für die Images mit Desktop benötigen Sie einen Rechner mit mindestens 256, besser 512 MByte RAM. Das Konzept der Leichtigkeit setzt sich auch bei der Ausstaffierung der Desktops mit Anwendungen fort: Neben einem Webbrowser sind lediglich die zum jeweiligen Desktop dazugehörigen Werkzeuge mit an Bord.

Ursprünglich entstand Void 2008 als Testumgebung für das X Binary Package System (Xbps), einen Ersatz für das aus der BSD-Ecke stammende Pkgsrc. Daraus erwuchs mit der Zeit eine vollwertige Rolling-Release-Distribution. Dabei beziehen Sie entweder vorgebaute Binärpakete über Xbps oder kompilieren diese mittels Xbps-src selbst. Dabei sind native Builds genauso möglich wie Cross-Kompilate der unterstützten Architekturen. Die Vorlagen dazu liegen auf GitHub [5], wir gehen darauf später noch genauer ein.

Auswahl satt

Void bietet verschiedenste Abbilder zum Herunterladen an [6]. Die Grundlage bilden x86-Abbilder ohne Desktop-Umgebung für 32- und 64-Bit-Rechner (Abbildung 1), die jeweils rund 250 MByte groß sind. Abbilder mit den Desktops Cinnamon, Enlightenment (Abbildung 2), LXDE, LXQt (Abbildung 3), Maté und XFCE gibt es ebenfalls in 32- und 64-Bit-Versionen. Die 64-Bit-Images bieten die Entwickler zusätzlich mit Musl statt der Libc an. Die x86-Abbilder sind alle als Live-Image mit Installer ausgelegt.

Abbildung 1: Der Willkommensgruß von Void Linux findet im Terminal statt, sofern das Image keinen Desktop mitbringt.
Abbildung 2: Enlightenment, ein weniger bekannter Desktop, ist bereits für Wayland vorbereitet.
Abbildung 3: Als einziger Void-Desktop basiert LXQt auf dem Qt-Framework.

Eine Installation gelingt sowohl lokal vom Abbild als auch aus dem Netz; die Auswahl dazu treffen Sie erst im Installer. KDE und Gnome lassen sich bei Bedarf über das Paketsystem nachinstallieren. Allerdings steht KDE noch bei der hoffnungslos veralteten Version 4.13. Gnome kommt zwar in der recht aktuellen Release 3.24 mit, zieht allerdings Systemd auf den Rechner, was bei Void mit seinem minimalen Init-System Runit eher kontraproduktiv erscheint. (Anm. d. Red.: Kurz nach der Veröffentlichung dieses Artikels haben die Void-Entwickler die angesprochene Abhängigkeit von Systemd beseitigt und damit diesen Kritikpunkt ausgeräumt.)

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