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© Oleksii Olkin, 123RF

Schnelle Verzeichniswechsel auf der Konsole

Jump!

Autojump, Bd und Fasd verbessern den Workflow von Kommandozeilenarbeitern durch schnellere Navigation im Dateisystem.

Die Arbeit auf der Konsole lässt Sie mit einiger Übung die wahre Kraft spüren, die in Linux steckt. Allerdings geben sich die Standard-Tools nicht immer so komfortabel, wie es sich ambitionierte oder professionelle Anwender wünschen.

Wenn Sie viel auf der Konsole arbeiten, verwenden Sie vermutlich häufig den Befehl cd, was für "change directory" steht, also den Verzeichniswechsel. Wir stellen Ihnen ein paar Helferlein vor, die hier etwas mehr Komfort und Geschwindigkeit versprechen, besonders beim Verzeichniswechsel in tief verschachtelten Pfaden. Als Werkzeuge für verschiedene Shells treten Bd, Autojump und Fasd an.

Wenig Komfort

Die verschiedenen Shells unter Linux bieten von Hause aus bereits einige Hilfen an, um sich auf der Befehlszeile im Verzeichnisdschungel besser zurechtzufinden. Das beginnt mit der Orientierung, wo Sie sich gerade befinden. Hier hilft pwd, indem der Befehl das derzeitige Arbeitsverzeichnis angibt. Möchten Sie nun eine oder mehrere Ebenen nach oben springen, erledigen Sie das in der Regel via cd ... Die beiden Punkte symbolisieren jeweils einen Schritt nach oben in Richtung der Wurzel. Zwei Schritte nach oben springen Sie mit cd ../...

Bei häufigen Verzeichniswechseln steht hier aber viel Tipparbeit an, bei der schnell ein Fehler passiert. Müssen Sie häufig zwischen nur zwei Verzeichnissen wechseln, die sich an verschiedenen Stellen im Verzeichnisbaum befinden, so hilft der Befehl cd -, der Sie zum zuletzt besuchten Verzeichnis bringt.

Als weitere eingebaute Hilfe dient der Directory Stack: Mehrere Verzeichnisse lassen sich in einen Stapel packen. Die Bash bringt zur Navigation in diesem Stapel die Befehle pushd, popd und dirs mit [1]. Ersetzen Sie zum Verzeichniswechsel cd durch pushd, legt die Shell das zu betretende Verzeichnis immer oben auf einen Stapel. Den merkt sie sich und zeigt ihn nach dem Befehl auch an, sodass Sie sich das sparen können. Mit popd arbeiten Sie sich im Stapel wieder zurück.

Möchten Sie sich orientieren, zeigt der Befehl dirs -l -v den gesamten Stapel an. Um den Stapel zu erstellen, müssen Sie die Verzeichnisse also zunächst mit pushd ansteuern, um sie dem Stack hinzuzufügen. Das erweist sich als nützlich, wenn Sie in einer Arbeitssitzung etwa zwischen wenigen Verzeichnissen wechseln müssen, da das Werkzeug den Stapel durchnummeriert und Sie Ordner mit diesen Nummern anspringen.

Dass es auch komfortabler geht, zeigen die im Folgenden vorgestellten Werkzeuge, die alle gängigen Distributionen in ihren Repositories führen. Das Kommando Whohas, das Sie über Ihren Paketmanager installieren, gibt Aufschluss darüber, wo Sie diese finden. Mit whohas autojump erhalten Sie eine Liste, welche Distributionen das Paket führen, inklusive der Version und dem jeweiligen Zweig.

Auch das kleine Script Bd [2] richten Sie für viele Distributionen über den Paketmanager ein. Nach der Installation aus dem Paketmanager geben Sie die zwei Befehle aus Listing 1 ein, um die Ausführung von Bd zu vereinfachen. Steht Bd für das von Ihnen genutzte Linux-Derivat nicht zur Verfügung, nehmen Sie eine manuelle Installation anhand der Erläuterungen von der Github-Seite des Projekts vor.

Listing 1

$ echo alias bd='. bd -si' >> ~/.bashrc
$ source ~/.bashrc

Kurzer Rückweg

Stellen Sie sich vor, Sie haben sich per Cd ins Verzeichnis /home/fritz/foo/bar/bat/test/bd/ begeben und möchten nun zurück nach /home/fritz/foo/bar/. Sie würden üblicherweise cd ../../../ eingeben. Mit dem soeben installierten ersten Helferlein genügt dazu bereits ein bd bar: Da Bd die Autovervollständigung beherrscht, müssen Sie die Verzeichnisnamen nicht ausschreiben, meist genügen zwei oder drei Buchstaben.

Bd agiert nur zurück, nicht vorwärts. Dafür lässt es sich aber auch mit anderen Befehlen wie beispielsweise Ls, Du, Zip oder Tar zusammen anwenden. So listet ls -l `bd ba` den Inhalt des Verzeichnisses /bar auf, obwohl Sie sich immer noch in /bd befinden. Der Aufruf du -cs `bd fr` zeigt die Größe von /fritz an (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das kleine Skript Bd bringt Sie schnell zurück im Verzeichnisbaum und erlaubt auch das Einbinden weiterer Befehle.

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