AA_werkstatt_donatas1205_123rf_12455190.jpg

© Donatas1205, 123RF

Kommerzielle Autorenwerkzeuge für Linux im Vergleich

Ideenwerkstatt

Autorenwerkzeuge helfen dabei, eine gute Idee in ein Buch zu verwandeln. Wir stellen drei kommerzielle Programme vor.

Hersteller von kostenpflichtigen Textverarbeitungen für Autoren werben gerne mit namhaften Anwendern. Da sollten doch auch angehende Autoren mit den Programmen schnell zum eigenen spannenden Manuskript kommen. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Wer einen Roman oder ein Drehbuch schreibt, der tut gut daran, weder einen Strang der Handlung versehentlich zu durchtrennen, noch die Blumenverkäuferin kurz vor dem Ende plötzlich in einen Floristen zu verwandeln.

Spezielle Autorenwerkzeuge helfen dabei, solche Schnitzer zu verhindern. In diesen aufgebohrten Textverarbeitungen schreiben Sie nicht nur das eigentliche Manuskript, sondern planen den Ablauf der Geschichte, behalten die Lebensläufe der Protagonisten im Blick und speichern Ideen und Notizen. Idealerweise führen diese Programme Sie schrittweise von der Idee bis zum fertigen Werk.

Im Internet buhlen neben einigen kostenlosen Tools zahlreiche kommerzielle Applikationen um Ihre Gunst. Wichtige kostenlose Vertreter der Gattung haben wir bereits in Ausgabe 04/2017 unter die Lupe genommen [1]. Für Linux existieren derzeit nur drei aktiv weiterentwickelte kommerzielle Programme: Drama Queen [2], Fade In [3] und Writer's Café [4]. Ein Vergleich zeigt, was die drei Werkzeuge leisten und für wen sie sich eignen. Außer Konkurrenz läuft der Dienst Storywriter von Amazon mit (siehe Kasten "Online schreiben").

Online schreiben

Der Versandhändler Amazon betätigt sich mittlerweile auch als Film- und Serienproduzent. Mit Amazon Storywriter stellt das Unternehmen seit 2015 ein eigenes Programm für Drehbuchautoren bereit. Um es zu nutzen, benötigen Sie lediglich einen Amazon-Account, mit dem Sie sich auf der entsprechenden Seite anmelden [8]. Anschließend nutzen Sie das Werkzeug kostenlos im Browser. In Chrome lässt sich die Software als App installieren, sodass Sie Manuskripte offline schreiben können [9].

Nach der Anmeldung sehen Sie eine leere Seite, auf der Sie sofort loslegen dürfen (Abbildung 1). Das Werkzeug formatiert dabei den Text automatisch. Mit einem Klick auf die entsprechende Vorlage helfen Sie bei Bedarf nach. Textteile lassen sich unterstreichen sowie fett oder kursiv drucken – womit der komplette Funktionsumfang auch schon beschrieben ist.

Das fertige Drehbuch exportieren Sie in die Formate PDF, Final Draft (FDX) oder Fountain. Die Texte bleiben auf den Amazon-Servern, bis Sie sie dort explizit löschen. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, ein Skript für andere Nutzer freizugeben oder direkt bei den Amazon Studios einzureichen [10].

Abbildung 1: Der Funktionsumfang von Amazon Storywriter beschränkt sich auf das absolut Notwendige.

DramaQueen

Im brandenburgischen Gosen-Neu Zittau arbeiten ehemalige Mitglieder der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf an der Software DramaQueen. Die darf man zunächst 30 Tage lang gratis ausprobieren, maximal jedoch drei Monate. Anschließend verwandelt sich das Werkzeug in die abgespeckte, aber weiterhin kostenlose "Free"-Variante.

Für knapp 100 Euro erhalten Sie die "Plus"-Version, die zusätzliche Ansichten bietet, wie etwa eine Übersicht aller Schauplätze der Geschichte. Benötigen Sie den kompletten Funktionsumfang, dann erwerben Sie für knapp 300 Euro die "Pro"-Variante, die den folgenden Ausführungen zugrunde liegt. Für "Plus" und "Pro" bieten die Entwickler zudem eine Ratenzahlung (Mietkauf) an.

Offiziell unterstützt das Programm nur Ubuntu ab Version 12.04 und steht als DEB-Paket für 32- und 64-Bit-Systeme bereit. Auf unserem Testsystem mit Ubuntu 17.04 mussten wir die von der Software verlangten Abhängigkeiten manuell auflösen (Listing 1).

Listing 1

$ sudo apt-get install default-jre libgnome2-0 libgnomeui-0 libwebkitgtk-1.0-0

Nach dem Start entscheiden Sie, ob Sie ein Drehbuch oder Prosa schreiben möchten. Abhängig von der Wahl formatiert das Programm das Manuskript passend. Es geht davon aus, dass Sie zunächst ein Exposé erstellen, in dem Sie die Geschichte kurz umreißen, dann ein Konzept ("Treatment") mit dem Aufbau schreiben und sich schließlich an das eigentliche Drehbuch beziehungsweise den Roman wagen.

In der "Plus"-Version erstellen Sie für Exposé, Konzept und Manuskript jeweils ein eigenes Dokument. Bei der "Pro"-Variante besteht die Möglichkeit, diese Teile in einem Dokument zu verwalten.

Im Hauptfenster zeigt jede Spalte eine andere Ansicht auf die Geschichte (Abbildung 2). So finden Sie etwa unter Outline eine Liste mit der Abfolge der Szenen beziehungsweise Kapitel. Über die Reiter am oberen Rand fügen Sie jederzeit weitere Spalten hinzu oder schalten vorhandene ab.

Abbildung 2: Das Programm DramaQueen bringt ein Manuskript zu Hänsel und Gretel als Beispiel mit. Jede Spalte verändern Sie in ihrer Breite oder vergrößern Sie zum Vollbild.

Auf diese Weise behalten Sie zwar alle wichtigen Informationen im Blick, die Anzeige der Spalten verlangt jedoch einen möglichst breiten Monitor. Ein paar Videos sowie eine integrierte Hilfe erleichtern den Einstieg (Abbildung 3). Ein Wiki im Internet vermittelt zudem dramaturgische Grundlagen [5].

Abbildung 3: In DramaQueen dürfen Sie die Reihenfolge der Spalten anpassen, was aber im Test nicht gelang. Lediglich beim Anlegen der Storylines nimmt das Programm den Autor an die Hand.

Als Autor erfassen Sie zunächst alle beteiligten Figuren und Schauplätze, zu denen Sie jeweils bei Bedarf eine Beschreibung hinterlegen. Bei den Figuren fragt die Software zusätzlich einige vorgegebene Eigenschaften ab, wie etwa den Beruf oder das Alter. Eigene Eigenschaften dürfen Sie nicht ergänzen. Eine Figur darf außerdem nur männlich oder weiblich sein, nicht aber außerirdisch. Die Namen der Figuren und Schauplätze tauschen Sie später mit wenigen Mausklicks im gesamten Manuskript aus. Dabei erkennt das Programm sogar Abwandlungen beziehungsweise Fälle, wie "Gretels".

Einen Roman unterteilt die Software in Akte, (Buch-)Teile, Kapitel und Unterkapitel. Ein Drehbuch gliedert DramaQueen in Sequenzen, Steps und Szenen. Bei Bedarf markieren Sie Teile, Kapitel, Steps und Szenen mit vorgegebenen Stichwörtern, um beispielsweise eine Szene als "unfertig" zu kennzeichnen. Figuren weisen Sie nach Belieben den Szenen und Kapiteln zu. Bei Drehbüchern erkennt das Programm automatisch die im Manuskript verwendeten Schauplätze und Tageszeiten sowie, ob die Szene innen oder außen spielt.

Über ein Formular legen Sie einen neuen Handlungsstrang in einer Geschichte an, die sogenannte Storyline. Dieser weisen Sie anschließend die entsprechenden Szenen beziehungsweise Kapitel zu. Das Tool geht fest davon aus, dass jede Storyline aus drei Akten besteht: dem Anfang, einem Mittelteil und dem Ende [6]. Die Wendepunkte zwischen diesen Teilen legt im ersten Anlauf die Software fest.

Sie dürfen diese Vorgaben verändern, indem Sie Trennlinien zwischen den einzelnen Szenen beziehungsweise Kapiteln verschieben. Das erwies sich im Test als etwas mühselig. Das Diagramm Erzählbögen zeigt, wann eine Storyline für den Protagonisten positiv oder negativ verläuft (in Abbildung 2 rechts). Ein Zickzackkurs deutet etwa auf starke Schwankungen der Gefühle hin. Markieren Sie die Storylines samt ihren Szenen farblich, fällt es leichter, sie voneinander zu unterscheiden.

Zur Eingabe der eigentlichen Texte stellt DramaQueen einen Editor bereit, der die Szenen und Kapitel automatisch anhand von Formatvorlagen passend formatiert. Drehbücher erscheinen etwa im branchenüblichen Font mit fester Laufweite, wobei die Software Dialoge entsprechend einrückt.

Bei Bedarf weisen Sie einem Abschnitt jederzeit selbst eine Vorlage zu. Darüber hinaus bietet der eigentliche Editor in Bezug auf Konfiguration nur die Möglichkeit, den Schriftschnitt und die Farbe zu wählen. Schriftart, Größe der Seite sowie weitere Parameter dürfen Sie in den Grundeinstellungen nur für das komplette Dokument oder einzelne Absatzvorlagen ändern. Dabei bleiben allerdings kaum Wünsche offen: Sogar die Laufweite der Schrift regulieren Sie hier bei Bedarf.

DramaQueen versucht außerdem, Hurenkinder und Schusterjungen zu vermeiden (einzelne Zeilen am Anfang oder Ende einer Seite). Daneben gibt es eine deutsche Rechtschreibprüfung, deren Einsatz unter Linux jedoch voraussetzt, dass Sie die entsprechenden Dateien per Hand nachinstallieren. Dann prüft das Programm aber zusätzlich die Grammatik und den Stil der Texte. Die Autokorrektur fügt das korrekte Zeichen für Auslassungen ein und stellt typografisch saubere Anführungen und Trennzeichen sicher.

Sie dürfen den Text zudem mit Notizen versehen. Schreiben Sie an einem Drehbuch, unterstützt DramaQueen Sie mit einer Funktion, die beim Schreiben eines Dialogs den Namen einer Figur vorschlägt. Die Software erzeugt auf Wunsch einige einfache Berichte, wie etwa eine Liste mit allen Schauplätzen. Bei Bedarf erstellen Sie ein Dialogbuch, das ausschließlich die Textzeilen für die Schauspieler enthält. Das fertige Buch exportiert DramaQueen in den Formaten PDF, FDX, RTF, DOC, DOCX oder EPUB.

Fade In

Auf Drehbücher hat sich die Software Fade In spezialisiert. Nach Angaben des Herstellers GCC Productions läuft das Programm unter anderem auf den Rechnern einiger Autoren der Star-Wars-Filme. Fade In kostet einmalig knapp 80 US-Dollar, Interessenten dürfen es in Form einer Demo-Version ausprobieren.

Ergänzend spendiert das Unternehmen kostenlos zwei spezielle Courier-Schriftarten, die sich besonders für Drehbücher eignen. 32- und 64-Bit-Varianten des Programms stehen als DEB-, RPM- und TAR-Pakete bereit. Fade In benötigt allerdings die Bibliothek Libpng12, die aktuellen Ubuntu-Versionen nicht mehr beiliegt.

Das Programm bietet unter anderem Vorlagen für Filme, Theateraufführungen und Fernsehserien. Weitere Vorlagen finden Sie auf der Homepage, unter anderem solche, die den von Warner Bros. geforderten Vorgaben für Drehbücher folgen. Zum Angebot zählt eine Vorlage für Autoren von Romanen, wenngleich die Werkzeuge in Fade In primär auf Drehbücher ausgerichtet sind.

Das Hauptfenster zeigt standardmäßig links die gerade vom Autor bearbeitete Seite des Drehbuchs, rechts daneben weitere Bereiche mit zusätzlichen Informationen und Funktionen (Abbildung 4). Bei Bedarf können Sie jederzeit die Bereiche im Hauptfenster umordnen und in der Größe verändern. Mehrere Dokumente öffnet das Programm in Registern.

Abbildung 4: Fade In nummeriert die Szenen auf Wunsch nach einem frei wählbaren Schema durch, hier in Form von arabischen Zahlen.

Fade In formatiert den Text automatisch, bei Bedarf weisen Sie aber per Mausklick einem Absatz ein anderes Format zu. Anhand des gewählten Formats erkennt die Software die auftretenden Figuren, die Schauplätze und die einzelnen Szenen. Letztere listet der Navigator auf, über den Sie zu einer ganz bestimmten Szene springen. Auf Wunsch stellt das Programm wie in Abbildung 5 jede Szene als Karteikarte dar. Die Namen von Figuren und Schauplätzen verändern Sie mit wenigen Mausklicks im gesamten Manuskript.

Abbildung 5: Karteikarten, deren Reihenfolge Sie per Drag & Drop anpassen, repräsentieren die einzelnen Szenen und nehmen bei Bedarf Notizen auf.

Sie dürfen jederzeit Art, Größe, Farbe und Schnitt der Schrift ändern. Ergänzend heben Sie Passagen mit einem virtuellen Marker hervor. Die Parameter für Ränder, Einzüge und andere Formatierungen geben Sie für das komplette Dokument vor. Wie DramaQueen bietet auch Fade In eine Autovervollständigung und schlägt etwa in der Beschreibung der Szene passende Begriffe vor. Die Rechtschreibprüfung nutzt die deutschen Hunspell-Wörterbücher.

Sie dürfen Bilder, Links, Lesezeichen und Notizen in das Drehbuch einfügen. Das Tool mahnt auf Wunsch zu häufig genutzte Wörter an und überprüft, ob Sie die Formate konsistent anwenden. Im Vollbildmodus blendet es auf Wunsch die Benutzeroberfläche aus, sodass es leichter fällt, sich auf den Text zu konzentrieren.

Spezielle Werkzeuge helfen beim Überarbeiten von Dokumenten. So listet der Dialog Tuner alle Dialoge einer Figur auf, die Sie auf diese Weise schnell bearbeiten und an einen einheitlichen Tonfall anpassen. Das Werkzeug Quick Reformat geht das Dokument Absatz für Absatz durch und korrigiert bei Bedarf das jeweilige Format. Vergleichen Sie zwei Drehbücher miteinander, hebt das Programm die Unterschiede optisch hervor.

Fade In besitzt zudem eine eingebaute Versionsverwaltung, mit der Sie einzelne Szenen einfrieren und später bei Bedarf wiederherstellen. Mehrere Autoren können gemeinsam an einem Drehbuch arbeiten, passende Werkzeuge helfen bei der Revision von Texten. Auf Knopfdruck erzeugt die Software einen von mehreren vorgegebenen Berichten, die etwa alle Figuren mit der Anzahl ihrer Dialoge auflisten.

Dokumente speichert Fade In im offenen, auf XML basierenden Open-Screenplay-Format. Das fertige Drehbuch exportiert die Software in die Formate PDF, HTML, Avid Text, EPUB, FDX, reinen Text, Fountain, RTF, Scrivener und das Open-Scheduling-Format. Auf Wunsch versieht das Programm das Manuskript mit Wasserzeichen.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 9 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2017: Perfekte Videos

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Broadcom Adapter 802.11n nachinstallieren
Thomas Mengel, 31.10.2017 20:06, 2 Antworten
Hallo, kann man nachträglich auf einer Liveversion, MX Linux auf einem USB-Stick, nachträglich...
RUN fsck Manually / Stromausfall
Arno Krug, 29.10.2017 12:51, 1 Antworten
Hallo, nach Absturz des Rechners aufgrund fehlendem Stroms startet Linux nicht mehr wie gewohn...
source.list öffnet sich nicht
sebastian reimann, 27.10.2017 09:32, 2 Antworten
hallo Zusammen Ich habe das problem Das ich meine source.list nicht öffnen kann weiß vlt jemman...
Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 6 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...