AA_color_scanrail_123rf_25230589.jpg

© Scanrail, 123RF

Mit DisplayCAL den Monitor kalibrieren

Farblich abgestimmt

Um die Farben in Bildern verlässlich zu beurteilen, benötigen Sie einen kalibrierten Monitor. Mit einem geliehenen Colorimeter und der passenden Software haben Sie das Problem rasch im Griff.

Wer schon einmal versucht hat, ein gedrucktes Bild mit der Natur in Einklang zu bringen, kennt das Problem: Fast immer unterscheiden sich die Farben auf den Bildern von denen im Ausdruck. Dafür gibt es mehrere Gründe. So gehen zum einen auf dem Weg von der Kamera zum gedruckten Bild Farben verloren. Das menschliche Auge passt sich viel besser als eine Kamera an die unterschiedlichen Lichtverhältnisse an und ergänzt fehlende Informationen automatisch. Zum anderen verschieben sich auf dem Weg über die Kamera, den Monitor und den Drucker die Farbwerte vom Original zum Bild.

Für den ersten Punkt gibt es kaum Abhilfe: Jedes der eingesetzten Geräte kann nur begrenzt Farben aufnehmen und verarbeiten, insbesondere ein Drucker. Der Begriff des Gamuts [1] beschreibt in diesem Zusammenhang die durch internes Mischen möglichen Farben eines Geräts. Farben außerhalb des Gamuts eines der beteiligten Geräte erscheinen in Ersatzfarben, was zu Verfälschungen führt.

So erscheinen die sehr satten Grundfarben des Monitors normalerweise nicht auf einem Ausdruck. Zudem ist das menschliche Auge besonders für Töne im Bereich Grün empfindlich und erkennt in der Natur wesentlich mehr Nuancen dieser Farbe, als ein Monitor anzeigt. Interessanterweise erzielen hier gute Drucker bessere Ergebnisse als einfache Monitore. Bei Mischfarben wie Gelb – am Monitor aus Grün und Rot zusammengesetzt – zeigt sich der Drucker manchmal dem Monitor überlegen, sobald diese Farbe als Prozessfarbe vorhanden ist.

Schon der erste Schritt, das Einstellen der Farben auf dem Monitor, bereitet Probleme, auch wenn heutige LCD-Monitore diese vermindern. Bei Röhrenmonitoren änderte sich die Wiedergabe der Farben nicht nur über die Jahre, sondern selbst im Lauf einer Sitzung. Bei LCD-Monitoren fallen solche Effekte nicht mehr ins Gewicht.

Zu den physiologischen Phänomenen zählt das Weiß-Sehen: Was das Gehirn als "weiß" empfindet, definiert sich über eine ganze Reihe von Faktoren, nicht nur über die wahrgenommenen Wellenlängen. So beeinflussen insbesondere kulturelle Gegebenheiten das, was unser Gehirn als "reines Weiß" erkennt. Asiaten bevorzugen etwa rote Weißtöne, Mitteleuropäer eher blaue.

Da die Umgebung ebenfalls einen deutlichen Einfluss auf die Wahrnehmung hat, verwenden die meisten Programme zum Bearbeiten von Bildern mittlerweile dunkelgraue Themen für das Interface. Das hilft, selbst feine Unterschiede in Schatten zu identifizieren. Einige spezielle Begriffe treten im Rahmen des Farbmanagements immer wieder auf – die Tabelle "Korrekt benannt" hilft hier weiter.

Um nun zu einer möglichst farbechten Wiedergabe zu gelangen, gilt es, den Monitor zunächst zu kalibrieren und anschließend zu profilieren. Erst nach dem Laden des so erzeugten Profils in die Grafikkarte erscheinen auf dem Bildschirm die korrekten Farben. Es ist eine gute Idee, sich vorab einen Überblick über die Wiedergabe von Farben und Helligkeit des Monitors zu verschaffen [2].

Korrekt benannt

Color Lookup Table (cLUT) Tabelle mit den Farbwerten für eine korrigierte Anzeige.
Gamut Mapping Auch "Rendering Intent [3]. Verfahren, mit denen eine Software im Gamut nicht darstellbare Farben umwandelt [4].
Farbraum Beschreibt alle mit einem Gerät darstellbaren Farben [5]. Besonders bekannt sind sRGB (Standard-RGB, für Monitore und Kameras) und Adobe RGB (gute Drucker und Kameras).
Profilierung Bestimmen der Eigenschaften des profilierten Gerätes, also etwa des Monitors. Erzeugt eine Korrekturkurve für das Gerät.
Kalibration Einstellen bestimmter (neutraler) Eigenschaften des Monitors. Das genügt jedoch noch nicht, um Farben richtig darzustellen.

Praxis

Zum Profilieren eines Monitors benötigen Sie zwingend ein Colorimeter (Farbmessgerät), das eine Kamera und mehrere Farbfilter enthält. Es gibt diese Geräte in unterschiedlichen Preisklassen, beim Einkauf sollte der gesunde Menschenverstand als Richtschnur gelten: Um einen 100-Euro-Monitor zu profilieren, brauchen Sie kein Messgerät für 300 Euro. Im Open-Source-Umfeld lohnt auf jeden Fall ein Blick auf den ColorHug (siehe Kasten "Alles frei").

Alles frei

Die Probleme mit der proprietären Software bei kommerziellen Produkten führte schon 2011 zum Projekt ColorHug, mit dem Ziel, ein vollständig freies Colorimeter zu entwickeln, das unter Linux funktioniert. Das ist gelungen, und inzwischen gibt es eine erweiterte Version (ColorHug2), die preislich mit denen anderer Hersteller gleichzieht [6]. Vom gleichen Hersteller gibt es eine professionelle Version des Geräts als ColorHug+, die aber einen entsprechenden Preis hat.

Bei älteren und gebrauchten Colorimetern altern die Filter in den Kameras, wodurch sich die Qualität verringert. Bewahren Sie das Colorimeter daher immer in einem dunklen Karton auf, um diesen Effekt abzuschwächen. Im Zweifelsfall bringt es aber immer noch mehr, mit einem alten Gerät zu profilieren, als gar nicht. Im Prinzip lassen sich die mit einem Colorimeter erstellten Profile sogar zwischen Betriebssystemen austauschen.

Treiber sind für Colorimeter aus zwei Gründen wichtig. Zum einen steuern sie den Betrieb der Hardware selbst, zum anderen haben sich einige Hersteller ein perfides Lizenzmodell ausgedacht: So erlauben die Treiber nur, eine bestimmte, kleine Anzahl von Monitoren zu profilieren (und melden das "nach Hause"). Freie Treiber sparen sich solche Faxen.

Argyll und DisplayCAL

Das Kalibrieren und Profilieren war bis vor einigen Jahren eine mühsame Angelegenheit, die mit den recht kryptischen Tools des Color-Management-Systems ArgyllCMS [7] in einem Terminal erfolgte. Heute erledigen Sie diesen Vorgang mit DisplayCAL [8], was die Sache erheblich vereinfacht.

Das Programm setzt auf Argyll auf und hatte in den letzten Jahren gelegentlich Probleme mit bestimmten Colorimetern und Distributionen. Momentan funktioniert es vor allem unter Arch Linux sehr gut, selbst mit einem älteren Sypder2-Colorimeter. Sie finden DisplayCAL in den Repositories aller gängigen Distributionen. Die Tabelle "Tools" nennt eine Reihe von Programmen, die unter Arch Linux zum Anzeigen und Bearbeiten von ICC-Profilen dienen.

Tools

cd-iccdump, iccdump Binäre ICC-Profil in Textdatei wandeln
cd-create-profile ICC-Profil erzeugen
cd-fix-profile Metadaten anpassen
cd-it8 Colord testen
colormgr Shell-Programm, um mit dem Colord zu interagieren
extracticc ICC-Profile aus JPG- und TIFF-Dateien extrahieren
icc2ps ICC-Profile konvertieren
iccgamut Gamut-Datei erzeugen
icclink ICC-Profile verbinden
icctrans, transicc ICC-Profile konvertieren
jpegicc, tificc, psicc Programme zum gezielten Manipulieren bestimmter Formate
icclu einfache Möglichkeit, Farben in ICC-Profile aufzunehmen oder zu übersetzen

Insbesondere mit Icclu kommen Sie im Alltag schnell in Berührung. Listing 1 zeigt den typischen Einsatz zum Konvertieren anhand eines Profils. Die erweiterte Version Xicclu kann auf Reverse-LUT-Tables zugreifen, das Konvertieren von Farben erfolgt analog zu Icclu. Darüber hinaus visualisiert die Software auf Wunsch die in den Profilen vorhandenen Zusammenhänge, etwa das Erzeugen von Schwarz. In Listing 2 sehen Sie einen entsprechenden Aufruf, Abbildung 1 zeigt das Ergebnis.

Listing 1

$ icclu -ff -ip Profil.icm < Eingabefarben > Ausgabefarben

Listing 2

$ xicclu -g -fif -kp 0 .1 .9 1 .5 -l230 -L95 Profil.icm
Abbildung 1: Das Kommandozeilen-Tool xicclu erlaubt es, bestimmte Eigenschaften von Farbprofilen zu visualisieren.

Ein Teil der Programme verspricht mehr, als er hält: So stürzen einige der Tools aus den Paketen argyll und colord gern ab, meist ohne zuvor die gewünschte Aktion auszuführen.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 7 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Open-Source-Colorimeter

    Der Entwickler Richard Hughes hat ein preiswertes Farbmessgerät entwickelt, dessen Hard- und Software unter freien Lizenzen stehen.
  • Testbild
    Wer mehr am Monitor konfiguriert, als ab und an auf die Autoadjust-Taste zu hämmern, der weiß ein komfortables Tool wie DDCcontrol schnell zu schätzen. Es erleichtert mit seiner grafischen Oberfläche das Einstellen ungemein.
  • Farbmanagement - ICC Profile auswählen
  • Farbecht
    Unter Windows müssen Käufer tief in die Tasche greifen, um für ihren Scanner ein Profil zu erstellen. Linux-User erledigen das mit freier Software in wenigen Minuten.
  • Scanner-Software Vuescan im Test
    Beim Scannen lohnt sich der Griff zur kommerziellen Software Vuescan: Sie sticht die freie Konkurrenz in mehrfacher Hinsicht aus.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2017: Perfekte Videos

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

Broadcom Adapter 802.11n nachinstallieren
Thomas Mengel, 31.10.2017 20:06, 2 Antworten
Hallo, kann man nachträglich auf einer Liveversion, MX Linux auf einem USB-Stick, nachträglich...
RUN fsck Manually / Stromausfall
Arno Krug, 29.10.2017 12:51, 1 Antworten
Hallo, nach Absturz des Rechners aufgrund fehlendem Stroms startet Linux nicht mehr wie gewohn...
source.list öffnet sich nicht
sebastian reimann, 27.10.2017 09:32, 2 Antworten
hallo Zusammen Ich habe das problem Das ich meine source.list nicht öffnen kann weiß vlt jemman...
Lieber Linux oder Windows- Betriebssystem?
Sina Kaul, 13.10.2017 16:17, 6 Antworten
Hallo, bis jetzt hatte ich immer nur mit
IT-Kurse
Alice Trader, 26.09.2017 11:35, 2 Antworten
Hallo liebe Community, ich brauche Hilfe und bin sehr verzweifelt. Ih bin noch sehr neu in eure...