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© Alessandro Guerriero, 123RF

Kostenloser Dokumentenbetrachter PDF Studio Viewer

Angemerkt

Zum Betrachten von PDF-Dokumenten kommt unter Linux meist Evince oder Okular zum Einsatz. Der PDF Studio Viewer will eine Alternative bieten, zeigt im Alltag aber Schwächen.

Die meisten Distributionen bringen von Haus aus Dateibetrachter oder Editoren für viele gängige Formate mit. Ob Texte, Bilder, Videos oder Office-Dokumente, in der Praxis genügt selbst auf einem frisch installierten System ein Doppelklick, und die gewünschte Datei öffnet sich in einem passenden Programm.

Für PDF-Dateien, über die sich sehr einfach und zuverlässig Dokumente austauschen lassen, bringen die gängigen grafischen Umgebungen dazu entsprechende Dokumentenbetrachter mit. Gnome nutzt Evince, KDE enthält Okular, hinzu kommen vom Desktop unabhängige Programme wie MuPDF [1] oder der Klassiker Xpdf [2]. Zudem verstehen sich inzwischen auch Webbrowser wie Chrome und Firefox auf das Öffnen von PDF-Dokumenten.

Evince und Co. beherrschen das Anzeigen von PDFs sehr zuverlässig, schließlich hat Adobe das Format gut dokumentiert. Doch über die Jahre gab es immer wieder Ergänzungen: Mit PDF lassen sich inzwischen Formulare realisieren, die man am PC ausfüllen kann, oder Multimediadaten in das Dokument einbetten. Teile dieser Erweiterungen hat Adobe allerdings nicht dokumentiert, sie funktionierten daher nur mit dem "Original". Aus diesem Grund installierten viele Anwender den Adobe Reader – trotz der immer wieder auftauchenden Sicherheitslücken der viel kritisierten Software.

Mit der Einstellung der Linux-Version des Adobe Readers (siehe Kasten "Ausgedient") gewannen nicht nur die quelloffenen Dokumentenbetrachter an Fahrt, sondern auch proprietäre Alternativen wie etwa PDF Studio [3]. Die für Linux, Mac OS X und Windows verfügbare Anwendung beherrscht in der frisch veröffentlichten Version 12 unter anderem das Zuschneiden von Dokumenten, kommt besser mit hochauflösenden Displays zurecht und durchsucht nun auch mehrere Dokumente gleichzeitig nach Begriffen [4]. Je nach Funktionsumfang kostet die Software 89 Euro ("Standard") beziehungsweise 129 Euro ("Pro").

Ausgedient

Inzwischen gibt es den Adobe Reader nur noch für Mac OS X und Windows. Die letzte Linux-Version 9.5.5 findet sich zwar noch – ein wenig versteckt – auf den FTP-Servern von Adobe [6], es gibt allerdings schon seit Jahren keine Updates mehr dafür. Daraus resultieren unzählige aufgedeckte Schwachstellen im Code, weswegen man von der Anwendung besser Abstand nehmen sollte.

PDF Studio Viewer

Mit dem PDF Studio Viewer hat das Unternehmen nun auch ein kostenloses Programm im Angebot [5]. Das Einspielen des Betrachters erfolgt über eine Einrichtungsroutine, die Sie als 32- oder 64-Bit-Version von der Homepage des Herstellers herunterladen.

Dann geben Sie dem Installer die nötigen Rechte und rufen ihn im Terminal auf (Listing 1). Zur Installation nach /opt oder in andere Systemverzeichnisse benötigen Sie Root-Rechte. Im Test unter Ubuntu Maté 17.04 funktionierte jedoch lediglich eine Installation ohne Root-Rechte in das Home-Verzeichnis des Anwenders.

Listing 1

$ chmod +x PDFStudioViewer*.sh
$ ./PDFStudioViewer_v12_0_0_linux64.sh
### Alternativ mit Root-Rechten
$ sudo ./PDFStudioViewer_v12_0_0_linux64.sh

Eine Deinstallationsroutine fehlt: Rufen Sie das Installationsskript ein zweites Mal auf, bietet es lediglich die Wahl zwischen der Installation in ein anderes Verzeichnis und dem Aktualisieren der bereits installierten Instanz. Zur Deinstallation müssen Sie daher von Hand die Ordner ~/pdfstudioviewer12 und ~/.pdfstudioviewer12 sowie die Desktop-Datei in ~/.local/share/applications entfernen (Listing 2).

Listing 2

$ rm -rf ~/pdfstudioviewer12 ~/.pdfstudioviewer12 ~/.local/share/applications/pdfstudioviewer12-0.desktop

Der PDF Studio Viewer startet mit einem Begrüßungsbildschirm, der die zuletzt geöffneten Dokumente anzeigt sowie ein Upgrade auf die Pro-Version der Anwendung anbietet. Über Datei | Öffnen laden Sie PDF-Dokumente in das Programm. Alternativ ziehen Sie Dateien per Drag & Drop aus einem Dateimanager ins Programmfenster.

Der Aufbau der Oberfläche entspricht dem üblichen Standard: Ganz links finden Sie eine Leiste mit Reiter zum Umschalten zwischen der Seiten- und Lesezeichendarstellung, daneben eine Seitenvorschau. Im Hauptbereich stellt der Viewer die Inhalte des gerade geöffneten PDF-Dokuments dar (Abbildung 1).

Abbildung 1: Im Aufbau unterscheidet sich PDF Studio Viewer nur in wenigen Details von anderen Dokumentenbetrachtern wie Evince oder Okular.

Arbeiten Sie mit einem Notebook oder Tablet mit Touchscreen, blenden Sie über Ansicht | Touchscreen-Modus transparente Schaltflächen in die Darstellung des Dokuments ein, über die Sie von Seite zu Seite springen. Bei der Kontrolle des Layouts helfen Lineale & Raster, die sich ebenfalls über das Ansichtsmenü aktivieren lassen. Weitere für PDF-Betrachter übliche Funktionen wie Zoomen oder Drehen erreichen Sie über das Menü oder die Werkzeugleiste im Kopf des Anwendungsfensters.

Anmerkungen

Ins PDF eingebrachte Kommentare und Anmerkungen zeigt der PDF Studio Viewer automatisch an. Im Test funktionierte das jedoch nur eingeschränkt: Während mit Evince erstellte Kommentare und Markierungen (mehr Funktionen beherrscht Evince auch nicht) in PDF Studio erschienen, versagte das Programm bei Dokumenten, die wir mit KDEs Dokumentenbetrachter Okular bearbeiteten. Statt der Seite mit den Anmerkungen erschien in der Vorschau eine ausgegraute Seite (Abbildung 2), die sich auch nicht darstellen ließ: Wählten wir sie an, zeigte der Viewer stattdessen die Seite davor an. Eigene Anmerkungen lassen sich nur mit den kostenpflichtigen Varianten der Anwendung erstellen.

Abbildung 2: Während Evince die mit Okular gemachten Anmerkungen problemlos anzeigt (links), stellt PDF Studio nur eine graue Seite in der Vorschau dar (rechts).

Eine Besonderheit von PDF Studio liegt in der dokumentenübergreifenden Suche. Über Bearbeiten | Erweiterte Suche durchstöbern Sie wahlweise nur das aktuelle, alle gerade geöffneten Dokumente oder alle PDFs in einem Verzeichnis auf der Festplatte nach Begriffen (Abbildung 3). Ein Klick auf einen der Treffer lädt das entsprechende Dokument ins Programm und öffnet automatisch die passende Stelle.

Abbildung 3: Über die Erweiterte Suche lassen sich ganze Verzeichnisse mit PDF-Dokumenten auf den gewünschten Begriff hin untersuchen.

Auch die Funktion Schnappschuss aus der Werkzeugleiste hebt PDF Studio von anderen Dokumentenbetrachtern ab. So lassen sich sehr einfach Screenshots von Tabellen oder Grafiken erstellen und diese dann in eigene Dokumente integrieren.

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