Zum Einstieg nur Text

Im Gegensatz zu den gängigen Distributionen startet Parabola Linux weder Display-Manager noch Desktop, sondern leitet Sie lediglich auf eine Kommandozeile. Hier melden Sie sich als User root mit dem im Installationsdialog vergebenen Passwort an. Nun können Sie völlig frei und ohne jegliche Vorgaben den von Ihnen präferierten Desktop installieren. Das dank einer großen Entwickler-Community gut gepflegte Arch Linux stellt über die Paketverwaltung auch exotische Arbeitsumgebungen bereit.

Zunächst müssen Sie sich wieder einen Zugang ins Internet verschaffen und dazu die Schnittstellenbezeichnung des Netzwerkzugangs ermitteln. Dazu geben Sie den Befehl ip link ein. Anschließend wählen Sie aus der angezeigten Liste die passende Schnittstellenbezeichnung (für Ethernet in der Regel enp0s25) und lassen dieser vom Router durch die Eingabe von dhcpcd <Schnittstelle> eine IP-Adresse zuweisen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Netzwerkverbindung müssen Sie eingangs manuell aktivieren.

Da Arch Linux mit Pacman ein leistungsfähiges Paketverwaltungssystem besitzt, spielen Sie mit nur wenigen Befehlen weitere Softwarepakete ins System ein. Für eine grafische Umgebung installieren Sie mit dem Befehl aus der ersten Zeile von Listing 1 zunächst den X-Server und seine Komponenten aus den Software-Repositories. Anschließend integrieren Sie den Display-Manager und die Arbeitsumgebung in das System.

Listing 1

# pacman -S xorg-server xorg-xinit xorg-utils xorg-server-utils xterm
### für KDE Plasma 5
# pacman -S sddm plasma kde-l10n-de
# systemctl enable sddm.service
### für Gnome
# pacman -S gnome gnome-extra
# systemctl enable gdm.service

Dazu wählen Sie zunächst den Desktop aus, mit dem Sie zukünftig arbeiten möchten. Da viele Arbeitsumgebungen einen bestimmten Display-Manager empfehlen, hängt dessen Auswahl vom gewünschten Desktop ab. Für den Praxistest installierten wir KDE Plasma 5 samt des Display-Managers SDDM inklusive der deutschsprachigen Lokalisierung (Listing 1, Zeile 3). Bevorzugen Sie anstelle von KDE Plasma 5 den Gnome-Desktop, funktioniert die Installation analog (Zeile 6).

Damit das System den Display-Manager automatisch lädt und der grafische Login-Dialog erscheint, müssen Sie nach der Installation noch den entsprechende Systemd-Service für SDDM (Zeile 4) beziehungsweise GDM (Zeile 7) aktivieren. Beim nächsten Start des Computers landen Sie nun automatisch in einem grafischen Anmeldebildschirm und starten nach Eingabe der Zugangsdaten den entsprechenden Desktop mit deutscher Lokalisierung (Abbildung 3).

Abbildung 3: Das freie Arch-Derivat (hier mit KDE Plasma als Desktop) ist auf einem aktuellen Stand.

WLAN einrichten

Während die Internet-Anbindung via Kabel in Parabola Linux problemlos funktioniert, stellt WLAN aufgrund häufig verwendeter proprietärer Firmware eine erste Hürde für das Arch-Derivat dar. Im Praxistest gelang es daher mangels freier Firmware-Komponenten in vielen Fällen nicht, eine drahtlose Netzwerkverbindung herzustellen. Selbst mit verschiedenen WLAN-USB-Adaptern versagte die WLAN-Anbindung, da auch deren Betrieb häufig eine entsprechende Firmware voraussetzt.

In Parabola Linux lässt sich sehr einfach überprüfen, ob der WLAN-Adapter des Computers funktioniert. Dazu geben Sie in einem Terminal als Root den Befehl ip link ein. Sie bekommen nun neben der Loopback-Schnittstelle lo auch das Ethernet-Interface angezeigt (meist enp0s25). Tauchen keine weiteren Schnittstellen auf, weiß das chilenische Arch-Derivat nichts mit der WLAN-Hardware anzufangen. Findet sich hingegen noch ein weiteres Interface in der Anzeige, dessen Namen in der Regel mit wl beginnt, dann starten Sie im nächsten Schritt den Konfigurationsassistenten für das WLAN.

Dazu geben Sie am Prompt als Administrator den Befehl wifi-menu ein. In einer einfachen Ncurses-Oberfläche listet das Programm die in der Umgebung gefundenen WLANs auf (Abbildung 4). Hier wählen Sie das gewünschte Netz aus und geben anschließend dessen Schlüssel ein. Danach aktiviert das System die Verbindung. Um ins Internet zu kommen, müssen Sie dem Rechner noch vom Access Point eine IP-Adresse zuweisen lassen, was Sie mit dem Befehl dhcpcd Schnittstelle erledigen.

Abbildung 4: Über eine kleine Ncurses-Applikation verbinden Sie sich mit einem WLAN.

Damit Sie den Netzwerkzugang nicht nach jedem Reboot manuell aktivieren müssen, binden Sie die Konfiguration mit dem Befehl aus Listing 2 als Service in Systemd ein. Ab dem nächsten Neustart nimmt das System das WLAN-Interface dann automatisch in Betrieb.

Listing 2

# systemctl enable dhcpcd@Schnittstelle.service

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 6 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2017: Perfekte Videos

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

EasyBCD/NeoGrub
Wolfgang Conrad, 17.12.2017 11:40, 0 Antworten
Hallo zusammen, benutze unter Windows 7 den EasyBCD bzw. NEOgrub, um LinuxMint aus einer ISO Dat...
Huawei
Pit Hampelmann, 13.12.2017 11:35, 2 Antworten
Welches Smartphone ist für euch momentan das beste? Sehe ja die Huawei gerade ganz weit vorne. Bi...
Fernstudium Informatik
Joe Cole, 12.12.2017 10:36, 2 Antworten
Hallo! habe früher als ich 13 Jahre angefangen mit HTML und später Java zu programmieren. Weit...
Installation Linux mint auf stick
Reiner Schulz, 10.12.2017 17:34, 3 Antworten
Hallo, ich hab ein ISO-image mit Linux Mint auf einem Stick untergebracht Jetzt kann ich auch...
Canon Maxify 2750 oder ähnlicher Drucker
Hannes Richert, 05.12.2017 20:14, 4 Antworten
Hallo, leider hat Canon mich weiterverwiesen, weil sie Linux nicht supporten.. deshalb hier die...