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Parabola Linux ohne proprietäre Elemente

Freigemacht

Was taugt ein Linux ohne jeglichen proprietären Code in der Praxis? Wir machen anhand von Parabola Linux die Probe aufs Exempel.

Seit vielen Jahren ist Linux das mit Abstand bekannteste und am häufigsten eingesetzte freie Betriebssystem. Doch obwohl das System unter freien Lizenzen wie der GPL oder LGPL steht, finden sich in vielen Distributionen proprietäre Elemente. Meist handelt es sich dabei um sogenannte Firmware-Module, die für die korrekte Funktion einzelner Hardware-Komponenten unabdingbar sind. Sie bestehen aus Binärcode, den man zwar in den Kernel integrieren und verbreiten darf, jedoch nicht verändern. Er liegt auch nicht im Quelltext vor.

Vor allem Boards für Mobilfunk und Fernsehempfang, aber auch manche WLAN- und Grafikchipsätze funktionieren mangels freier Module nur mit solcher Firmware. Häufig muss der Anwender die entsprechenden Dateien außerdem händisch ins Betriebssystem einpflegen, wobei viele Hersteller keinerlei Unterstützung leisten. Gegen diese Verwässerung des Gedankens freier Software kämpft die Free Software Foundation (FSF) seit Jahren an und fordert Offenheit von den Hardware-Herstellern. Daneben führt die FSF auch Listen von Linux-Derivaten, die keinerlei proprietären Code enthalten [1].

Zu den dort empfohlenen Distributionen zählt das in Chile entwickelte und gepflegte Parabola Linux [2], das sich laut seinen Entwicklern sowohl als Allrounder auf dem Desktop als auch auf dem Server einsetzen lässt. Parabola Linux nutzt statt des generischen ("Vanilla") Linux-Kernels den Linux-Libre-Kernel mitsamt GNU-Komponenten und ist daher frei von jeglichen Binärblobs.

Parabola Linux im Test

Im Test unterzogen wir Parabola Linux einer eingehenden Prüfung und untersuchten seine Praxistauglichkeit auf handelsüblicher Hardware. Als Testgeräte fungierten dabei drei Notebooks unterschiedlicher Prozessorgenerationen, die teils mit kritischen Hardware-Komponenten ausgestattet waren. Dabei lag ein besonderes Augenmerk auf der Funktion der WLAN- und Mobilfunk-Chipsätze, ohne die vor allem mobile Anwender kaum auskommen.

Das chilenische Arch-Derivat Parabola Linux steht als Hybrid-Image zum Herunterladen bereit [3]. Im Rahmen des Tests kam die 64-Bit-Version zum Einsatz. Das Image lässt sich nicht nur auf einen USB-Speicherstick oder alternativ einen optischen Datenträger schreiben, sondern umfasst sowohl die 32- als auch die 64-Bit-Variante im selben ISO-Abbild. Neben dem Standard-Image ohne vorinstallierte Desktop-Umgebung mit rund 610 MByte Umfang gibt es ein weiteres Image mit installierter Maté-Arbeitsoberfläche, das rund 2,15 GByte umfasst.

Zusätzlich stellen die Entwickler mit TalkingParabola eine Abwandlung für blinde und sehbehinderte Nutzer bereit, die sie um eine Sprach- und Braille-Ausgabe erweitert haben. Für Endanwender am ehesten geeignet erscheint die Variante mit Maté-Desktop, die daher auch den Gegenstand des Praxistests bildet.

Booten ins Live-System

Das heruntergeladene ISO-Image startet nach dem Transfer auf einen optischen Datenträger oder einen USB-Stick in einen Grub2-Bildschirm. Der lässt ausschließlich den Live-Betrieb zu, nicht jedoch die direkte Installation auf einen Massenspeicher. Dabei steht eine Startoption für ältere 32-Bit-Hardware ebenso zur Verfügung wie für aktuelle 64-Bit-Systeme. Zusätzlich rufen Sie über den Menüpunkt Hardware Information (HDT) ein Werkzeug zur Hardware-Erkennung auf. Es zeigt auch sämtliche Module an, die das System zum reibungslosen Einsatz der einzelnen Komponenten lädt.

Nach der Wahl einer der Startoptionen bootet das Betriebssystem im Live-Modus zügig in einen verspielt wirkenden Maté-Desktop. Zunächst müssen Sie die Lokalisierung wählen, wobei lediglich Englisch, Spanisch und Portugiesisch zur Auswahl stehen. Hier wählen Sie sinnigerweise den englischsprachigen Desktop und klicken bei der anschließenden Abfrage nach dem Tastatur-Layout auf OK. Eine deutsche Tastaturbelegung lässt sich anschließend unter System | Control Center | Keyboard nachinstallieren.

Auf dem Desktop finden sich neben der horizontalen Panelleiste am oberen Bildschirmrand nur die üblichen Icons. Der Eintrag Parabola Installation CLI ruft das Installationsskript auf, das in wenigen Schritten das Betriebssystem auf die Festplatte oder SSD packt. Um die Routine erfolgreich zu nutzen, müssen Sie jedoch zuvor eine Verbindung ins Internet einrichten, da das System zu Beginn die Paketlisten neu einlesen möchte. Über einen LAN-Anschluss verbindet sich das Live-System jedoch ohne zusätzliche Konfigurationsarbeiten problemlos mit dem Router (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Installationsroutine wirkt optisch ein wenig altbacken.

Gleich im ersten Schritt nimmt der Installer eine automatische Massenspeicherpartitionierung vor. Möchten Sie die Partitionen lieber manuell anlegen, lässt sich das über einen Aufruf von GParted bewerkstelligen. Dazu wählen Sie im Partitionierungsdialog die Option 2 Use gparted to customize. Nach erfolgreicher Installation lassen Sie Parabola Linux dann neu starten.

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