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© Maxim Kazmin, 123RF

Installer-Framework Calamares im Überblick

Baukasten

Mit Calamares erstellen Sie vereinfachte Routinen für die Installation einer Distribution. Einige Fallstricke gibt es dabei aber dennoch.

Falls Sie Linux bereits länger einsetzen und rund 15 Jahre zurückdenken, so brauchte es damals einiges Wissen und viel Zeit, um etwa Debian zu installieren. Das Nürnberger Unternehmen Suse begann Kartons zu verkaufen, die neben der Software ein Handbuch enthielten, das durch die Installation und die ersten Schritte führte.

Im Vergleich dazu lässt sich Linux heute recht einfach installieren. Trotzdem stellen noch heute viele Installer blutige Anfänger vor Probleme – etwa beim Partitionieren, das einer Operation am offenen Herzen gleicht, bei der leicht etwas schiefgeht. Die Installation von Arch Linux bleibt in diesem Zusammenhang außen vor, denn für dieses System existiert kein offizieller Installer. Sehen Sie aber auf Debian, Fedora (Abbildung 1) oder OpenSuse, so bieten deren Setups eine Fülle an Möglichkeiten, bis hin zu LVM/RAID auf verschlüsselten Systemen.

Abbildung 1: Fedoras Installer Anaconda bietet so viele Möglichkeiten, dass es Einsteiger mitunter überfordert, die für sie wichtigen Schalter und Einstellungen zu identifizieren.

Diese Vielfalt wirkt auf Einsteiger schnell verwirrend. Zudem sind diese Anwender es von Windows oder MacOS X her gewohnt, stets den gleichen Installer vor sich zu haben, den Sie mit der Zeit immer besser verstehen. Wer dagegen unter Linux häufig die Distribution wechselt, sieht sich aber immer wieder mit anderen Oberflächen konfrontiert.

Mit dem Auftauchen von Ubuntu besserte sich die Situation. Mit Version 6.06 haben dessen Entwickler Ubiquity [1] als Assistent für die Installation aus einem Live-System vorgestellt. Im Hintergrund kommen dabei Funktionen des Debian-Installers zum Einsatz. Die Wurzeln der Software lagen in der spanischen Distribution Guadalinex, die von der Regierung Gelder erhielt.

Fast alle Ubuntu-Ableger setzten in der Folge auf Ubiquity und vereinheitlichten so das Bild von Distributionen auf der Basis von Debian. Im Reich der RPM-Distributionen und bei Derivaten von Arch Linux herrschte und herrscht nach wie vor aber wilde Vielfalt.

Eine zündende Idee

Vor rund drei Jahren setzte dann der KDE-Entwickler Teo Mrnjavac (siehe Kasten "Interview") eine Idee um, die Distributoren mittlerweile viel Arbeit abnimmt: Mit dem distributionsunabhängigen Installer-Framework Calamares [2] fügen Sie Module zu einem Installer mit speziellem Aussehen zusammen oder erstellen diese Module selbst. Dabei helfen rudimentäre Kenntnisse in Python, um den Code der Module zu verstehen – Bedingung ist das jedoch nicht.

Mrnjavac, der zuvor bereits die Audio-Anwendungen Amarok und Tomahawk mitentwickelt hat, arbeitet für Blue Systems [3]. Dieses Unternehmen beschäftigt rund ein Dutzend bekannter KDE-Entwickler und unterstützt derzeit die Distributionen KDE Neon, Netrunner, Maui sowie andere Linux-Projekte finanziell und bei der Entwicklung.

Nach einem Dreivierteljahr Entwicklungsarbeit war Calamares im Februar 2015 bereit für Version 1.0. Das Ergebnis umfasste 25 Module, die von der Bootloader-Unterstützung über das Partitionieren bis zur Benutzerverwaltung und der Installation selbst alles Grundsätzliche abdeckten. Eine Schnittstelle für von Distributoren selbst erstellte Module gab es ebenfalls. Davon macht unter anderem KaOS Gebrauch, indem es die Release Notes direkt im Installer anzeigt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Distribution KaOS nutzt die Schnittstelle zu Calamares und zeigt darüber mit einem eigenen Modul die Release Notes im Installer an.

Interview

LinuxUser: Teo, vor rund drei Jahren hattest du die Idee eines distributionsneutralen Installer-Frameworks, das dann etwas später als Calamares erschien. Wie kamst du auf diese Idee?

Teo Mrnjavac: Vor Calamares war es bei neuen Distributionen oft üblich, den Installer einer anderen Distribution zu nehmen und diesen an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Dadurch entstanden im Endeffekt Forks von Forks, jeder mit seinen eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Ich erkannte, dass hier viel Arbeitszeit verschwendet wurde, und dass es für Distributoren sinnvoller wäre, zusammen an einem Produkt zu arbeiten, das sich alle teilen.

LU: Rund 20**Distributionen greifen bereits auf Calamares zurück, viele haben im Lauf der Entwicklung am Framework mitgearbeitet. Es sieht aus, als ob weitere Distributionen folgen. Wie sehen deine Zukunftspläne für das Projekt aus?

TM: Calamares ist ein modulares Werkzeug, das es Distributionen erlaubt, den Installer selbst zusammenzustellen, statt auf ein fertiges Produkt zu setzen. Das Schicksal von Calamares hängt also von den Zielen und Prioritäten und nicht zuletzt von den Bedürfnissen der jeweiligen Anwender ab. Mein wichtigstes Ziel bei diesem Projekt ist es, Distributoren zu befähigen, ihre eigenen Ideen in Sachen Installer umzusetzen und für eine reibungslose Installation zu sorgen.

LU: Was für Fähigkeiten braucht ein Distributor, um mit Calamares einen einsatzbereiten Installer zu erstellen?

TM: Calamares ist darauf ausgerichtet, einen simplen Einsatz zu ermöglichen. In den meisten Fällen passt der Distributor lediglich einige Dateien für die Konfiguration an. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, das Framework mit eigenen Modulen in Python oder C++ zu erweitern – das kann man machen, muss man aber keineswegs.

LU: Teo, vielen Dank für dieses Interview!

Stetige Entwicklung

Rund ein Jahr später erschien Calamares 2.0. Neu war der Einsatz des KDE-Partition Manager (Abbildung 3), der nach jahrelangem Schlummer wieder zum Leben erwachte. Das vereinfachte einerseits das Partitionieren und bot auf der anderen Seite erweiterte Optionen für den Vorgang. Calamares unterstützte darüber hinaus Operationen direkt nach der Installation. Das erlaubt es, Befehle auszuführen, wie etwa das Entfernen nicht mehr benötigter Bestandteile der Live-Session.

Abbildung 3: Der Partitionsmanager aus KDE erstrahlt seit Kurzem in neuem Glanz und kommt bei Calamares zum Einsatz.

Seit Calamares 2.2 versteht sich die Software auf moderne NVME-Laufwerke, seit Version 2.3 gehört eine vollständige Verschlüsselung des zu installierenden Systems inklusive Bootloader und wahlweise Swap-Partition per LUKS-Spezifikation ("Linux Unified Key Setup") zum Repertoire. Das gilt selbst für Dual-Boot-Umgebungen, etwa mit Windows 10.

Zudem haben die Entwickler die Funktion Replace Partition eingeführt, die es erlaubt, mit nur einem Mausklick eine Partition ohne Änderungen in Bezug auf die Größe oder den Typ wiederzuverwenden (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die Option Ersetze eine Partition erlaubt das Installieren ohne Ändern des Typs oder der Größe des Dateisystems.

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