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© Thomas B., Fotolia

Bitwig Studio 2 im Praxistest

An die Regler

Mit Bitwig Studio 2 gelingt dem Unternehmen das Kunststück, seine komplexe Audio-Workstation zu erweitern, ohne dass etwas von den Qualitäten der älteren Version verlorengeht.

Ende Februar 2017 hat die Berliner Softwareschmiede Bitwig [1] die Version 2 ihrer DAW Bitwig Studio veröffentlicht [2], wir haben uns Bitwig Studio 2 (Abbildung 1) unter Linux genau angesehen.

Abbildung 1: Bitwig Studio 2 Arranger und Mixer mit vielen nützlichen neuen Details: grafische Fades, konfigurierbare Menüs, besseres Zoom für Tonspuren, flexible Modulatoren für Parameter und vieles mehr.

Die Installation regelt BitwigStudio2 genau wie seine Vorgänger über ein DEB-Paket, das offiziell für Ubuntu 16.04 gebaut ist. Im Test gelang die Installation mit dem Befehl dpkg -i bitwig-studio-2.0.deb unter Ubuntu Studio 16.04 für 64-Bit-Systeme ohne Probleme.

Möchten Sie die Software nicht unter Ubuntu einsetzen, bestehen gute Aussichten auf Erfolg: Es gibt diverse Berichte von Nutzern, die das Programm unter Fedora, OpenSuse, Debian und anderen Distributionen verwenden. Für Distributionen, die nicht auf DEB-Pakete setzen, bieten Tools wie Alien einen Ausweg. Bitwig zeigte sich auf Nachfrage sehr liberal in dieser Hinsicht: Das Unternehmen erklärte ausdrücklich, dass es kein Problem damit hat, wenn Nutzer das offizielle Paket modifizieren, um es zu installieren. Allerdings bietet Bitwig nur für Installationen unter Ubuntu Support an.

Lizenzierung

Als proprietäre Software benutzt die Software einen Kopierschutz, der bei der Installation eine Internet-Verbindung verlangt. Das Authentifizieren der Lizenz erfolgt über das Login in einen Account, den Sie dazu auf der Webseite des Herstellers [1] anlegen. Dabei zeigt sich das Unternehmen erfreulich wenig neugierig, was private Daten angeht. Nur eine gültige E-Mail-Adresse ist zwingend erforderlich.

Beim ersten Start zeigt das Programm nach dem Login mit dem Passwort des Online-Accounts ein Tool, über das Sie einen Assistenten aufrufen, der es Ihnen erlaubt, eine Registrierungsdatei herunterzuladen (Abbildung 2). Anschließend steht die Software offline einsatzbereit und fragt beim Start nicht mehr nach dem Passwort.

Abbildung 2: Der Assistent für die Offline-Activation hilft Ihnen dabei, eine Datei mit den Registrierungsdaten zu laden. Anschließend ist kein Authentifizieren mehr nötig, um die Software auf diesem Computer dauerhaft zu nutzen.

Die regelmäßigen Updates kommen wie das Programm selbst als DEB-Archiv. Sie verlangen kein erneutes Authentifizieren der Lizenz. Allerdings bietet das Unternehmen die Software als eine Art Abonnement an [3]. Upgrades für zwölf Monate sind im Preis von 379 Euro enthalten. Für Besitzer einer Lizenz der Version 1 fallen 159 Euro an.

Das Unternehmen plant, Inhabern einer Lizenz nach den zwölf Monaten die Möglichkeit anzubieten, die Upgrades weiterhin zu einem günstigeren Preis zu beziehen. Die Entwickler begründen dies mit einer Strategie Richtung Rolling Release: Updates sollen nicht mehr nur Fehler korrigieren, sondern darüber hinaus diverse neue Funktionen mitbringen.

Neuigkeiten

Neben neuen Features in der Anwendung selbst bringt Bitwig Studio 2 einige externe Pakete mit, die Samples, Geräte-Presets und MIDI-Loops enthalten. Diese Pakete verwalten Sie mit dem neuen Inspector-Werkzeug (Abbildung 3), in dem Sie außerdem den Account und die Einstellungen des Programms bearbeiten. Außerdem enthält der Inspector eine Übersicht über die vorbildlich ausgebaute Hilfe, in der Sie neben dem ausführlichen Handbuch Links auf eigens von Bitwig gestaltete Anleitungen finden.

Abbildung 3: Die vom Hersteller mitgelieferten Sample-Sammlungen belegen fast ein Gigabyte auf der Festplatte. Wer hier lieber eine Auswahl treffen will, nutzt dazu den neuen Inspector.

Bitwig Studio 2 fühlt sich unter Linux noch schlanker und schneller als die Vorgänger an. Besonders positiv fällt auf, dass die umfangreiche Applikation selbst unter Last nicht aus dem Tritt gerät. Ähnlich wie bei andere Programmen, die für die Oberflächen auf Java setzen, wie etwa das populäre Spiel Minecraft, ist beim Betrieb von Studio 2 eine gewisse Konkurrenz zur Rendering-Engine von Browsern zu beobachten.

Firefox und Google Chrome geben sich deutlich träger, wenn gleichzeitig Bitwig läuft. Das wirkt sich allerdings nicht auf die Stabilität der Funktionen von Studio 2 aus. Selbst wenn sich die Oberfläche nur noch im Schneckentempo bewegt, sind keinerlei Aussetzer oder ähnliche Artefakte zu bemerken, und Aufnahmen funktionieren selbst unter hoher Last tadellos.

Clip-Launcher-Matrix

Vor gut zehn Jahren stellte die Berliner Firma Abelton unter dem Namen "Live" eine neue Software für eine Musik-Workstation vor, die sich besonders an Musiker richtete, die mit dem Laptop live auftreten. Das war damals in Berliner Clubs schwer angesagt und erfreut sich selbst heute noch einiger Beliebtheit: Es schlägt eine Brücke zwischen dem einfachen DJ-Auftritt, bei dem der Künstler fertig produzierte Musik neu mixt, und dem von Hand gespielten Live-Auftritt. Abelton Live gab dem Musiker besonders viel Kontrolle über das gespielte Material und erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Einige Entwickler im Umfeld von Abelton waren allerdings der Ansicht, man könne das Konzept von Live noch besser umsetzen. Das Ergebnis war das Bitwig-Projekt, dessen Studio-Software mit dem Clip Launcher das interessanteste Feature von Live neu umsetzt.

Im Grunde orientiert sich der Clip Launcher an deutlich primitiveren Pattern-Sequencern, wie sie schon vor 30 Jahren als Hardware im Einsatz waren und wie viele Elektronik-Musiker sie in den 1980er-Jahre nutzten. Statt eine Spur in einer linearen Zeitleiste spielt der Clip Launcher eine Vielzahl von in sogenannten "Scenes" gestapelten Mustern. Sie dürfen sogar unterschiedlich lang sein; die Software synchronisiert sie miteinander. Aktivieren Sie einen der Clips im Launcher, wartet Studio, bis dessen Einsatz rhythmisch optimal in einen vorher gestarteten führenden Clip passt, bevor es den Clip von der Leine lässt. Genauso synchronisiert das Programm das Ende des Clips. So passen alle, immer als Loop gespielten Segmente rhythmisch zusammen.

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