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Schlankes MenuetOS-Derivat KolibriOS mit grafischem Desktop

Rasantes Leichtgewicht

Das in Assembler geschriebene KolibriOS eignet sich speziell für sehr betagte Hardware. Zur Not passt es sogar auf eine Diskette.

So mancher Anwender nennt noch einen betagten PC mit einer Pentium-CPU der ersten Generation und wenigen Megabyte Arbeitsspeicher sein Eigen. Solche rund 20 Jahre alten Rechner sind technisch oft noch voll funktionsfähig, lassen sich aber aufgrund ihrer schwachbrüstigen Hardware mit modernen Linux-Distributionen nicht mehr betreiben. Das betrifft auch leistungsschwache Netbooks älteren Semesters, die deswegen nicht selten auf dem Speicher landen.

Mit dem bereits seit 2004 in Entwicklung befindlichen KolibriOS, einem Fork des ebenfalls sehr schlanken MenuetOS, lassen sich solche alten Schätzchen aus dem Dornröschenschlaf wecken und wieder einem sinnvollen Einsatz zuführen.

Technisches

Bei KolibriOS handelt es sich um ein reines 32-Bit-Betriebssystem. Es beschränkt sich auf die Unterstützung von Single-Core-CPUs, läuft aber auch auf Rechnern mit Mehrkernprozessoren. Das komplett in Assembler geschriebene und unter der GPLv2 lizenzierte Betriebssystem gestaltet sich so kompakt, dass die Kernkomponenten unkomprimiert auf einer Diskette Platz finden.

Die von den Entwicklern angegebenen Systemvoraussetzungen muten für heutige Verhältnisse geradezu lächerlich an: Gefordert sind eine Einkern-Pentium-CPU mit mindestens 100 MHz Taktfrequenz sowie 8 MByte Arbeitsspeicher. Zusätzlich empfehlen die Entwickler eine VESA-kompatible Grafikkarte, die die vor rund 20 Jahren aktuellen Bildschirmauflösungen bis hin zu 1024x768 Pixeln bei 32 Bit Farbtiefe unterstützt.

KolibriOS erhalten Sie als winziges 7z-Archiv in mehreren Versionen auf der Projektseite [1]. Für die Installation auf einem Massenspeicher genügen bereits 60 MByte freier Speicherplatz. Das ISO-Image zum Brennen auf CD sowie die Dateien zum Einsatz auf einer Festplatte stellt das Projekt jeweils in englischer, spanischer, russischer und italienischer Sprache bereit; multilinguale Pakete gibt es nicht.

Die Paketarchive mit einem Umfang von jeweils knapp 25 MByte entpacken Sie mit einer Archivierungssoftware wie Peazip oder den entsprechenden Desktop-Applikationen. Anschließend brennen Sie das gut 60 MByte große ISO-Image auf eine CD, von der Sie das System danach starten.

Möchten Sie den russischen Winzling in einer virtuellen Maschine starten oder über das Netz per PXE booten, so erhalten Sie dazu im Wiki [2] umfangreiche Anleitungen.

Treiber

Trotz des geringen Umfangs bietet KolibriOS eine ganze Reihe von Treibern, vor allem für alte Hardware: Grafikkarten von ATI und Intel lassen sich über die Treiber radeon und i915 nutzen, die weitgehend den Linux-Pendants entsprechen. Andere Grafikkarten bedient der im Kernel implementierte VESA-Treiber, der auch "hohe" Farbtiefen von*16, 24 und 32 Bit unterstützt. Es fällt auf, dass es KolibriOS gelingt, auch mit dem hardwareunabhängigen VESA-Grafikkartentreiber die Bildschirminhalte auf modernen Breitbild-Displays im Formfaktor 16:10 und 16:9 korrekt darzustellen.

Bei der Audiounterstützung setzt das kleine MenuetOS-Derivat auf modernere Intel-Treiber (AC97). Es bringt aber auch noch einige Module für Soundkarten mit, die vor rund zwanzig Jahren Maßstäbe setzten: So finden Sie neben Soundblaster-Treibern auch solche für SIS-, Ensoniq- und VIA-Audiokarten, die heute kaum mehr jemand kennt.

Bereits in den 90er-Jahren waren viele Computersysteme vernetzt, und Internet-Standards befanden sich zwar noch in den Kinderschuhen, existierten aber durchaus bereits. Daher unterstützt KolibriOS selbst höchst betagte 3Com590- oder Realtek-LAN-Karten. Darüber hinaus bietet das System aber auch für aktuelle Gigabit-Ethernet-Hardware von Intel Support, sodass moderne Hardware ebenfalls läuft.

Als Massenspeicher lassen sich Disketten, optische Laufwerke (CD/DVD) sowie IDE-Festplatten ansprechen. USB-Speichersticks nach den Spezifikationen 1.x und 2.0 unterstützt KolibriOS ebenso wie USB-Hubs. Somit lässt sich das System auch auf alten Notebooks verwenden, die vielfach Ende der 90er-Jahre erstmals USB-Schnittstellen mitbrachten. Die integrierten Treiber gestatten auch den Anschluss von USB-Geräten wie Maus, Tastatur und externen Festplatten. Selbst ein Treiber zum Ansteuern von USB-Druckern steht bereit.

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