Jobs

Die Gretchenfrage aber lautet: Woher stammt das Einkommen? Vorrangig aus Dienstleistungen, die Sie über das Internet erbringen [9]. Dazu zählen das Betreuen von Social-Media-Kanälen (Facebook oder Twitter) für ein Unternehmen, Webdesign und laufende Pflege einer Internetseite sowie Suchmaschinenoptimierung (SEO) – aber auch Grafikdesign, Programmierung, Entwicklung, Consulting und Affiliate Marketing. Bei Letzterem profitiert dann unter Umständen das eigene Blog.

Bewährt haben sich darüber hinaus Online-Kurse (Betreuung von Schülern oder Studenten im Rahmen eines Trainings), Übersetzungen sowie die Tätigkeit als Autor, Copywriter und Korrekturleser. Möglich sind außerdem bezahlte Artikel für Blogs in Kombination mit dem Verkauf von Verlinkungen darauf.

Besitzen Sie die Gene eines Verkäufers, lohnt es, über einen Online-Shop für den Import und Export digitaler Güter nachzudenken. Stark nachgefragt sind ebenfalls sogenannte virtuelle Assistenten [10], die sich um das Aktualisieren von Webseiten, die E-Mail-Korrespondenz oder das Annehmen von Telefonaten kümmern [11]. Daneben kommt auch die Variante infrage, dass Ihr Arbeitgeber Ihnen zumindest partiell das Arbeiten unabhängig vom Ort ermöglicht – fragen Sie ihn danach!

Aufträge ergeben sich einerseits aus lokalen Kontakten ("Networking") sowie Plattformen wie Dnxjobs [12] und Upwork (früher oDesk) [13]. Beachten Sie bei den Angaben zum Honorar, dass Ihre Konkurrenz sich weltweit verteilt und die Budget-Vorstellung der Auftraggeber zum Teil weit unter den in Mitteleuropa üblichen Sätzen liegt. Auch hier gilt für beide Seiten, dass sich auf Dauer nur Qualität und freundlicher Umgang miteinander auszahlt.

Wie sich gezeigt hat, liegt der Schlüssel zum Erfolg häufig in einer Kombination dieser Möglichkeiten. Mehr und mehr Menschen nutzen das aus, indem sie ein (nach europäischen Maßstäben) kleineres Einkommen beziehen und es vorrangig in Asien als Lebens- und Arbeitsort ausgeben. Das Ausnutzen dieser Unterschiede [14] nennt sich Geo-Arbitrage [15]. Da Großunternehmen von solchen Modellen massiv profitieren, sollten Sie sich nicht davor scheuen – geschenkt bekommt man schließlich nichts.

Orte

Zu den von digitalen Nomaden bevorzugten europäischen Städten zählen Barcelona, Berlin, Budapest und Lissabon, in Asien sind es Thailand mit Bangkok und Chiang Mai sowie Nepals Hauptstadt Kathmandu. Für Afrika steht Kapstadt auf der Liste [16], für Amerika San Francisco (Abbildung 2).

Abbildung 2: Einer der beliebtesten Orte für digitale Nomaden: Bangkok. Die niedrigen Lebenshaltungskosten ermöglichen ein gutes Leben bei einem nach europäischen Maßstäben geringen Einkommen.

Einen ausführlichen Vergleich der Infrastruktur bezogen auf die Regionen, das Klima, das Freizeitangebot, die Offenheit der Bewohner sowie der Lebenshaltungskosten finden Sie online [17]. Darin rangiert Kathmandu an der Spitze vor Budapest (Platz 7), Lissabon (Platz 48), Kapstadt (Platz 51, siehe Kasten "Südafrika"), Barcelona (Platz 58) und Berlin (Platz 60).

Südafrika

Der vorliegende Artikel entstand unter der Sonne Südafrikas, frühere veröffentlichte Beiträge bei Aufenthalten in Frankreich, der Schweiz und Österreich. Aus Sicht der Autoren bietet Südafrika unglaublich viele Möglichkeiten, dem Entdeckerdrang nachzugehen. Nicht ohne Grund apostrophiert man Südafrika auch als "the world in one country" – Anlass genug, länger hier zu verweilen. Sollten Sie erste Schritte ins digitale Nomadenleben wagen wollen, helfen wir Ihnen gern mit Tipps zum Standort Kapstadt und Umland weiter.

Haben Sie den richtigen Aufenthaltsort gefunden, geht es um den konkreten Arbeitsplatz, an dem Neues entsteht. Dazu nutzen Sie in der Regel projektbezogen einen Schreibtisch oder mieten diesen bei Bedarf an ("Rent-a-desk"). Das tun Sie unter Umständen beim Kunden direkt vor Ort – in dessen Räumlichkeiten, in einem Café [18] oder in der Unterkunft ("Home Office").

Coworking Spaces bieten sowohl kurzzeitig wie langfristige Gelegenheiten, Bürobedarf in aller Vielfalt zu mieten, meist in Verbindung mit guter technischer Infrastruktur und Ausstattung sowie (internationalen) Gleichgesinnten (Abbildung 3). Oft ergänzen eine Bar oder ein Café das Arrangement. Größere Häuser bieten teils ein komplettes Mittagessen an.

Abbildung 3: Gemeinsames Wirken über den Dächern von Cape Town: Die Coworking Space Garage der Woodstock Exchange in Kapstadt.

Über verschiedene Plattformen wie Coworking [19], Sharedesk [20] oder Coworking Switzerland [21] erhalten Sie eine ausführliche Zusammenstellung inklusive Preis, Lage in der Stadt und den notwendigen Informationen für die Kontaktaufnahme. Abbildung 4 zeigt die Schweizer Coworking Spaces mit detaillierten Informationen zum Coworking Neuchâtel, Abbildung 5 zeigt dasselbe für das Betahaus in Berlin, und Abbildung 6 die Orte, die sich bei Sharedesk für Kapstadt finden.

Abbildung 4: Schweizer Coworking Spaces im Überblick: Hier finden Sie alle Informationen, die bei der Entscheidung helfen, ob Sie die passende Location gefunden haben.
Abbildung 5: Im Herzen der Hauptstadt arbeiten – das Betahaus Berlin gehört zu den Orten, an dem sich die digitalen Nomaden in Deutschland treffen.
Abbildung 6: Wer mehr Sonne zum Arbeiten braucht, sucht sich seinen Coworking Space in Kapstadt.

Es empfiehlt sich, vor dem Anmieten den Coworking Space zu beschnuppern oder auszuprobieren, um herauszufinden, ob der Platz den eigenen Vorstellungen entspricht. Es sollte ein angenehmer Ort sein, den Sie gut erreichen und der es Ihnen ermöglicht, produktiv zu arbeiten – Sie bezahlen ja schließlich dafür.

Darüber hinaus muss der Ort alle grundlegenden Bedingungen erfüllen. Dazu zählen neben Strom und stabilem Netzwerk (Internet) selbstverständlich Kaffee, (ergonomische) Sitzmöbel sowie die Möglichkeit, ungestört und in Ruhe zu arbeiten. Entwickler benötigen häufig einen Platz zum Konzentrieren, ohne störende Geräusche und Gerüche. Das umfasst auch Musik und Telefonate der Nebenmenschen [22].

Um vorher einzuschätzen, ob der Zugang zum Netz den Ansprüchen genügt, bitten Sie den Betreiber am besten darum, einen Speedtest [23] vorzunehmen und Ihnen danach das Ergebnis zu übermitteln. Damit bleiben schon vorab alle Beteiligten auf der sicheren Seite, und keiner ist enttäuscht, wenn die Bedingungen vor Ort nicht den Erwartungen entsprechen.

Neben dem Flair hängt der Erfolg in noch höherem Maß von den anderen Coworkern und den Veranstaltungen ab, die im Haus für diese und weitere Interessierte stattfinden. Dazu zählen regelmäßige Vorträge, Treffen und Workshops sowie das gemeinsame Essen, Sightseeing oder Ausflüge. Das stärkt das Netzwerk untereinander und erhöht die Bindung an den Ort. Größere Locations, wie das Betahaus Hamburg [24], bieten ein recht umfangreiches Programm.

Sagt Ihnen für die zu erbringende Aufgabe ein solcher Ort gerade nicht zu, gibt es durchaus Alternativen. Bewährt hat sich etwa das Arbeiten unterwegs [25] – in der Abgeschiedenheit einer Berghütte am See, im Zug, im Flugzeug, im Wohnmobil sowie auf dem Schiff [26]. Diese mangels Mobilfunknetz mitunter längere Phase der Ungestörtheit ist einfach grandios.

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