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© Computec Media GmbH

Das modulare Smartphone Fairphone 2

Smart und fair

Das Fairphone 2 versucht den Spagat: Rohstoffabbau und Produktion sollen unter fairen Bedingungen stattfinden, als offene Plattform will es reparaturfreundlich sein und Wahlfreiheit beim Betriebssystem bieten.

Auch die Elektronikbranche versucht sich mittlerweile an Fair-Trade-Produkten. Die Herausforderung besteht hier nicht allein in der Produktion unter tatsächlich fairen Bedingungen: Auch die Rohstoffe für die elektronischen Schaltungen und Batterien, wie Zinn, Tantal, Wolfram oder Gold, sollen aus Quellen stammen, die anerkannt nicht in die Finanzierung von Konflikten verwickelt sind.

Bei den Platzhirschen der Branche finden sich solche Initiativen noch nicht, doch das in den Niederlanden ansässige Unternehmen Fairphone [1] führt mit dem Fairphone 2 [2] bereits die zweite Generation eines möglichst fair produzierten Smartphones in seinem Online-Shop. Das erste Fairphone (sowie dessen leicht überarbeitetes Update FP1U) war mit über 60 000 produzierten Einheiten komplett ausverkauft, das zweite Modell soll diesen Erfolg übertreffen [3].

Fairphone

Bei den Geräten der ersten Generation handelte es sich noch um eine Lizenzproduktion, das neue Modell entstand dagegen in Eigenregie. Fairphone verspricht sich davon einen noch besseren Einfluss auf die Produktionsbedingungen, die verbauten Materialien sowie die Lieferantenkette. Zudem achteten die Entwickler bei der Gestaltung des Telefons besonders auf Haltbarkeit, viele Komponenten lassen sich austauschen.

Technisch basiert das Fairphone 2 auf dem Qualcomm-SoC MSM8974AB-AB, der auch Geräte etablierter Hersteller wie das HTC One M8 oder das Samsung Galaxy S5 antreibt (siehe Tabelle "Technische Daten"). In Kombination mit 2 GByte Arbeitsspeicher und 32 GByte internem Speicherplatz (der sich über einen MicroSD-Kartenslot weiter aufrüsten lässt) arbeitet das Gerät im Alltag trotz des schon leicht angestaubten Prozessors recht schnell genug. Der wechselbare Akku bringt den Nutzer über einen kompletten Tag.

Technische Daten

Display 5 Zoll, 1080 x 1920 Pixel, 446 ppi
Betriebssystem Android 5.1 (Ubuntu Touch möglich)
SoC Qualcomm MSM8974AB-AB
CPU Snapdragon 801 2,26 GHz Quad-Core
GPU Qualcomm Adreno 330 GPU (578 MHz)
RAM 2 GByte LPDDR3
Speicher 32 GByte eMMC5, MicroSD-Slot
Akku 2420 mAh (austauschbar)
Kameras 8 MP (f2.2), 2 MP (Rückseite)
Funk LTE, 802.11b/g/n/ac, Bluetooth 4.0 LE
Dimensionen (HxBxT) 143mm x 74mm x 11mm, 168 Gramm
Preis, Gewicht 520,63 Euro1
1 In Deutschland übernimmt 1&1 den Vertrieb [21].

Modular

Während man die meisten Smartphones aufgrund fest verbauter Akkus und verklebter Gehäuse selbst bei einem kleinen Schaden entweder teuer reparieren oder gleich entsorgen muss, lässt sich das Fairphone 2 mit einfachsten Mitteln komplett zerlegen. Auf der Reparierbarkeitsskala von iFixit erreicht das Gerät als einziges Smartphone 10 von 10 Punkten [4]. Ersatzteile wie Batterie und Display sowie Bausteine wie das Kamera-Modul offeriert der Fairphone-Shop ab 20 Euro aufwärts [5]. Das Display ist mit etwa 85 Euro das teuerste Ersatzteil. Zudem soll es in Zukunft neue Komponenten zu kaufen geben [6].

Ausgeliefert wird das Gerät mit Fairphone OS, das nach Installation der Updates bei Version 1.11.1 steht (Abbildung 1). Das System basiert auf Android 5.1 "Lollipop" und wurde von den Entwicklern nur leicht angepasst. So zeigt es beispielsweise beim Start von Apps an, ob diese die Privatsphäre des Nutzers beeinträchtigen. Fairphone verspricht, die Software über 2 Jahre hinweg mit Updates zu versorgen [7], die eklatante Fehler oder Sicherheitslücken beheben.

Abbildung 1: Das Fairphone OS verzichtet auf unnütze Anwendungen.

Auf ein großes Update auf Android 6 "Marshmallow" (oder neuer) warten Besitzer des Geräts bislang vergeblich. Dazu schrieb der Community-Manager des Projekts, Douwe Schmidt, im November letzten Jahres, dass das Update "in den nächsten Monaten" bereitstehen solle [8]. Im Januar hieß es dann auf dem Twitter-Channel, das Update stünde "binnen Wochen" an [9]. Weitere Ankündigungen liegen derzeit nicht vor.

Als Alternative zum vorinstallierten System gibt es mit Fairphone Open eine Open-Source-Variante des Betriebssystems [10]. Sie verzichtet auf proprietäre Bestandteile (bis auf die zur Hardware-Unterstützung nötigen Binary-Blobs) und richtet sich daher an Anwender, die ein möglichst freies und offenes System ohne einen direkten Draht zu Google bevorzugen. Apps lassen sich dann etwa aus dem Open-Source-Market F-Droid [11] installieren.

Alternativ bieten Anwendungen wie der YalpStore [12] oder Raccoon [13] die Möglichkeit, App-Installationspakete in Form von APK-Dateien aus dem Play Store zu laden, ohne das komplette Google-Framework auf dem Handy installieren zu müssen. Die Open-Variante von Fairphone OS bietet zudem den Vorteil, dass sich das System direkt aus dem Einstellungsmenü heraus rooten lässt und Updates in monatlichem Turnus erscheinen.

Bei Bedarf lässt sich Fairphone Open zudem mittels Open GApps [14] mit den Google-Anwendungen nachrüsten und so zu einem "vollwertigen" Android-System mit Root-Rechten machen.

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Kommentare
Ubuntu Phone hat sich erledigt
Nina Kuckländer (unangemeldet), Freitag, 07. April 2017 10:43:00
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Canonical gibt Ubuntu Phone auf und setzt auf Cloud:
https://www.heise.de/newsti...top-durch-Gnome-3-3676254.html
https://insights.ubuntu.com...er-than-phone-and-convergence/


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