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Exklusiv auf Heft-DVD: Knoppix 8.0 LU-Edition

Achter vom Steuermann

Klaus Knopper lässt pünktlich zur CeBIT sein Knoppix 8.0 als LinuxUser-Edition zu Wasser. In dem folgenden Artikel gibt er Einblicke in Distributionsinterna und beschreibt die neuen Features.

Seit über 15 Jahren erscheint etwa halbjährlich meine Zusammenstellung von Debian-GNU/Linux-Software unter dem Namen Knoppix ("Knoppers Unix System"). Die Distribution bootet von DVD, USB-Flashdisk oder übers Netzwerk und läuft sofort fertig konfiguriert los, ohne auf einer Festplatte installiert sein zu müssen. Die sorgfältig zusammengestellte Software-Ausstattung eignet sich zum Arbeiten, zum Surfen im Internet, zum Spielen, Unterrichten, Lernen, Programmieren und nicht zuletzt zum Retten von Daten defekter Betriebssysteme.

Die Version 8.0.0 [1] habe ich im Auftrag von LinuxUser wie in den letzten Jahren zur CeBIT zusammengestellt. Sie mixt Debian Stable ("Jessie") mit etlichen Paketen aus Testing ("Stretch") und Unstable ("Sid") – in erster Linie neue Grafiktreiber und Desktop-Programme. Um möglichst viel aktuelle und neue Hardware zur Mitarbeit zu bewegen, verwende ich den aktuellen Linux-Kernel 4.9 sowie X.org 7.7 (Core 1.19.1) und – als Aufsatz zur sehr flott startenden Desktop-Oberfläche LXDE – die komfortable 3D-Erweiterung Compiz 0.9.13.1 (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit Compiz gerät das Umschalten zwischen den virtuellen Desktops zum 3D-Ereignis.

Bootoptionen als Notnagel

Normalerweise benötigt Knoppix keinerlei Bootoptionen, um die vorgefundene Hardware inklusive Grafikkarte zu erkennen und das System optimal zu konfigurieren. Die zunehmende Anzahl verschiedener Chipsätze macht es aber manchmal doch notwendig, das eine oder andere Feature oder eine einzelne Komponente diagnostisch beziehungsweise vorübergehend abzuschalten, um zum regulären Desktop durchzustarten. Dazu tippen Sie hinter dem Bootprompt (Abbildung 2) knoppix (32 Bit) oder knoppix64 für den Kernel, gefolgt von den gewünschten Optionen.

Abbildung 2: Am Bootprompt lassen sich besondere Parameter eintragen.

Häufige Bootoptionen nennt gleich die Boot-Hilfe, die Sie bei Bedarf über [F2] oder [F3] abrufen. Weitere finden Sie in der Textdatei KNOPPIX/knoppix-cheatcodes.txt aufgelistet. Hängt etwa der Desktop, wenn der 3D-Windowmanager Compiz starten soll, dann helfen oft die Bootoptionen knoppix nocomposite oder knoppix no3d. Erstere schaltet die Composite-Erweiterung des Grafiksubsystems ab, Letztere unterbindet den Compiz-Start komplett.

Das Ganze funktioniert aber im Bedarfsfall genauso gut auch umgekehrt: Für Grafikkarten, die eigentlich nicht schnell genug für Compiz arbeiten und die daher automatisch mit der flachen Window-Manager-Alternative Metacity starten, erzwingen Sie mit der Option knoppix 3d die 3D-Oberfläche mitsamt Software-Rendering.

Knoppix-Support

Falls die Heft-DVD 2 mit Knoppix einen physischen oder logischen Schaden aufweist, genügt dasselbe einfache Prozedere wie bei jedem anderen Heft-Datenträger, um schnell ein Ersatzexemplar zu bekommen: Schreiben Sie einfach eine E-Mail mit kurzer Beschreibung des Defekts an mailto:computec@dpv.de, und vergessen Sie dabei bitte nicht, Ihre Postanschrift mit anzugeben.

Bei technischen Problemen beantwortet Klaus Knopper netterweise Fragen zu Knoppix 8.0. Dazu genügt es, eine E-Mail an die Adresse mailto:knoppix@linux-user.de zu schreiben.

Flotter von Flash

Heute installieren die meisten Anwender Knoppix nach dem ersten Start auf einem USB-Stick, statt immer von DVD zu starten. Dazu benötigen Sie einen Flash-Stick mit wenigstens 8*GByte Kapazität.

Obwohl ich das ISO-Abbild durch eine Sortlist fürs DVD-Lesen optimiert habe, was die sehr langsamen Positioniervorgänge des Laser-Lesekopfs reduziert, beschleunigt Flash-Memory den Startvorgang und das Arbeiten mit Knoppix um mindestens den Faktor fünf. Das ermöglicht Startzeiten vom Laden des Kernels bis zum kompletten Desktop inklusive Compiz in unter 15 Sekunden, einigermaßen moderne Hardware und einen schnellen USB-Stick oder SD-Kartenleser vorausgesetzt.

Beim Start der Distribution von DVD lädt schon seit mehreren Knoppix-Versionen ein Desktop-Icon links oben dazu ein, das Install-Programm flash-knoppix zu starten. Dieses Werkzeug ersetzt die erste nicht beschreibbare Partition auf dem Zieldatenträger durch eine beschreibbare FAT32-Partition, die nebenbei auch gleich die für UEFI-Boot benötigten Dateien enthält und auf der sich die Bootkonfiguration wie bisher auch leicht modifizieren lässt.

Das voll beschreibbare System auf dem Ziel-USB-Stick besitzt zudem die Option, die künftig selbst angelegten persönlichen Daten zu verschlüsseln. Die seltenen Konstellationen, bei denen PCs nicht von USB starten wollen, diskutiert der Kasten "EFI und hybrides Booten".

Knoppix 8 lässt sich nun, auf einer SD-Karte installiert, auch auf Computern starten, die einen MMC-Kartenleser besitzen, der nicht dem unter Linux üblichen Namensschema /dev/sd* folgt, sondern sich als /dev/mmcblk0 anbietet. Die Partitionen darauf heißen dann entsprechend mmcblk0p1 und so weiter. Aktivieren Sie auf der Knoppix-SD-Karte den Schreibschutz-Schalter, dann ignoriert Knoppix die beschreibbare Overlay-Partition. Auf diese Weise lässt sich gegebenenfalls der Start von DVD simulieren, bei dem nur eine RAM-Disk für Veränderungen bereitsteht.

Neu in Version 8 ist die Möglichkeit, eigene Änderungen am System direkt in ein neues komprimiertes Image zu remastern (Abbildung 3). Vorsicht: Auch private Daten wie Lesezeichen, gesetzte Cookies und Passwörter für Webseiten oder Netzzugänge gelangen beim Remastern mit ins neue Image – prinzipiell eben alles, was Sie gegenüber dem Original neu gespeichert und nicht wieder gelöscht haben. Erscheint Ihnen das zu heikel, dann verzichten Sie besser auf das Remaster-Feature. Knoppix ignoriert dann die beschreibbare Overlay-Partition und kopiert die neuen Daten nicht mit.

Abbildung 3: Neu in Knoppix: Beim Schreiben auf ein Flash-Device können Sie eigene Änderungen in ein neues komprimiertes Image remastern.

EFI und hybrides Booten

Sowohl sehr alte als auch sehr neue Computer booten oft nicht von USB: Bei den einen unterstützt dies das BIOS nicht, bei den anderen erschwert oder verbietet EFI das Starten von externen Datenträgern.

Grundsätzlich startet Knoppix auch im EFI-Modus von einem USB-Stick, da der Ordner efi/ auf der ersten Partition die dafür notwendigen Startdateien enthält. Ist auf dem Rechner die EFI-Firmware auf Secure Boot gesetzt, sollte beim Start eine Abfrage des signierten Bootloaders erscheinen, die um das Bestätigen und Speichern der Prüfsumme bittet, bevor das System starten kann.

Falls dieser Dialog ausbleibt und das System sich weigert, von USB zu booten, dann hilft die BIOS-Einstellung CSM ("Compatibility Support Module") weiter, die sachlich richtiger eigentlich "Traditionell starten per Bootrecord und Bootloader" heißen sollte. Laut Intels Vorgaben sollten alle EFI-Computer CSM als Option bieten.

Für alle Fälle, bei denen ein Start von USB-Flashdisk nicht gelingt, enthält Knoppix 8.0 im Ordner KNOPPIX/ das ISO-Image einer gerade einmal 15 MByte großen Boot-only-CD. Die brennen Sie im Falle eines Falles auf einen leeren Rohling und fahren davon den Computer in Kombination mit einem Knoppix-8.0-USB-Stick hoch. Der Bootprozess beginnt dann zunächst auf der CD und wechselt nach kurzer Zeit auf den USB-Stick. Der Workaround funktioniert bei den meisten Problem-PCs sehr gut. Das gilt ganz speziell auch bei Macs mit eingeschränkter Möglichkeit, von externen Datenträgern zu starten, selbst per EFI.

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