Frisches Obst

Ebenso wie Gnome 3 spaltet das globale Anwendungsmenü am oberen Bildschirmrand von Ubuntus Unity die Anwender in zwei Lager. Die an MacOS angelehnte Menüleiste zieht sich durch alle Desktops, selbst Flashback fehlt dabei nicht. Dank der Unterstützung für die Indicator-Applets steht auch für Ubuntu eine Flashback-Version bereit. Sie installieren dazu einfach das Paket indicator-applet-appmenu.

Um Platz im oberen Panel zu schaffen, empfiehlt es sich, das zweiteilige Gnome-Menü zu entfernen und durch die einfache, nur aus einem Symbol bestehende Alternative zu ersetzen. Mit dem beschriebenen Kontextklick auf das Panel und der Auswahl von Indicator Anwendungsmenü-Applet fügen Sie nun die Menüleiste zum Panel hinzu. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wie Abbildung 4 zeigt.

Abbildung 4: Ein Hauch von Mac: Mit der globalen Menüleiste versuchen die Entwickler dem Desktop ein Element zu nehmen, das sich aber bei vielen Anwendern großer Beliebtheit erfreut.

Zwar fehlt der aus MacOS bekannte Anwendungsname vor dem Menü, aber das Zusammenspiel mit den Fenstern der Programme funktioniert vorerst. Solange Sie darüber hinwegsehen, dass das Menü neuer Gnome-Anwendungen recht einsilbig daherkommt und Sie es generell per Maus bedienen müssen, ist dieses Konzept ganz angenehm, da das Menü der fokussierten Anwendung stets an einem zentralen Ort präsent bleibt.

Erst der Zugriff über die Tastatur offenbart einen ziemlich groben Fehler: Drücken Sie [Alt]+[D], klappt das Menü Datei nicht aus dem Panel heraus auf, sondern aus der (eigentlich gar nicht vorhandenen) Zeile im Programmfenster. Das ruft Irritationen hervor, insbesondere bei Powerusern, die gern und häufig mit der Tastatur arbeiten. Dieses seltsame Verhalten stellt leider keinen Einzelfall dar, eine ähnliche Implementation in Cinnamon zeigt die gleichen Symptome.

Ob Sie nun die Menüleiste in dieser Form akzeptieren oder nicht, sei dahingestellt. Das zweitwichtigste Merkmal eines Apple-Desktops ist zweifellos das Dock am unteren Bildschirmrand. So etwas bekommen Sie recht gut mit Plank auf den Desktop gezaubert, das zwar nicht gerade vor Features strotzt, aber den Zweck einer Startleiste mit eingebauter Fensterliste perfekt erfüllt (Abbildung 5, unten).

Abbildung 5: Wie aus dem Nichts klappen die Menüs im Programmfenster aus.

Sowohl optisch als auch in Bezug auf das Bedienkonzept orientiert sich Plank am Vorbild der Software aus Cupertino. Ein einmal aus dem Startmenü oder per Befehlszeile aufgerufenes Programm verewigen Sie im Dock durch Rechtsklick auf das Icon und Ankreuzen von Im Dock behalten. Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Icons, vergrößert die Software die Symbole, und ein Tooltipp zeigt den Namen an. Das erlaubt es, die Icons in der Grundeinstellung angenehm klein zu halten, denn selbst auf hochauflösenden, breiten Displays läuft Plank erstaunlich schnell voll.

Außerdem blendet es sich aus dem Desktop aus, sobald ein Fenster in seine Nähe gerät. Sie holen es wieder hervor, indem Sie mit dem Mauszeiger an den unteren Rand fahren. Das Vergrößern funktionierte allerdings nicht auf dem zweiten Testsystem mit Fedora 25: Dort haben die Entwickler die wellenförmige Animation herausgenommen, um einem eventuellen Streit in Bezug auf das entsprechende Patent aus dem Weg zu gehen.

Fazit

Gnome Flashback versteht sich lediglich als Ersatz für die Gnome-Shell. Andere Features, wie die anwendungsseitig gezeichneten Fensterrahmen oder die Trennung der Einstellungen in das offizielle Gnome-Kontrollzentrum und das Gnome Tweak Tool, gehören dagegen fest zum Konzept von Gnome, egal, ob Flashback oder Shell. Eine besonders gute Integration von Kernanwendungen wie Nautilus in den klassischen Desktop war im Test nicht zu verzeichnen, aber andererseits auch keine Unverträglichkeiten. Wenn Sie die stellenweise recht tiefe Kluft zwischen Anspruch und Realität in Kauf nehmen, hat Flashback seinen Platz in der Landschaft der Arbeitsumgebungen schon gefunden.

Mit Flashback erhalten Sie nur einen kleinen Kern-Desktop aus Sitzungsverwaltung, Panel und wenigen anderen Komponenten. Liegt das Ziel in der Modularität, die den Austausch von Kernbestandteilen überhaupt erst ermöglicht, dann stellt Flashback eine gute Wahl dar, jedoch keineswegs die beste. Solange sich seine Weiterentwicklung weiter im Wesentlichen auf kosmetische Maßnahmen beschränkt, bieten sich in den einzelnen Disziplinen oft interessantere Alternativen an: Desktops wie XFCE, LXQt oder Maté stehen Flashback in Sachen Modularität in nichts nach und bieten zudem eine größere Auswahl an spezifischen Erweiterungen. 

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