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© William Perugini, 123RF

Endless OS – PC für Schwellenländer

Volks-PC

Endless OS richtet sich mit vielen Offline-Inhalten an Nutzer, die keinen oder nur unregelmäßig Internet-Zugang haben. Ein kostengünstiges Paket aus Hard- und Software erleichtert einkommensschwächeren Anwendern den Zugang zu Computern.

Weiße Flecken auf der Landkarte – das bedeutet im 21. Jahrhundert: Regionen, wo man entweder gar nicht oder nur stark eingeschränkt auf das Internet zugreifen kann. Selbst in den USA ist es in kleineren Städten und auf dem Land durchaus nicht unüblich, dass die Bewohner das Internet an manchen Tagen für Stunden nicht erreichen. Auch in Deutschland gibt es noch netztechnisch unterversorgte Gegenden, in denen man auf die Größe von Downloads achten muss oder nur über eine sehr langsame Anbindung verfügt.

Das kombinierte Hard- und Software-Angebot von Endless Computers [1] adressiert vorwiegend Bewohner von Schwellenländern. Nach Erfahrung der Entwickler verfügen diese bei gemäßigtem Wohlstand zwar über eine feste Wohnung mit Energieversorgung sowie meist einen Fernseher, oft jedoch fehlt der in der Gegenwart beinahe unerlässliche Computer. Um überhaupt Zugriff auf das Internet zu erhalten, gehen solche Menschen gemeinhin in einen Internet-Shop – somit amortisiert sich für sie eine Investition in das Konzept von Endless relativ schnell.

Darüber hinaus engagieren sich die Entwickler sehr in der Open-Source-Szene. So gehört Endless Computers nicht nur als beratendes Mitglied dem Gnome Advisory Board [2] an, sondern wirkt auch bei Debian Derivatives [3] mit. So sollen für Endless OS erstellte Anwendungen und Frameworks auch für Debian erscheinen.

Duales Konzept

Das zweigeteilte Konzept von Endless Computer umfasst unabhängig voneinander Hard- und Software. Das kleine Unternehmen, das sich 2011 über eine Kickstarter-Kampagne [4] gründete, unterhält Niederlassungen in San Francisco und Rio de Janeiro. In der Rubrik Hardware bietet das Unternehmen zwei selbst entworfene Mini-PCs in Kugelform an. Die kleinere Version davon kostet je nach Austattung 79 beziehungsweise 99 US-Dollar, die größere Variante 189 oder 229 US-Dollar.

Der kleinere Kugel-PC namens Endless Mini beherbergt eine Intel-Celeron-CPU mit 1,5 GHz Taktrate, 1 GByte RAM, 24 oder 32 GByte Flash-Speicher, drei USB-2.0-Anschlüsse sowie einen HDMI-Port, Ethernet und Audio. Das größere Endless One kommt mit einem auf 2,17 GHz getakteten Intel Celeron, 2 GByte RAM, einer 500-GByte-Festplatte, Gigabit-LAN und zwei USB-2.0-Anschlüssen sowie einem USB-3-Anschluss. Die PCs nutzen einen Fernseher mit HDMI-Eingang als Monitor, als System dient vorinstalliert Endless OS.

Bewährte Software

Als Software-Seite der Kombilösung dient das kürzlich in Version 3.0 erschienene Endless OS. Die Entwickler stellen es unabhängig vom Alternativ-PC auch als freie Software zum Herunterladen zur Verfügung. Es soll ein Betriebssystem für die ganze Familie sein und sowohl der Arbeit und Weiterbildung als auch für Erholung, Spiel und Spaß dienen.

Endless OS basiert auf Debian GNU/Linux 8 "Jessie" und einem angepassten Gnome-Desktop (Abbildung 1). Das Hauptaugenmerk der Entwickler lag darauf, dass sich das System auch ohne Internet-Verbindung sinnvoll nutzen lässt.

Abbildung 1: Die Interpretation der Gnome-Shell von Endless OS wirkt deutlich anders als man sie von Standard-Systemen kennt.

Dazu bringt die Distribution unter anderem bereits über 100 vorinstallierte Anwendungen mit, die kein Internet benötigen. Die Vollversion von Endless OS enthält zudem eine Offline-Version einer auf Wikipedia basierenden Enzyklopädie (Abbildung 2). Steuern lässt sich das System über ein App-Center, das – analog zur Smartphone-Bedienung – Apps und Apps-Bundles über große Icons zur Installation anbietet.

Abbildung 2: Die ins System integrierte Encyclopedia kommt auch ohne Internet-Anschluss aus.

Die Logik dahinter lässt sich visuell leicht erfassen. Ein Menü, wie es Desktop-Umgebungen normalerweise zur Orientierung mitbringen, beschränkt sich hier auf den Zugriff auf die Einstellungen. Über einen Site-Specific-Browser [5] (SSB) lassen sich beliebige Webseiten oder Internet-Dienste direkt auf dem Desktop anlegen. Die so gestarteten Angebote verzichten auf viele Elemente aus der Browser-Umgebung und lenken die Konzentration eher auf die Inhalte. Nach Entwicklerangaben setzt der Einstieg in das System keinerlei PC-Kenntnisse voraus.

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